Thermikus
11. June 2006, 21:26
Wer von den heutigen Modellfliegern kann sich wohl unter Fesselflug noch etwas vorstellen? Ich nehme an, kaum noch jemand. Dabei war diese Art des motorisierten Modellfliegens in meinen Jugendjahren ganz gross "in". Ich hatte diverse Modelle gebaut - meistens über die Wintermonate hinweg. Im Frühjahr ging es dann mit den Kollegen an den Start.
Das erste Modell war ein Fertigmodell von Graupner mit dem bezeichnenden Namen "Super Flitzer" Es hatte einen 1,0 ccm Motor mit einer auf dem Zylinder angebrachten Drehschraube, mit der die Kompression verstellt werden konnte. Dieses Motörchen war ein Selbstzünder. Der im Treibstoff enthaltene Aether entzündete sich durch Komprimierung und setzte den Verbrennungsvorgang in Gang. Bis der winzige Motor allerdings zum Laufen gebracht werden konnte, war manchmal sehr viel Feingefühl und Geduld erforderlich.
Das Modell selbst bestand aus einem Holzrumpf, Holztragflächen und Holzleitwerk ohne Bespannung. Als Fahrwerk dienten zwei stabile Aluminium-Federbeine mit Gummirädern. Der Flieger war relativ schwer und der Start daher nicht ganz einfach.
In einer Fabrik für Verpackungsmaterial besorgte ich mir einen gerollten Karton von mehreren Metern Länge, der dann auf einer Wiese ausgelegt wurde und als perfekte Startbahn diente. Gelandet wurde im Gras und dies nicht selten mit einem Kopfstand, was meistens einen neuen Holzpropeller zur Folge hatte. Später kamen dann die widerstandsfähigen Nylonpropeller auf und das Problem Taschengeld fressender Propellerbrüche war gelöst.
Der Steuergriff enthielt zwei über Spulen ausrollbare dünne Metalldrähte, die über einen Umlenkmechanismus auf das Höheruder des Modells wirkten. Das Seitenruder dagegen war unbeweglich und nach aussen fixiert.
Im Flug konnten Steigen und Sinken durch Ziehen oder Drücken des Höhenruders über die Steuerdrähte beeinflusst werden. Das fixe Seitenruder dagegen zog das Modell nach aussen, um es im Kreis zu halten. Der Pilot stand im Zentrum des Kreises ca. 10 Meter vom Modell entfernt und drehte sich mit ihm vom Start bis zur Landung rundum.
Mit diesen Fesselflugmodellen konnten rasante Steig und Sinkflüge, Loopings, Rückenflüge, stehende und liegende Achten usw. geflogen werden. Sogar Rennen waren möglich, wenn mehrere Piloten im gleichen Kreis standen.
Nachdem ich einige Erfahrung gesammelt hatte und die erheblich stärkeren und zuverlässigeren japanischen Glühkerzenmotoren verfügbar waren, bauten meine Kollegen und ich auch perfekt aussehende naturgetreue Modelle, wie die Me 109, die Focke-Wulf 190, die Ju 87 (Stuka) und sogar die zweimotorige Me 110. Daneben noch Freistil-Kunstflugmodelle und Rennmodelle.
Bei der Ju 87 (Stuka) z.B. befestigte ich eine kleine Bombe unter dem Rumpf, die sich im Sturzflug von zwei Haken löste und zu Boden sauste. Das sah sehr realistisch aus und erhielt immer Beifall von den Zuschauern.
In mein Kunstflugmodell "Cougar" mit ca. 2 m Spannweite baute ich sogar eine komplette Nachtflugbeleuchtung mit einem roten und einem grünen Lämpchen an den Tragflächenenden und einem weissen am Heck ein. Die Batterien und der Schalter befanden sich unter der Plexiglashaube des Cockpits.
Bei Mondschein begaben wir uns auf eine Wiese etwas abseits von Siedlungen und starteten auf der bereits erwähnten Kartonbahn. Es war ein unglaublicher Anblick, das beleuchtete Modell wie einen Schatten vor dem hellen Mond im Kreis herumrasen zu sehen. Auch der Sound des nicht schallgedämpften Motors und speziell dessen Echo in der ruhigen Nachtluft liessen fast eine Gänsehaut aufkommen. Wir hatte damals mit dieser Art des Modellfliegens unglaublichen Spass. Leider gab es auch viel Bruch und damit manche herbe Enttäuschung.
Langsam eroberten die elektronischen Fernsteuerungen immer grösser Bereiche des Modellfluges, da sie ganz einfach sehr viel grössere Steuerungsmöglichkeiten und das dem wirklichen Fliegen am ähnlichste freie Fliegen eines Modells ermöglichten.
