teedoubleyou
13. May 2004, 07:14
Hallo zusammen
Wie kann man seinem Hobby frönen und jemanden ein Geburtstagsgeschenk machen das nichts kostet? Richtig, man lädt zum Rundflug ein. Da hat man alles, was man ohnehin tun würde mit der Schenkerei vereint. Es war ein toller Flug zumal das Wetter nicht einfach das "grande beau" versprach und man etwas gefordert wird. Aber von Anfang an.
Um 8.45 Uhr kommen mein Vater (der "Beschenkte") und ich im Speck an. Da mein Internetzugang seit Tagen ausser Betrieb ist, konnte ich überhaupt keine Informationen von zuhause abrufen. Also ging es zuerst mal ans AMIE aus welchem ich soviel Infos wie möglich rauskitzle. Das Wetter war eigentlich besser versprochen, es liegt ein Deckel von 6/8 auf ca. 8000ft über dem Oberland und einige Quellwolken um 5000ft. Das Streckenwetter nach Samedan sieht jedoch passabel aus, tendenz steigend und der Anruf auf dem Engadiner Flugplatz bestätigte das. Schwerpunkt und Masse für die Grob HB-UGA wurde bereits zuhause berechnet, jedoch musste ich vor Ort aus technischen Gründen den Flieger wechseln. Also nochmals Masse und CG berechnen (so lernt man es), da natürlich alle drei Gröblis im Speck eine andere Masse haben. Alles andere wäre ja zu einfach. Aber auch mit der UGB klappt der Flug. Mit einem errechneten Gewicht 2kg unter MTOW ging es dann gegen 10 Uhr los. Geplante Route: Walensee - Chur - Tiefencastel - Septimer- und Malojapass. In der Region Walensee lasse ich mich auf 7500ft von einem Westwind mit ca. 12 kts. noch etwas schneller vorwärtstreiben. Höher sind die Winde ungünstiger, darum bleibe ich bis Landquart auf dieser Höhe. Dann geht es dann im Steigflug weiter. Das Gröbli erweist sich als echtes Arbeitstier und steigt wunderbar. Für den Überflug des Septimerpasses ist eine Zielhöhe von 9500ft geplant, leider ist bei knapp 8500ft Schluss. Kein Problem, für den Fall habe ich mir den Julierpass als Alternative parat gelegt. Ab Tiefencastel lockert die Bewölkung jedoch auf und wir können auf 9500ft weitersteigen.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4297.jpg
Nähern uns dem Septimerpass
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4301.jpg
Bald ist der Übergang geschafft
Nach der Passüberquerung sofort in einen passagierfreundlichen Sinkflug übergehen. Mit ca. 300-400ft/m sollte ich bei St. Moritz auf 7000ft sein. Die Frequenz von Samedan habe ich vor dem Überflug Septimer bereits gerastet und höre gerade wie ein Flieger Maloja meldet; Leider wieder einmal ohne Höhenangabe. Ich halte mich scharf auf der rechte Talseite und rufe Semaden Tower auf. Dieser hört mich leider noch nicht, hoffe jedoch, dass der entgegenkommende Flieger mich hört, obwohl er von Samedan Tower bereits von der Frequenz entlassen wurde. Kurz darauf sehe ich die Piper, in der Talmitte leicht über uns, davon steigen. Erneuter Aufruf kurz nach dem Malojapass ist erfolgreich und ich bin freigegeben für einen direkten Anflug auf die Piste 03.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4303.jpg
Kurz nach dem Malojapass
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4307.jpg
Endanflug auf die Piste 03
Die Ziellandung klappt nicht ganz. Den gelben Kreis, der die Touchdownzone für meine Klasse Flieger signalisiert, treffe ich nur mit dem Bugrad, das Hauptfahrwerk ist leider einige Meter zu früh am Boden.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4308.jpg
Wir warten auf die Freigabe zum Überqueren der Piste
