D. Baumgaertner
2. February 2006, 09:57
Es muss um 1980 herum gewesen sein. Jedenfalls war es ein 13. April (ausgerechnet!). Wenn ich daran denke, kommt mir immer das Märchen: „Als einer auszog, das Gruseln zu lernen“ in den Sinn.
Es ist ein wunderschöner Tag mit blauem Himmel und viel Sonne, als ich mit einem ausländischen Fluggast, der in unserer Firma zu Besuch weilt, in einen Motorfalken (mit Zentralrad und je einem kleinen Stützrad links und rechts) einsteige. Ich fliege diesen Motorsegler gerne, er ist problemlos zu bedienen und hat sehr gutmütige Flugeigenschaften – fast eine „Mini Ju 52“ für Sportflieger.
Wir starten im Schweizer Mittelland mit Ziel Alpen. Nach längerem gemächlichem Steigflug sind wir im Titlisgebiet auf ca. 3'500 m angelangt. Atemberaubend – das Alpenpanorama. Mein Passagier ist restlos begeistert. Im Süden staut sich die Bewölkung an den Bergen, gegen Norden jedoch keine Wolke.
Als wir so die Alpenkette Richtung Säntis entlang fliegen und uns an dem überwältigenden Panorama ergötzen, sehe ich plötzlich, wie die Fahrtmesseranzeige zurückgeht. Obwohl die Luft ruhig ist, kommt mir sofort der Gedanke, dass das eine grossflächige und kräftige Fallwindzone sein muss. Ich bin so auf den Fahrtmesser fixiert, dass ich das Variometer in diesem Augenblick nicht beachte. Sonst hätte ich nämlich erkannt, dass dem nicht so war.
Also – logische Gegenmassnahme gegen Fahrtverlust: Nase runter, Gas geben und Fahrt aufholen. Trotzdem geht der Fahrtmesser immer weiter zurück. Was soll denn das? Fieberhaft überlege ich, was da los sein könnte und blicke dabei nach links aus dem Cockpit auf die Tragfläche. Oh Schreck – das letzte Drittel der Fläche schwingt auf und ab wie bei einem Vogel im Flug. Das gleiche mit der rechten Fläche.
Jetzt schaltet es! Ich bin trotz der inzwischen auf Null zurückgegangenen Fahrtmesseranzeige viel zu schnell. Blitzartig nehme ich das Gas heraus. Mein Fluggast hat die brenzlige Situation inzwischen ebenfalls erkannt und will mit dem Fallschirm aussteigen. Ich sage ihm – er soll warten.
Plötzlich sehe ich meinen ersten Fluglehrer vor mir, als er das Thema „Langsam- und Schnellflug“ abgehandelt hatte. „Wenn ihr bei überhöhten Geschwindigkeiten ruckartig zieht – was kann dann geschehen?“ Er biegt dabei ein kleines Stöcklein an beiden Enden nach oben – bis es „knack“ macht und das Stöcklein entzwei bricht. Sehr eindrücklich!
Daran muss ich jetzt sofort denken und nehme den Steuerknüppel millimeterweise zurück. Die Nase unseres Motorseglers, die noch steil nach unten zeigt, richtet sich langsam auf. Ich spüre an beiden Wangen im Gesicht, wie diese nach unten gezogen werden.
Endlich – die Nase des Falken zeigt in den Himmel und ich lasse ihn steigen, steigen, steigen. Die Fahrmesseranzeige verharrt ungerührt auf Null. Mein Fluggast sitzt wie erstarrt neben mir und sagt keinen Ton mehr.
Plötzlich habe ich nach Ruderdruck und Strömungsgeräuschen das Gefühl, jetzt könnte es gut sein. Also zurück in die Normalfluglage und eine Schilderung der Situation über Funk an meinen Startflugplatz. Jetzt höre ich plötzlich von einem Segelflieger, dass der das gleiche Problem hat.
Ich drehe Richtung Flachland ab und beginne zu sinken. Nach etwa einer Viertelstunde beginnt sich der Fahrtmesser wieder langsam zu rühren. Es muss sich also um eine Vereisung entweder des Instrumentes oder der Zuleitung handeln. Das Staurohr befindet sich bei diesem Falken im oberen Teil der Dämpfungsfläche des Seitenleitwerkes. Eine lange Leitung zum Instrument. Wenn da vor mir vielleicht einer im Regen geflogen ist, könnte sich Wasser angesammelt haben und dann in grosser Höhe gefroren sein. Kleine Ursache – grosse Wirkung!
Nun, ich ahne jetzt, was los ist und kann entsprechend reagieren. Ich verlasse mich ausschliesslich auf die Fluggeräusche und den Ruderdruck – dem Fahrtmesser traue ich – obwohl er jetzt wieder zu funktionieren scheint – nicht mehr über den Weg.
Anflug auf den Platz: Ich sinke mit (angezeigter) Ueberfahrt auf die Graspiste zu und hungere den Vogel etwa einen halben Meter über dem Boden langsam aus. Problemlos und weich setzen wir auf. Der Fahrtmesser hat wieder richtig angezeigt.
Noch einmal gut gegangen! Moral von der Geschichte: Hätte ich mich damals nicht voll auf den Fahrtmesser konzentriert sondern gleichzeitig auch das Vario (keine Anzeige von Sinken) beobachtet, dann wäre mir wohl klar geworden, dass der Fahrtrückgang nur am fehlerhaften Instrument liegen konnte. Aber nachher ist man ja immer schlauer!