Heute dürfte der Fesselflug, bis auf die Betätigung vielleicht einiger Nostalgiker, so gut wie ausgestorben und vergessen sein.
Dietwolf (Thermikus):(
Das erste Modell war ein Fertigmodell von Graupner mit dem bezeichnenden Namen "Super Flitzer" Es hatte einen 1,0 ccm Motor mit einer auf dem Zylinder angebrachten Drehschraube, mit der die Kompression verstellt werden konnte. Dieses Motörchen war ein Selbstzünder. Der im Treibstoff enthaltene Aether entzündete sich durch Komprimierung und setzte den Verbrennungsvorgang in Gang. Bis der winzige Motor allerdings zum Laufen gebracht werden konnte, war manchmal sehr viel Feingefühl und Geduld erforderlich.
Das Modell selbst bestand aus einem Holzrumpf, Holztragflächen und Holzleitwerk ohne Bespannung. Als Fahrwerk dienten zwei stabile Aluminium-Federbeine mit Gummirädern. Der Flieger war relativ schwer und der Start daher nicht ganz einfach.
In einer Fabrik für Verpackungsmaterial besorgte ich mir einen gerollten Karton von mehreren Metern Länge, der dann auf einer Wiese ausgelegt wurde und als perfekte Startbahn diente. Gelandet wurde im Gras und dies nicht selten mit einem Kopfstand, was meistens einen neuen Holzpropeller zur Folge hatte. Später kamen dann die widerstandsfähigen Nylonpropeller auf und das Problem Taschengeld fressender Propellerbrüche war gelöst.
Der Steuergriff enthielt zwei über Spulen ausrollbare dünne Metalldrähte, die über einen Umlenkmechanismus auf das Höheruder des Modells wirkten. Das Seitenruder dagegen war unbeweglich und nach aussen fixiert.
Im Flug konnten Steigen und Sinken durch Ziehen oder Drücken des Höhenruders über die Steuerdrähte beeinflusst werden. Das fixe Seitenruder dagegen zog das Modell nach aussen, um es im Kreis zu halten. Der Pilot stand im Zentrum des Kreises ca. 10 Meter vom Modell entfernt und drehte sich mit ihm vom Start bis zur Landung rundum.
Mit diesen Fesselflugmodellen konnten rasante Steig und Sinkflüge, Loopings, Rückenflüge, stehende und liegende Achten usw. geflogen werden. Sogar Rennen waren möglich, wenn mehrere Piloten im gleichen Kreis standen.
Nachdem ich einige Erfahrung gesammelt hatte und die erheblich stärkeren und zuverlässigeren japanischen Glühkerzenmotoren verfügbar waren, bauten meine Kollegen und ich auch perfekt aussehende naturgetreue Modelle, wie die Me 109, die Focke-Wulf 190, die Ju 87 (Stuka) und sogar die zweimotorige Me 110. Daneben noch Freistil-Kunstflugmodelle und Rennmodelle.
Bei der Ju 87 (Stuka) z.B. befestigte ich eine kleine Bombe unter dem Rumpf, die sich im Sturzflug von zwei Haken löste und zu Boden sauste. Das sah sehr realistisch aus und erhielt immer Beifall von den Zuschauern.
In mein Kunstflugmodell "Cougar" mit ca. 2 m Spannweite baute ich sogar eine komplette Nachtflugbeleuchtung mit einem roten und einem grünen Lämpchen an den Tragflächenenden und einem weissen am Heck ein. Die Batterien und der Schalter befanden sich unter der Plexiglashaube des Cockpits.
Bei Mondschein begaben wir uns auf eine Wiese etwas abseits von Siedlungen und starteten auf der bereits erwähnten Kartonbahn. Es war ein unglaublicher Anblick, das beleuchtete Modell wie einen Schatten vor dem hellen Mond im Kreis herumrasen zu sehen. Auch der Sound des nicht schallgedämpften Motors und speziell dessen Echo in der ruhigen Nachtluft liessen fast eine Gänsehaut aufkommen. Wir hatte damals mit dieser Art des Modellfliegens unglaublichen Spass. Leider gab es auch viel Bruch und damit manche herbe Enttäuschung.
Langsam eroberten die elektronischen Fernsteuerungen immer grösser Bereiche des Modellfluges, da sie ganz einfach sehr viel grössere Steuerungsmöglichkeiten und das dem wirklichen Fliegen am ähnlichste freie Fliegen eines Modells ermöglichten.
Heute dürfte der Fesselflug, bis auf die Betätigung vielleicht einiger Nostalgiker, so gut wie ausgestorben und vergessen sein.
Dietwolf (Thermikus):(