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Danilo

20 Tage unterwegs zwischen Pazifikküste und Colorado Plateau

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Danilo

Mit diesem illustrierten Bericht möchte ich dich gerne auf meine diesjährige Fotoreise USA Southwest Ende September – Mitte Oktober mitnehmen. Du brauchst allerdings etwas Zeit dazu. Gleich gehts los:

 

Schon früh im Jahr begann die Vorbereitung der Tour mit der Teilnahme an der Internet-Verlosung von 30 Tages-Permits für «The Subway». Dieser einzigartige, tunnelähnliche Canyon abseits der touristischen Trampelpfade im Zion Nationalpark ist der Traum vieler Landschaftsfotografen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dieses Jahr unbedingt Bilder von der spektakulären Röhre mit nach Hause zu bringen – und das Glück war mir hold: «Congratulations Daniel Hediger. You were selected in our lottery for Left Fork North Creek (SUBWAY) resource area. You have a reservation for 1 people to travel through Left Fork North Creek (SUBWAY) on Tuesday September 30, 2008.»

 

Dermassen vorgesorgt, konnte ich gelassen den Reisetag im September erwarten. Dieser, ein Samstag, brachte strahlendes Herbstwetter über die Schweiz, gute Bedingungen für einen problemlosen Start von Flug LX 40 von ZRH nach LAX. Hinter unserem A340 reihten sich weitere Swiss 330er und 340er auf.

 

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Im Vorbeiflug bei der Terrasse suchte ich nach winkenden Familienangehörigen, doch hatte, wie sich später herausstellte, meine emsige Gattin den falschen Airbus fotografiert und war bereits auf dem Heimweg. Tant pis!

 

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Nun genoss ich es, wieder einmal selber in einem der zahllosen Flieger zu sitzen, die mäjestätisch ihre beeindruckende Schleife über den Airport ziehen und wenig später im Westen verschwinden.

 

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Lesen, Filme schauen, etwas schwatzen, das dargebotenen Menü möglichst genussvoll in die Länge ziehen und zwischendurch einen Blick durchs Fenster werfen, das sind so die ablenkenden Tätigkeiten, die einen Zwölf-Stunden-Flug erträglich machen. Interessanter wird es jeweils dann für mich, wenn die so andersartigen Landschaften des nordamerikanischen Kontinents unter uns auftauchen.

 

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Fünfzehn Minuten vor der Landung zücke ich die Kamera für Luftaufnahmen von Los Angeles. Doch die Sicht wird immer schlechter und als LX 40 schliesslich den Boden berührt, herrscht stockdicker Nebel! Im Nebel suche ich den Mietwagen-Verleiher am Airport auf, im Nebel fahre ich schliesslich zum Hotel am Airport-Boulevard. Nach dem langen Tag bin ich froh, endlich die ersehnte Nachtruhe zu finden.

 

Sonntagmorgen steht die 450 km lange Fahrt nach Las Vegas bevor. Darauf habe ich mich schon lange gefreut: Mit geeignetem Untersatz (Ford Edge, teuer, aber HCV war Bedingung), GPS, aus der Schweiz mitgenommen, Automat selbstverständlich, Klimaanlage ebenfalls, auf die Interstate 15, das reinste Vergnügen! Kurz nach Mittag bin ich bereits in LV. Das Wetter ist jetzt prächtig. Nach dem Hotelbezug finde ich mich schnell am McCarran International Airport wieder. Sunset Boulevard und die Parkdecks beim Terminal sind gute Adressen für Nachmittagsaufnahmen. Besonders das riesige Obergeschoss der beiden miteinander verbundenen Parkhäuser bietet eine tolle Aussicht.

 

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MD-88 von Allegiant Air vor der imposanten Kulisse des 356 m hohen Stratosphere Towers.

 

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Leicht modifizierte Bemalung eines Standardfliegers von Southwest. Und wie man sieht, liegt LV total in der Wüste.