D. Baumgärtner
Es ist ein wunderschöner Tag mit blauem Himmel und viel Sonne, als ich mit einem ausländischen Fluggast, der in unserer Firma zu Besuch weilt, in einen Motorfalken (mit Zentralrad und je einem kleinen Stützrad links und rechts) einsteige. Ich fliege diesen Motorsegler gerne, er ist problemlos zu bedienen und hat sehr gutmütige Flugeigenschaften – fast eine „Mini Ju 52“ für Sportflieger.
Wir starten im Schweizer Mittelland mit Ziel Alpen. Nach längerem gemächlichem Steigflug sind wir im Titlisgebiet auf ca. 3'500 m angelangt. Atemberaubend – das Alpenpanorama. Mein Passagier ist restlos begeistert. Im Süden staut sich die Bewölkung an den Bergen, gegen Norden jedoch keine Wolke.
Als wir so die Alpenkette Richtung Säntis entlang fliegen und uns an dem überwältigenden Panorama ergötzen, sehe ich plötzlich, wie die Fahrtmesseranzeige zurückgeht. Obwohl die Luft ruhig ist, kommt mir sofort der Gedanke, dass das eine grossflächige und kräftige Fallwindzone sein muss. Ich bin so auf den Fahrtmesser fixiert, dass ich das Variometer in diesem Augenblick nicht beachte. Sonst hätte ich nämlich erkannt, dass dem nicht so war.
Also – logische Gegenmassnahme gegen Fahrtverlust: Nase runter, Gas geben und Fahrt aufholen. Trotzdem geht der Fahrtmesser immer weiter zurück. Was soll denn das? Fieberhaft überlege ich, was da los sein könnte und blicke dabei nach links aus dem Cockpit auf die Tragfläche. Oh Schreck – das letzte Drittel der Fläche schwingt auf und ab wie bei einem Vogel im Flug. Das gleiche mit der rechten Fläche.
Jetzt schaltet es! Ich bin trotz der inzwischen auf Null zurückgegangenen Fahrtmesseranzeige viel zu schnell. Blitzartig nehme ich das Gas heraus. Mein Fluggast hat die brenzlige Situation inzwischen ebenfalls erkannt und will mit dem Fallschirm aussteigen. Ich sage ihm – er soll warten.
Plötzlich sehe ich meinen ersten Fluglehrer vor mir, als er das Thema „Langsam- und Schnellflug“ abgehandelt hatte. „Wenn ihr bei überhöhten Geschwindigkeiten ruckartig zieht – was kann dann geschehen?“ Er biegt dabei ein kleines Stöcklein an beiden Enden nach oben – bis es „knack“ macht und das Stöcklein entzwei bricht. Sehr eindrücklich!
Daran muss ich jetzt sofort denken und nehme den Steuerknüppel millimeterweise zurück. Die Nase unseres Motorseglers, die noch steil nach unten zeigt, richtet sich langsam auf. Ich spüre an beiden Wangen im Gesicht, wie diese nach unten gezogen werden.
Endlich – die Nase des Falken zeigt in den Himmel und ich lasse ihn steigen, steigen, steigen. Die Fahrmesseranzeige verharrt ungerührt auf Null. Mein Fluggast sitzt wie erstarrt neben mir und sagt keinen Ton mehr.
Plötzlich habe ich nach Ruderdruck und Strömungsgeräuschen das Gefühl, jetzt könnte es gut sein. Also zurück in die Normalfluglage und eine Schilderung der Situation über Funk an meinen Startflugplatz. Jetzt höre ich plötzlich von einem Segelflieger, dass der das gleiche Problem hat.
Ich drehe Richtung Flachland ab und beginne zu sinken. Nach etwa einer Viertelstunde beginnt sich der Fahrtmesser wieder langsam zu rühren. Es muss sich also um eine Vereisung entweder des Instrumentes oder der Zuleitung handeln. Das Staurohr befindet sich bei diesem Falken im oberen Teil der Dämpfungsfläche des Seitenleitwerkes. Eine lange Leitung zum Instrument. Wenn da vor mir vielleicht einer im Regen geflogen ist, könnte sich Wasser angesammelt haben und dann in grosser Höhe gefroren sein. Kleine Ursache – grosse Wirkung!
Nun, ich ahne jetzt, was los ist und kann entsprechend reagieren. Ich verlasse mich ausschliesslich auf die Fluggeräusche und den Ruderdruck – dem Fahrtmesser traue ich – obwohl er jetzt wieder zu funktionieren scheint – nicht mehr über den Weg.
Anflug auf den Platz: Ich sinke mit (angezeigter) Ueberfahrt auf die Graspiste zu und hungere den Vogel etwa einen halben Meter über dem Boden langsam aus. Problemlos und weich setzen wir auf. Der Fahrtmesser hat wieder richtig angezeigt.
Noch einmal gut gegangen! Moral von der Geschichte: Hätte ich mich damals nicht voll auf den Fahrtmesser konzentriert sondern gleichzeitig auch das Vario (keine Anzeige von Sinken) beobachtet, dann wäre mir wohl klar geworden, dass der Fahrtrückgang nur am fehlerhaften Instrument liegen konnte. Aber nachher ist man ja immer schlauer!
D. Baumgärtner