Ja wir sind definitiv in den Bergen, die Temperatur ist deutlich tiefer als im Flachland. Ein kurzes Gespräch mit einem Einheimischen gibt Aufschluss über die Wetterentwicklung. Anscheinend sind Gewitter auf den Mittag angesagt. Sehen tue ich davon zwar nichts (es gab auch keine) aber ich ziehe es trotzdem vor, nach einem kurzen Kaffee langsam den Weg aus den Alpen unter die Flügel zu nehmen. Mein Vater findet die Rückreise über den Flüela langweilig und wünscht sich einen Flug über den Albula. Bitte sehr... auch das lässt sich realisieren. Kurze Anpassung des Navigationsflugplan und Papa bekommt spasseshalber die Luftfahrkarte und soll doch mal lotsen. Er kennt sich in der Schweiz zwar sehr gut aus, wir wären aber trotzdem schon im ersten Tal falsch abgebogen. ;) Gegen 11.30 Uhr bekommen wie die Rollfreigabe zum Holdingpoint Runway 21. via halber Backtrack Piste 21, damit die italienische Citation wegen uns nicht durchs Gras rollen muss. ;) Kaum am Haltepunkt angekommen meldet der Tower, dass der Wind wieder gedreht hat und jetzt aus 330 Grad mit 12 Knoten kommt. Der Towermann überlässt mir die Wahl, ob ich zurück zur 03 will oder von der Piste 21 starten möchte. Ich räume mir Bedenkzeit ein, mache alle Checks fertig, rechne die effektive Rückenwindkomponente aus und frage danach nochmals nach dem Wind. 300/11kts, also genau von der Seite. Ich starte von der Piste 21. Dies ist mir sympathischer, da ich so Zeit zum steigen gewinne und ich die Mindesthöhe beim Einflug zum Albulapass leichter erreichen kann. Der Start verlauft gut und wir sind bei La Punt bereits auf 8300ft als wir links Richtung Albula drehen.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4318.jpg
Überflug Albulapass
Nach dem wir den Albula hinter uns gelassen haben geht es via Davos, Walensee wieder Richtung Mittelland zurück. Da extra einen Tag freigenommen habe möchte ich meinem Vater möglichst viel bieten und habe mir noch Lommis, Wangen-Lachen und Bad Ragaz für eine Zwischenlandung rausgesucht. Lommis und Bad Ragaz haben leider über Mittag geschlossen, was uns in der grenzenlosen Freiheit etwas einschränkt. Also bleibt nur noch Wangen - Lachen als Alternative. Wir landen um 12.35 Uhr auf der Piste 26. Die Ernüchterung kommt beim Aussteigen. Beiz geschlossen! Wie weiter? Um 13.30 Uhr ist Lommis wieder offen. Also geniessen wir etwas die Sicht über den See und entscheiden uns, dass wir kurz nach 13 Uhr Richtung Lommis weiterfliegen. Leider ist ein Abflug auf der Piste 26 vor 13.30 Uhr nicht erlaubt. Ich lasse mir im C-Büro den Wind geben und mache eine Startstreckenberechnung. Mit Rund 5-6kts Rückenwind und einem mittlerweile einiges leichterem Flieger kann ich den Start gutheissen. Der Start verlauft problemlos, die Grob schafft die Strecke weit unter dem errechneten Wert. Stimmten die Performanceangaben im AFM oder der Wind nicht? ;-)
Der Flug von Wangen-Lachen nach Lommis ist ein Katzensprung. In der Region Wattwil sieht man auf unserer Route deutlich lokalen Regenschauer. Da sich ohnehin schon einige Mücken auf der Frontscheibe breit gemacht haben, fliegen wir durch. Nach knappen 20 Minuten befinden wir uns schon in Lommis, wo es endlich etwas zu essen gibt.
Nach Verpflegung, Kaffee und einigen lustigen Landungen einer Piper Cadet fliegen wir die letzte Etappe nach Speck. Anflug auf die Piste 30, die Piste auf der ich wohl am meisten Landungen in meiner Fliegerkarriere gemacht habe, ist immer wieder spannend und gelingt gut. Ich verlasse die Piste am Ende, mache die After landing check und rolle Richtung Hangar. Es war ein spannender Tag und alles ist gut gegangen. Alles? Nein, beim zurückrollen merke ich, wie die Grob plötzlich immer mehr nach links zieht, auch muss ich immer mehr Gas geben um vorwärts zu kommen. Auf der Piste beim Backtrack kann ich die Richtung nicht mehr halten und muss stehen bleiben. "To all station, runway is blocked". Ich steige aus und sehe, dass sich frischgemähtes Gras in den Radschuhen verkeilt hat. Ein bisschen bekomme ich heraus und ich schaffe es gerade noch so von der Piste. Der Flugplatzchef bestätigt mir, dass das schon öfters vorgekommen ist, was mich aber nicht beruhigt. Wie hätte es wohl enden können, wenn ich noch einige Touch & Go's gemacht hätte?
Alles in allem war es wieder ein Tag ganz im Zeichen der Fliegerei mit allem drum und dran. Fliegen im Gebirge, Wettereinschätzung, Performance und Limitatationen und auch kleinen Pannen.