 

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Besonders schön zu sehen vom Parkdeck aus ist eines der südlichsten Kasinohotels am Strip, das Luxor. Es beherbergt 4400 Zimmer in seinem Inneren, und den Lichtstrahl aus der Pyramidenspitze können nachts sogar Astronauten im All sehen. Die Stromkosten für das Lichtbündel belaufen sich übrigens auf 51 Dollar, pro Stunde wohlverstanden.

 

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Gegen Abend fahre ich stadteinwärts. Beim legendären «Welcome to fabulous ...» ist reges Fotografieren angesagt: Frischverheiratete mit Stretch-Limos, Touristen aus aller Herren Länder, alle wollen sich mit dem Schild fotografieren lassen.

 

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Um die Mittagszeit des nächsten Tages mache ich mich auf Richtung Zion NP, 250 km nordöstlich von LV. Die Interstate 15 führt durch die Wüste über das Kasinostädtchen Mesquite und die Schlucht des Virgin River nach St. George. Auf dem Highway 9 erreiche ich bald Springdale, Ausgangspunkt für Hikes im Zion Canyon.

 

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Direkt hinter dem reizvollen Ort befindet sich der Parkeingang mit dem Visitor-Center. Dort hole ich mein Permit für die Subway-Wanderung vom nächsten Tag ab, bekomme einen blauen Kleber für die Windschutzscheibe und gute Tipps zu Wetter und Trail. Da die Wanderung in völlig unzugänglichem Gebiet verlaufen wird, sind die Ranger natürlich sehr daran interessiert, Hiker durch ausführliche Information vor Unfällen und anschliessender Bergung zu schützen.

 

Bei grosser Dunkelheit fahre ich von Hurricane, wo ich ein Logis für drei Nächte gebucht habe, Richtung Zion NP los. Um viertel nach sieben erreiche ich über den kleinen Ort Virgin und die Kolob Terrace Road den Left Fork Trailhead. Auf dem Parkplatz entscheide ich mich, das grosse Stativ für Aufnahmen in der Röhre auf die Wanderung mitzunehmen, ein folgenschwerer Entscheid, wie sich zeigen sollte. Der erste Kilometer ist easy, dann gehts aber über Stufen und teilweise kaum wahrnehmbarem Pfad steil in die Tiefe, hinunter zum North Creek. Dort führt der Weg, zwischen senkrechten, hohen Felswänden mal rechts, mal links vom Flüsschen etliche Kilometer ins Tal hinein. Zigmal muss der North Creek überquert werden, nasse Füsse sind garantiert. Oft versperren massige Felsbrocken oder stacheliges Gebüsch den Weg, ich kommen nur langsam vorwärts, muss auch mal umkehren. Nach ca. zweieinhalb Stunden entdecke ich endlich die bekannten Kaskaden, die Vorboten der Subway. Von hier sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ziel. Ich geniesse die Pause und den Anblick des Wasserfalls im braunroten Fels.

 

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Kurze Zeit später stehe ich vor dem Eingang zur Subway. Ich bin fast allein. Im Wasser wate ich über glatten Fels zur Öffnung.

 

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Im Inneren erschliesst sich mir eine besondere Welt: Durch indirektes Licht beleuchtet wird die Subway in ein fast mystisches Licht getaucht, das Wasser auf dem überaus glitschigen Fels und in den natürlichen Pools erhält eine besondere, ins Türkis neigende Farbe.

 

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Äusserste Vorsicht ist geboten, wenn man über den ansteigenden und vom Wasser überschwemmten Boden nach hinten gelangen will: Nirgends kann man sich festhalten, in einer Hand die Fotoausrüstung, die andere tastet der Wand entlang. Schon mehrere Fotografen haben hier ihr teures Equipement zerschliessen. Nur mit Glück entgeht meine Kamera dem selben Schicksal.

