Vollständige Version anzeigen : Absprung schaffen...
Joe
1. December 2003, 13:40
Hallo Miteinander!
Nachdem ich seit fast sieben jahren kommerziell als Pilot unterwegs bin(erst als Fluglehrer,dann Copi und jetzt Commander),überlege ich mir sehr ernsthaft abzuspringen.Der Grund;Einerseits bin ich es mir leid,extrem viel Zeit meiner(wenigen) Freizeit für den Arbeitsweg zu opfern(wohne in der CH und arbeite im Ausland...ein Weg dauert in etwa fünf Stunden und kostet mich fast 100SFR und führt mittlerweile über das schaurige Dock E in ZRH),andererseits habe ich mein upgrading bestanden,fliege seit Januar auf einem fürchterlichen turboprop-Hobel(ATR 72),und fange an mich im Flugi ernsthaft zu langweilen ...es ist einfach keine Herausforderung mehr da!Die Flüge scheinen monoton und immer gleich,mit der Zeit kennt man die ganzen Destinationen in-und auswendig...etc
Dazu kommt eine miserable Bezahlung(in etwa 5000SFR Brutto,macht ca. 2400SFR netto,Steuern und Abgaben sind schaurig hoch).An Familie ist nicht zu denken(meine Kinder würden mich sehr bald nur Siezen,ist auch finanziell nicht tragbar).
Ich hatte kürzlich ein Angebot von einer Leasingfirma,die wollte für 80(!)Blockstunden 3400 Euro bezahlen(Commander)...ein Witz!Soviel habe ich vor Zehn Jahren auf dem Bau verdient,bei weitaus weniger Verantwortung!...Ich würde einfach gerne mal hören,was ihr so für jobs gefunden habt,nachdem ihr aufgehört(wurdet)..oder habt.
Ich weiss,das tönt wirklich alles etwas negativ-vor allem für die ganz angefressenen,aber die Realität in der Fliegerei hat sich in den vergangenen Jahren bös zum schlechteren gewendet,glaubt mir!
Gruss Joe
BH47
1. December 2003, 16:32
Hallo Joe,
vielleicht ist es Dir nur noch nicht aufgefallen, aber Deine Frage hast Du dir bereits selbst beantwortet:D
Gruss
Joachim, der immer liest was nicht geschrieben steht.
golden Cherry
1. December 2003, 18:17
Tja Joe...
Ich denke Du hast Dich schon entschieden... Warum zögerst Du noch?? Brauchst Du noch etwas Bestätigung??
Nun vielleicht ist es besser wenn Du den Pilotenjob gleich an den Nagel hängst.. viele fluggeile Piloten ohne Arbeit werden es Dir herzlich Danken..
http://mypage.bluewindow.ch/mmichel/bildersonnenaufgang/DSCN0730.jpg
Eines sollte Dir aber bewusst sein.. Solche Momente wirst Du in einem Büro nie erleben...
http://mypage.bluewindow.ch/mmichel/bildersonnenaufgang/147_4708.jpg
Alles Gute für Deine Zukunft..
Marc
teedoubleyou
1. December 2003, 20:38
Hallo Joe
Ich denke auch, dass du dir die Antwort bereits gegeben hast.
Wenn dich der Job wirklich so plagt, ist es sicherlich an der Zeit etwas Neues zu suchen.
Das Problem ist halt, dass du dich irgendwann mal für den Job Pilot entschieden hast, wie sich ein Metzger für seinen Beruf entschieden hat. Irgendwo quer einzusteigen ist natürlich ein Problem, zumal die Jobsituation auch in anderen Branchen nicht gerade rosig ist.
Es stellt sich natürlich in erster Linie die Frage, was du noch kannst ausser fliegen. Wie ich lese hast du früher auf dem Bau gearbeitet? Maurer oder so etwas? In wie weit bist du für diese Aufgabe noch current? Wo hast du sonst noch Erfahrung?
Glaub mir, es ist nicht nur in deinem Job das lästige Problem. Bock schon längst keinen mehr, aber den Schritt in eine neue berufliche Zukunft ist dann doch immer sehr schwer. Angst vor Neuem, Existenzängste usw.