Gruess
Tom
Wie kann man seinem Hobby frönen und jemanden ein Geburtstagsgeschenk machen das nichts kostet? Richtig, man lädt zum Rundflug ein. Da hat man alles, was man ohnehin tun würde mit der Schenkerei vereint. Es war ein toller Flug zumal das Wetter nicht einfach das "grande beau" versprach und man etwas gefordert wird. Aber von Anfang an.
Um 8.45 Uhr kommen mein Vater (der "Beschenkte") und ich im Speck an. Da mein Internetzugang seit Tagen ausser Betrieb ist, konnte ich überhaupt keine Informationen von zuhause abrufen. Also ging es zuerst mal ans AMIE aus welchem ich soviel Infos wie möglich rauskitzle. Das Wetter war eigentlich besser versprochen, es liegt ein Deckel von 6/8 auf ca. 8000ft über dem Oberland und einige Quellwolken um 5000ft. Das Streckenwetter nach Samedan sieht jedoch passabel aus, tendenz steigend und der Anruf auf dem Engadiner Flugplatz bestätigte das. Schwerpunkt und Masse für die Grob HB-UGA wurde bereits zuhause berechnet, jedoch musste ich vor Ort aus technischen Gründen den Flieger wechseln. Also nochmals Masse und CG berechnen (so lernt man es), da natürlich alle drei Gröblis im Speck eine andere Masse haben. Alles andere wäre ja zu einfach. Aber auch mit der UGB klappt der Flug. Mit einem errechneten Gewicht 2kg unter MTOW ging es dann gegen 10 Uhr los. Geplante Route: Walensee - Chur - Tiefencastel - Septimer- und Malojapass. In der Region Walensee lasse ich mich auf 7500ft von einem Westwind mit ca. 12 kts. noch etwas schneller vorwärtstreiben. Höher sind die Winde ungünstiger, darum bleibe ich bis Landquart auf dieser Höhe. Dann geht es dann im Steigflug weiter. Das Gröbli erweist sich als echtes Arbeitstier und steigt wunderbar. Für den Überflug des Septimerpasses ist eine Zielhöhe von 9500ft geplant, leider ist bei knapp 8500ft Schluss. Kein Problem, für den Fall habe ich mir den Julierpass als Alternative parat gelegt. Ab Tiefencastel lockert die Bewölkung jedoch auf und wir können auf 9500ft weitersteigen.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4297.jpg
Nähern uns dem Septimerpass
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4301.jpg
Bald ist der Übergang geschafft
Nach der Passüberquerung sofort in einen passagierfreundlichen Sinkflug übergehen. Mit ca. 300-400ft/m sollte ich bei St. Moritz auf 7000ft sein. Die Frequenz von Samedan habe ich vor dem Überflug Septimer bereits gerastet und höre gerade wie ein Flieger Maloja meldet; Leider wieder einmal ohne Höhenangabe. Ich halte mich scharf auf der rechte Talseite und rufe Semaden Tower auf. Dieser hört mich leider noch nicht, hoffe jedoch, dass der entgegenkommende Flieger mich hört, obwohl er von Samedan Tower bereits von der Frequenz entlassen wurde. Kurz darauf sehe ich die Piper, in der Talmitte leicht über uns, davon steigen. Erneuter Aufruf kurz nach dem Malojapass ist erfolgreich und ich bin freigegeben für einen direkten Anflug auf die Piste 03.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4303.jpg
Kurz nach dem Malojapass
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4307.jpg
Endanflug auf die Piste 03
Die Ziellandung klappt nicht ganz. Den gelben Kreis, der die Touchdownzone für meine Klasse Flieger signalisiert, treffe ich nur mit dem Bugrad, das Hauptfahrwerk ist leider einige Meter zu früh am Boden.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4308.jpg
Wir warten auf die Freigabe zum Überqueren der Piste
Ja wir sind definitiv in den Bergen, die Temperatur ist deutlich tiefer als im Flachland. Ein kurzes Gespräch mit einem Einheimischen gibt Aufschluss über die Wetterentwicklung. Anscheinend sind Gewitter auf den Mittag angesagt. Sehen tue ich davon zwar nichts (es gab auch keine) aber ich ziehe es trotzdem vor, nach einem kurzen Kaffee langsam den Weg aus den Alpen unter die Flügel zu nehmen. Mein Vater findet die Rückreise über den Flüela langweilig und wünscht sich einen Flug über den Albula. Bitte sehr... auch das lässt sich realisieren. Kurze Anpassung des Navigationsflugplan und Papa bekommt spasseshalber die Luftfahrkarte und soll doch mal lotsen. Er kennt sich in der Schweiz zwar sehr gut aus, wir wären aber trotzdem schon im ersten Tal falsch abgebogen. ;) Gegen 11.30 Uhr bekommen wie die Rollfreigabe zum Holdingpoint Runway 21. via halber Backtrack Piste 21, damit die italienische Citation wegen uns nicht durchs Gras rollen muss. ;) Kaum am Haltepunkt angekommen meldet der Tower, dass der Wind wieder gedreht hat und jetzt aus 330 Grad mit 12 Knoten kommt. Der Towermann überlässt mir die Wahl, ob ich zurück zur 03 will oder von der Piste 21 starten möchte. Ich räume mir Bedenkzeit ein, mache alle Checks fertig, rechne die effektive Rückenwindkomponente aus und frage danach nochmals nach dem Wind. 300/11kts, also genau von der Seite. Ich starte von der Piste 21. Dies ist mir sympathischer, da ich so Zeit zum steigen gewinne und ich die Mindesthöhe beim Einflug zum Albulapass leichter erreichen kann. Der Start verlauft gut und wir sind bei La Punt bereits auf 8300ft als wir links Richtung Albula drehen.