 

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Wenige Dutzend Meter hinter den Pools ist für den normalen Hiker Endstation. Für den hinteren Teil sind Canyoneering-Ausrüstung und Kletterkenntnisse notwendig. Fürs Schwimmen habe ich keine Lust, obwohl das Wasser nicht zu kalt wäre. Ungefähr zwei Stunden verbringe ich an diesem faszinierenden Ort. Dann drängt die Zeit: Der Rückweg ist lang und am Ende wartet noch der steile Anstieg aus dem Tal heraus.

 

Zwei Stunden später und einige Meilen talabwärts: Die Sonne brennt gnadenlos herab, ich bin hundemüde, meine Wasservorräte sind aufgebraucht und ich bin auch nicht sicher, ob ich die Abzweigung nach oben nicht verpasst habe. Ein deutsches Paar mit GPS überholt mich. Uff, doch noch auf dem richtigen Weg! Den Anstieg schaffe ich mit letzter Kraft, mein Mund ist so ausgetrocknet wie noch nie im Leben, die Lippen schwarz von eingetrocknetem Blut. Elf Stunden nach Wanderbeginn erreiche ich zerschunden den Trailhead wieder, quetsche mich ins Auto. Kein Hiker mehr weit und breit. Noch eine halbe Stunde Autofahrt, dann endlich die erste Möglichkeit, etwas zu trinken. Im Hotel angelangt, versinke ich bald in tiefen Schlaf. Heute bin ich wirklich an meine Leistungsgrenze gekommen!

 

Der Mittwoch dient der Erholung, eine Wanderung ist nicht geplant. Für Donnerstag habe ich mir dagegen ein weiteres Highlight des Zion NP. vorgenommen: den Trail zum Observation Point hinauf auf 1980 m Höhe. Es ist neben Angels Landing und den Zion Narrows eine der genialsten Wanderungen im für mich schönsten Nationalpark des Südwestens. Wenig frequentiert, die Höhendifferenz schreckt viele ab, aber umso genussreicher. Ein traumhafter Ausblick über den Zion Canyon belohnt den Wanderer für die Anstrengung des langen Aufstiegs.

 

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Am späten Nachmittag fahre ich über Highway 9 zum östlichen Parkausgang und weiter Richtung Bryce Canyon. Dieses aussergewöhnliche Naturwunder erreiche ich nach 135 km Fahrt beim Einnachten. Im Gegensatz zum letzten Jahr will ich diesmal von der Abbruchkante oben zur Talsohle hinunter steigen, zwischen den gelb-orange-roten Sandsteintürmen wandern.

 

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Vom Sunset Point aus gelange ich am nächsten Morgen vorbei an Thors Hammer ...

 

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... über den Navajo Loop Trail zum Queens Garden Trail. Welch einen Anblick bietet hier unten das Resultat jahrtausendelanger Erosion von farbigem Gestein!

 

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Schnell vergehen auch in diesem Park die Tage. Es wird Samstag, Reisetag. Beim Aufwachen eine Überraschung: Es regnet! Das bin ich mir auf dem Colorado Plateau nicht gewohnt. Heute liegt ein weiter Weg vor mir: Über den Highway 12, einen der schönsten Scenic Highways in Utah, will ich den Capitol Reef National Park erreichen. Dabei bin ich in tiefster Provinz unterwegs. Hier liegen die letzten Orte der USA, die die Post noch per Maultier erhielten. Das Durchfahren dieses wildromantischen Landstrichs würde bei Sonnenschein sicher mehr Genuss bringen. Aber das Wetter hat noch eine weitere Überraschung bereit: Auf 2800 m Höhe gerate ich plötzlich in einen Schneesturm! Ohne Vorwarnung und ziemlich deftig!

 

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Schnee auf der Fahrbahn macht das Fahren zum gefährlichen Abenteuer. In kurzer Zeit rasselt der Schneepflug dreimal an mir vorbei. Sonst scheint alles still zu stehen.

 

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Schön sind die leuchtend gelben Birken am Strassenrand anzusehen.