Ich wünsch dir auf jedenfall viel Glück.
NB: Vollzeit Fliegen würde ich in der heutigen Zeit auch nicht mehr wollen, aber um deine Fluglehrerlizenz beneide ich dich schon.
Marc, g...e Fotos!!
Gruess
Tom
petra
2. December 2003, 09:35
Hallo Joe,
wie wäre es mit einem Tausch? Biete BWL-Studienplatz mit Schwerpunkt Tourismus!:005: Also ich würde jeder Zeit sehr gerne mit Dir tauschen!!! :rolleyes:
Aber jetzt mal im Ernst: Kann es vielleicht sein, dass Du in einem momentanen Tief steckst?
Du hast ja mehrere Punkte aufgeschrieben,die Dich stören: Routine. Jeder Job wird irgendwann mal zur Routine und ich denke, dass das bei einer Schreibtischarbeit noch viel extremer ausgeprägt ist als beim Pilotenjob. Überlege Dir doch die Horrorvorstellung extrem: Jeden Tag denselben Aktenberg auf dem Schreibtisch und immer das Gleiche. ZumVergleich das Fliegen: Die Atmosphäre und das Umfeld wechseln beim Fliegen ständig und es gibt wunderschöne Momente, die den Pilotenjob ausmachen - die Bilder von Marc sagen alles. Und bedenke: Es gibt in jedem Job Vor- und Nachteile!!
Die Bezahlung - ich glaube, damit ist man nie einverstandem, egal in welchen Beruf oder in welcher Branche man gelandet ist.
Privatleben hat meine Freundin als Controllerin auch kaum: verlässt früh morgens das Haus und kommt spät am Abend zurück, wei so viel zu tun ist. Freizeit ist für sie auch ein Fremdwort!
Also überlege Dir gut, ob wirklich ein Wechesel in Frage kommt. Du hast totz allem ein Traumjob! Und was hast Du gegen die netten Turboprops?:)
Frank_Willfeld
2. December 2003, 09:57
hey joe,
wenn ich dich richtig verstehe, dann hast du eine fluglehrer lizenz.
also dass es einem nach dem x-ten ifr leg nach xy irgendwann langweilig wird ist klar. und dass das fliegen einer verkehrsmaschine nicht mehr viel mit der fliegerischen freiheit von der alle träumen zu tun hat, ist auch klar.
deswegen mein tip: such dir eine nette flugschule wo du als lehrer arbeiten kannst (ich mache auch gerade meinen fluglehrer)
es befriedigt einfach mehr, menschen etwas beizubringen, als sie nur von a nach b zu chauffieren. und ausserdem kann man dahin fliegen wo man will (kein flugplan). der zeitdruck ist geringer und man kommt mit vielen netten leuten zusammen...
...nur so eine kleine anregung.
und tom hat dir ja (wenn ich ihn richtig verstehe) schon durch die blume das gleiche gesagt.
viele grüsse und alles gute
frank
golden Cherry
2. December 2003, 10:38
Hallo Frank
Ja Ja Fluglehrer sein ist so ein Traumberuf.. Kein Stress, keinen Sylabus, viel Freizeit (vorallem im Winter oder bei schlechtem Wetter:D ), grosser Verdienst bei wenig Arbeitszeit, keine Verantwortung, nie die selben Flüge sprich Platzrunden usw..
Nun:
http://www.mypage.bluewin.ch/mmichel/einzelbilder/DSC00439.jpg
So rosig sind die Fluglehrerzeiten auch nicht mehr- auch hier herrscht unterdessen ein anderer Wind..
Joe scheint das ja auch schon einmal gemacht zu haben.- wahrscheinlich hat ihn das Fluglehrerdasein doch nicht 100% befriedigt..
http://www.mypage.bluewin.ch/mmichel/einzelbilder/DSC00488.jpg
Verstehe mich bitte nicht falsch.. Fluglehrer sein ist sicher ok.- Aber davon Leben können und auf längere Zeit zufrieden sein ist sehr schwierig-
Ich wünsche auch Dir viel Erfolg bei Deiner FI Tätigkeit..
Marc
Joe
2. December 2003, 13:28
Hallo Miteinander!