http://www.ils-online.ch/cgi-bin/album/data/media/6/Img_4318.jpg
Überflug Albulapass
Nach dem wir den Albula hinter uns gelassen haben geht es via Davos, Walensee wieder Richtung Mittelland zurück. Da extra einen Tag freigenommen habe möchte ich meinem Vater möglichst viel bieten und habe mir noch Lommis, Wangen-Lachen und Bad Ragaz für eine Zwischenlandung rausgesucht. Lommis und Bad Ragaz haben leider über Mittag geschlossen, was uns in der grenzenlosen Freiheit etwas einschränkt. Also bleibt nur noch Wangen - Lachen als Alternative. Wir landen um 12.35 Uhr auf der Piste 26. Die Ernüchterung kommt beim Aussteigen. Beiz geschlossen! Wie weiter? Um 13.30 Uhr ist Lommis wieder offen. Also geniessen wir etwas die Sicht über den See und entscheiden uns, dass wir kurz nach 13 Uhr Richtung Lommis weiterfliegen. Leider ist ein Abflug auf der Piste 26 vor 13.30 Uhr nicht erlaubt. Ich lasse mir im C-Büro den Wind geben und mache eine Startstreckenberechnung. Mit Rund 5-6kts Rückenwind und einem mittlerweile einiges leichterem Flieger kann ich den Start gutheissen. Der Start verlauft problemlos, die Grob schafft die Strecke weit unter dem errechneten Wert. Stimmten die Performanceangaben im AFM oder der Wind nicht? ;-)
Der Flug von Wangen-Lachen nach Lommis ist ein Katzensprung. In der Region Wattwil sieht man auf unserer Route deutlich lokalen Regenschauer. Da sich ohnehin schon einige Mücken auf der Frontscheibe breit gemacht haben, fliegen wir durch. Nach knappen 20 Minuten befinden wir uns schon in Lommis, wo es endlich etwas zu essen gibt.
Nach Verpflegung, Kaffee und einigen lustigen Landungen einer Piper Cadet fliegen wir die letzte Etappe nach Speck. Anflug auf die Piste 30, die Piste auf der ich wohl am meisten Landungen in meiner Fliegerkarriere gemacht habe, ist immer wieder spannend und gelingt gut. Ich verlasse die Piste am Ende, mache die After landing check und rolle Richtung Hangar. Es war ein spannender Tag und alles ist gut gegangen. Alles? Nein, beim zurückrollen merke ich, wie die Grob plötzlich immer mehr nach links zieht, auch muss ich immer mehr Gas geben um vorwärts zu kommen. Auf der Piste beim Backtrack kann ich die Richtung nicht mehr halten und muss stehen bleiben. "To all station, runway is blocked". Ich steige aus und sehe, dass sich frischgemähtes Gras in den Radschuhen verkeilt hat. Ein bisschen bekomme ich heraus und ich schaffe es gerade noch so von der Piste. Der Flugplatzchef bestätigt mir, dass das schon öfters vorgekommen ist, was mich aber nicht beruhigt. Wie hätte es wohl enden können, wenn ich noch einige Touch & Go's gemacht hätte?
Alles in allem war es wieder ein Tag ganz im Zeichen der Fliegerei mit allem drum und dran. Fliegen im Gebirge, Wettereinschätzung, Performance und Limitatationen und auch kleinen Pannen.
Gruess
Tom