 

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Ebenso schnell wie er gekommen ist, ebbt der Schneesturm ab. In steter Abwärtsfahrt gelange ich von der Höhe in tiefere Regionen. Längst hat sich die Farbe der Landschaft vom Weiss wieder in Braun und Grün gewandelt, riesige Tannenwälder erinnern an die Heimat. Bald erreiche ich Torrey, mein heutiges Tagesziel. Mit den letzten Regentropfen geniesse ich hinter dem Haus ein Dampfbad im Freien. Ferien sind schööön!

 

Am nächsten Tag hat sich das Wetter zwar gebessert, so richtig sonnig ist es allerdings immer noch nicht. So beschliesse ich, den geplanten Besuch des Capitol Reef NP auszulassen und direkt nach Moab zu fahren, wo zahlreiche landschaftliche Sehenswürdigkeiten locken. Da die Strasse den Capitol Reef NP. durchquert, erhalte ich während der Fahrt dennoch einige grandiose Einblicke in den Park.

 

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Via Hanksville und Green River gelange ich nach 250 km entspanntem Reisen durch fast menschenleere Gegenden nach Moab, der quirligen Freizeitoase im südöstlichen Utah.

 

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In der Umgebung von Moab wurden so bekannte Filme gedreht wie «Rio Grande», «Cheyenne», «Indiana Jones und der letzte Kreuzzug» oder das Roadmovie «Thelma und Louise». Kurz nach meiner Ankunft suche ich den unweit von Moab gelegenen Arches NP auf. Ich kann es mir nicht verkneifen, nach dem Besuch im letzten Jahr, den bekanntesten und schönsten der über 2000 Naturbögen im Park, den Delicate Arch, erneut aufzusuchen. Die gespannte Erwartung des Sunset unter den Anwesenden dort oben ist einzigartig.

 

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Ich beschliesse, für die weitere Erkundung von interessanten Arches im Park den ganzen nächsten Tag zu verwenden. Die Parkstrasse endet nach 22 Meilen in Devils Garden. Mehrere Wanderwege führen zu etwa einem Dutzend Naturwundern, unter denen der Landscape Arch herausragende Eigenschaften besitzt.

 

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Mit einer Spannweite von etwa 100 m zählt das gebrechlich wirkende Gebilde zu den grössten Naturbögen der Welt. Erst vor wenigen Monaten ist ein weiteres Stück aus dem oberen Bogen abgefallen, und es ist eine Frage der Zeit, bis er ganz einstürzt.

 

Ebenfalls sehr sehenswert ist im hintersten Teil des Devils Garden der Double O Arch, durch dessen oberes Auge wir hier blicken.

 

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Weiter vorn im Park schweift der Blick am späten Nachmittag über die Windows Section bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der La Sal Mountains.

 

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Immer wieder begegne ich ich Park scheuen Wildtieren, insbesondere am frühen Morgen: Hörnchen wieseln flink ins nächste Erdloch, Hasen hoppeln überrascht davon und junge Maultierhirsche wissen nicht so recht, ob sie dem Fotografen trauen können.

 

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Nach einem letzten Arches-Parkrundgang am frühen Morgen des dritten Tages will ich den mir bisher noch unbekannten Dead Horse Point State Park, ca. 40 km westlich von Moab gelegen, besuchen. Klein, aber fein präsentiert er sich: Auf einem Plateau, von dem das Gelände nach allen Seiten mehrere hundert Meter fast senkrecht zum Colorado River hinunter fällt, bieten sich traumhafte Ausblicke auf den sich windenden Fluss. Tom Cruise ist in der Eröffnungsszene von «Mission Impossible II» genau hier den Felsen hoch geklettert. An diese Szene werden sich wohl viele erinnern. Der Name des Parks stammt von einer Legende, die besagt, dass auf dem Plateau gehaltene Mustangs elendiglich ums Leben kamen, weil vergessen wurde, die Absperrung an der schmalsten Stelle der Hochfläche - eben dem Dead Horse Point – zum freien Weideland hin zu öffnen.