Also,plagen tut mich der job ja an sich nicht-ist ja auch kein job,eher eine Berufung!
Auch bin ich nicht gerade ein Quereinsteiger,fliege doch schon seit meinem 16. Lebensjahr.Die Zeit auf dem Bau war halt etwas das viel Geld in chronisch leere Kassen gespuelt hat(war uebrigens Heizungsinstallateur).Damit liessen sich ganz bequem B/IFR und die teuren Flugstunden auf der Seneca und Co. finanzieren.
Stimmt,in meinem Profil ist auch Fluglehrer angegeben.Habe eine Zeitlang in Kalifornien als CFI gearbeitet.Ganz subjektiv gesehen war das die beste Zeit in meinem Fliegerleben-obwohl ich ueber 2500 Stunden auf 737 geflogen bin.
flowmotion
3. December 2003, 02:56
Es ist verständlich, dass für diejenigen, welche gerne ihren ersten Job in der Fliegerei haben möchten oder ihre Arbeit gerade beenden "mussten", Joe's Aussage recht unverständlich tönt. Ich habe zwei Kollegen, für die war der Einstieg in die berufliche Fliegerei das wichtigste - egal mit was für Konsequenzen. Nachdem sie nun ein Jahr unterwegs sind, tönen ihre Meinungen bereits sehr anders.
Ich denke, jedem Pilot gefällt das Fliegen an sich, aber die Bedingungen sollten sich auch etwas im Rahmen halten. Auf längere Zeit gesehen nützt es auch nichts, wenn man zwar im Flugzeug sitzt, aber so wenig verdient, dass man nicht einmal seine Rechnungen, etc. bezahlen kann. Das mag am Anfang zum Stundensammeln schon fuktionieren, wird aber mit der Zeit recht frustierend, da viele einfach auch noch ein Leben nebst der Fliegerei haben und dieses auch pflegen möchten. Es darf und kann doch nicht sein, dass man auf fast alles verzichten muss, nur damit man heute noch ein Flugzeug fliegen darf !
Meine Kollegen haben ir eindrücklich von den Drohungen erzählt, welche von ihrem Chef geäussert wurden, falls sie sich noch einmal über die Bezahlung beschweren würden - es gäbe noch genügend andere, die ihre Position sofort annehmen würden ! Ausbezahlt kriegen die beiden ca. 1'900 CHF netto pro Person. Wenn ich solches nur schon höre, wird's mir schlecht. Man muss keine horrenden Summen verdienen (diese Zeiten sind für immer vorbei - zumindest in der Fliegerei), aber die Leute sollten wenigstens Geld zum Leben haben.
Ich kenne von der Aviation Management Seite her viele Zahlen von diversen Airlines. Es werden immer diesselben Entschuldigungen gebraucht - Kerosin wird teurer, fliegendes Personal verursacht die meisten Kosten, etc. Stimmt so nicht ganz. Schaut man sich die prozentuale Aufteilung der operating costs einmal an, so sind über 50% meist "administrative costs" und diese beziehen auf den ganzen Verwaltungsapparat. Die Löhne des fliegenden Personals werden bei dieser spezifischen Rechnung nämlich unter "direct operating costs" genommen und sind aus der Administrative entfernt.
Es nervt mich im Moment nichts mehr, als die Feststellung, das fast jeder neue Luftfahrtbetrieb dieselben "Fehler" macht. Löhne werden auf Tiefstniveau angesetzt und das Startup Management kassiert - und zwar richtig. Falls der Karren dann doch im Dreck landet, dann sind die Verantwortlichen wiedermal mit einem blauen Auge davon gekommen, denn diese haben ihre Summen bereits vom initialen Startup Kapital abgezogen. Die Versuchung ist halt für viele einfach da. Werden 20 mio USD für einen Airline Startup bereitgestellt, fällt es nicht auf, wenn davon 2 mio USD als "Prelaunch Budget" für die Initiatoren abgezogen werden. Man muss ja schliesslich die ganze Denkarbeit, Planung, Reisekosten, etc. honorieren.
So, genug abgeschweift.
Cheers :D Iris
Joe
3. December 2003, 04:51
Hallo!