 

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Unterhalb des Dead Horse Points verläuft der Shafer Trail, eine Dirt Road der anspruchsvolleren und längeren Sorte, deren Befahren mit einem SUV vom Canyonlands NP. her ein rechtes Abenteuer verspricht. In meinen internen Reiseplänen ist dieses schon notiert...

 

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An der schmalsten Stelle des Hochplateaus weist der Blick über den Talkessel mit seinen Salzseen bis hin zu den La Sal Bergen hinter Moab. Stundenlang kann man hier verweilen. Aber jetzt ist es für mich Zeit umzukehren. Morgen ist Reisetag.

 

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Der Mittwoch ist in meinem Programm zum Verschieben nach Page in Arizona vorgesehen. 425 km über Monticello, Bluff, Mexican Hat und Kayenta führt die Reise zur Stadt am Lake Powell. Wenn die Zeit reicht, ein Halt beim Monument Valley. Beim Hotel auschecken, Auto bepacken, und los gehts auf den langen Weg. Vorerst läufts auch so richtig, es herrscht tolles Wetter, alles bestens. Unweit vor Monticello entdecke ich im Westen die Berge im Manti-La Sal National Forest und staune: Indian Summer vom Feinsten auf den Erhebungen des Forest. Oben weiss gezuckert, dann bis ins Flachland hinunter satteste Herbstfarben in allen Variationen, am leuchtendsten das Gelb der Birken, alles überdeckt von einem Himmelsblau, wie ich es noch kaum je gesehen habe.

 

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Ich kann nicht widerstehen, fahre vom Highway herunter und ab in die Berge.

 

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Drei Stunden bin ich schliesslich bergwärts unterwegs. Viele Fotostopps. Ich gelange weit hinauf in die Höhe, an die Schneegrenze. Wo in aller Welt findet man heute noch Orte, in denen man derart weit und breit der einzige Mensch ist? Die Aussicht da oben ist grandios. Aber irgendwie muss ich ja heute noch nach Page gelangen. Also zurück ins Tal, wieder auf den Highway 191 und weiter Richtung Süden. Noch rechtzeitig erreiche ich die Abzweigung zum Monument Valley. Diesmal will ich mit dem eigenen Wagen die abenteuerliche Strasse durch das Valley fahren. Hinunter würde es zu Fuss wohl schneller gehen, jede Schwangere würde auf dieser Holperstrecke ihr Kind verlieren. Unten gehts etwas besser.

 

Dieses Motiv ist wohl jedem bekannt, der schon Western gesehen hat.

 

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Auf der Strecke ist mir ein gewaltiger Stein im Weg. Ich versuche ihn wegzustossen, vergebens ☺.

 

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Zum Eindunkeln bin ich wieder beim Visitor Center zurück. Alle hier stehen im Banne der Sonnenuntergangsstimmung. Die Felstürme vom Nachmittag scheinen wie verwandelt, das Abendlicht bewirkt spektakuläre Farben am Himmel.

 

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Als ich Kayenta erreiche, ist es bereits dunkel. Verpflegen, tanken, Windschutzscheibe säubern, und weiter gehts. Durch die Zeitverschiebung zwischen Utah und Arizona gewinne ich eine Stunde und erreiche Page dadurch noch vor neun Uhr. Vier Nächte sind hier eingeplant, genügend Zeit also für die zahlreichen Naturwunder in der näheren und weiteren Umgebung. Das optische Wahrzeichen des Navajo-Landes, die Generation Station oberhalb des Ortes, kennt wohl jeder, der schon einmal in Page war. Mit den gewaltigen Kaminen ist das Kraftwerk auch aus einer Distanz von 30 Meilen noch sichtbar.