Der Vorteil an early duties ist,dass man kein Problem hat,einen freien Internetcomputer in der Firma zu finden...
Iris hat Recht,es ist nicht alles Gold was glaenzt!Ich goenne jedem seinen Platz im Cockpit,es muss jeder selbst herausfinden was ihm/ihr gefaellt oder nicht...uebrigens,auf PPruNE lief ein aehnliches Thema,etwa vor einem halben Jahr(nicht von mir),war ganz interessant,die Meinungen decken sich von vielen Leuten.Erst extremer Enthusiasmus,dann spaeter,nach der zweiten Scheidung spaetestens,das grosse Kopfweh..
gruss
joe
Silvio Gely
5. December 2003, 21:39
Hi Joe
Ich kann dir zwar nicht wirklich weiterhelfen, sprich dir einen Job anbieten, bei dem du dich verwirklichen kannst, einen fairen Lohn erhälst, Familie haben kannst und glücklich bist.
Ich hätte dich vor 3 Jahren wohl überhaupt nicht verstehen können, wie du als Pilot schlecht von deinem Job sprechen kannst. Heute kann ich es. Ich bin auf die Schnauze gefallen, als ich Militärpilot werden wollte. Musste nach 7 Wochen RS heim. Und dann bin ich auf die Schnauze gefallen, als die Swissair pleite ging. Habe mit dem ATPL geliebäugelt.
Aber diese zwei Rückschläge haben mich eigentlich auf den Boden der Realität zurückgebracht. Ich frage mich zwar gelegentlich, wie es wäre, Linienpilot zu sein. Aber ich habe auch gemerkt, dass es neben meinem Traum noch andere Bereiche gibt, die einen Bereichern können.
Ich kann dir eigentlich nur raten, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, was du für Interessen neben der Fliegerei hast, und du wirst einige Berufsmöglichkeiten sehen, die du mit mindestens soviel oder mehr Freude ausführen kannst, als deinen jetzigen Job. Versuchs einfach.
Und übrigens: Fliegen kann auch ein schönes Hobby sein. Heute sehe ich es so: Wäre ich Berufspilot geworden, hätte ich kein Hobby mehr.
In diesem Sinne alles Gute. Gruss
Silvio
PS: Weiss nicht, ob dir das wirklich weitergeholfen hat. Aber ich schreibe halt gerne.
Walter Fischer
5. December 2003, 23:05
Die zentrale Frage dazu lautet heute:
Geld oder Geist, alles andere ist Zeitverschwendung.
Erhellender Gruss vom Walti, Gotthelf- Nachbeter
BH47
5. December 2003, 23:08
Ok Walti, dann nehme ich beides:)
Voila
Gruss
Joachim
Schneider Björn
6. December 2003, 14:00
Hi Joe
Ich kann dich gut verstehen. Vor ca. 1 1/2 Jahren began ich mit der ATPL Theorie. Ich bemerkte jedoch schnell, dass ich die CPL/IR Praxis gar nicht machen werde. Erstens mal kriegt man eh keinen Job, und wenn, muss man für ein Hungerlohn arbeiten. Demzufolge beschlossen meine Freundinn und ich eine Familie zu gründen. Und in ca. 5 Wochen werden wir Eltern. Und das ist 1000mal schöner als jeder Sonnenuntergang und die Impressionen wie oben gesehen. Wenn ich du währe, würde ich mich auf eine Familie konsentrieren. Bez. Fliegen habe ich mir gesagt, wenn ich mal einen Kick möchte, schnappe ich mir einen Fluglehrer, und irgend ein Flugi, und mache einen interessanten Auslandflug. Dies ist halt meine Ansicht. Ich bin ja noch jung, habe jedoch bald gemerkt, dass das fliegen nicht alles ist. Und alle die meine Aussage nicht verstehen, müssen jetzt auch nicht dagegen argumentieren.
Schöne u Gruess Björn
FalconJockey
6. December 2003, 14:58
Es ist einfach eine Frage was einem im Leben wichtiger ist. Mir ist das Fliegen auf jeden Fall wichtiger als so manch anderes....
Joe
7. December 2003, 10:40
Danke fuer die vielen Antworten!
Schoenes Wochenende!
gruss
joe
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