 

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Am nächsten Morgen – nach ausgiebigem Frühstücken im Hotel – suche ich den Horseshoe Bend auf. Die gewaltige Colorado-Flussschlaufe, 3 km westlich von Page, wird Mitte Oktober erst um die Mittagszeit optimal ausgeleuchtet sein, also heisst es, sich in Geduld fassen und abwarten. Da ich nicht schwindelfrei bin, nähere ich mich der gefährlichen Kante mit grosser Vorsicht. Was andere hier jedoch vorführen, scheint mir mehr als fahrlässig. Aber jeder muss schliesslich selbst wissen, wieviel Risiko er eingehen will. Den schönen blauen Stein mit Namensinschrift und Datum nebst einem Kreuz etwas abseits beachten nur wenige.

 

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Zwischen Generation Station und Page befindet sich der Graben des Antelope Creeks. Rechts und links von Highway 98 liegen der Upper und der Lower Antelope Canyon, Anziehungspunkte vieler begeisterter Besucher aus der ganzen Welt. Während der Eingang in die Zauberwelt des Lower Antelope völlig unscheinbar in der Wüstenlandschaft liegt, präsentiert sich seine Unterwelt auf 180 m Länge umso spektakulärer.

 

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Vier Stunden verbringe ich diesmal hier unten. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich bin froh, auch hier das massive Stativ dabei zu haben.

 

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Fotografieren im engen Slot Canyon ist nicht ganz einfach: Die hier herrschende Dämmerung, die verlangte Tiefenschärfe, der unebene Untergrund und vieles mehr zwingen zu sorgfältigen Überlegungen und Einstellungen.

 

Gegen 16 Uhr steige ich über mehrere steile Metalltreppen hinauf ans Tageslicht, zufrieden mit mir und der Welt. Als Belohnung leiste ich mir am Abend ein üppiges Mahl im hotelnahen Steakhouse.

 

Für den Freitag habe ich mir den Alstrom Point als Tagesziel vorgenommen. Von diesem sehr abseits gelegenen Aussichtspunkt geniesst man – erfahrenen Südwestfotografen zufolge – den wohl schönsten Ausblick auf den Lake Powell. Die Anfahrt erfolgt am Glen Canyon Dam vorbei, ...

 

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... dann über die 89 bis Big Water. Hier zweigt die BLM Road 300, eine ungeteerte Strasse mit zahllosen Querrillen, nach Osten ab, der man nun rund 25 Meilen folgen muss. So wie sich die Landschaft hier zeigt, muss es auf dem Mond aussehen: Felsen, Hügel, Steine, kaum Vegetation.

 

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Die Dirt Road wird zunehmend schlechter, einige Waschbrett-Stellen schütteln Wagen und Fahrer mächtig durch. Die letzten zwei Meilen sind der nackte Horror, auch mit einem SUV. Es geht teilweise über blanken und holprigen Fels. Ein gewöhnlicher Wagen schafft diese Strecke auf keinen Fall.

 

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Endlich erreiche ich die Abbruchkante des Plateaus, vor mir ein fantastisches Panorama: die tiefblaue Padre Bay, in deren Mitte die Gunsight Butte.

 

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Letzterer macht übrigens seinem Namen alle Ehre. Mit ein klein wenig Fantasie kann man das überdimensionale Gewehr mit Schaft, Kimme und Korn durchaus erkennen.

 

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Tief unten sind vereinzelte Hausboote von Urlaubern zu sehen, die ihre Ferien auf dem vielgestaltigen Lake Powell verbringen.

 

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Lange lasse ich den Blick über die grandiose Szenerie schweifen, immer wieder entdecke ich neue Ansichten im Panorama.

 

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Rechtzeitig mache ich mich auf den Rückweg. Keinesfalls will ich diese Strecke bei Dunkelheit absolvieren müssen. Gerade noch rechtzeitig gelange ich nach Big Water zurück, der weitere Weg nach Page ist kein Problem mehr.

 

Am nächsten Tag um 9 Uhr morgens bemühe ich mich bei der Paria Contact Station zwischen Page und Kanab um eines der 10 begehrten Walk-in-Permits für die Wave. Die Wave ist eine weitere spektakuläre Felsformation, eine aus Sandstein geformte Welle in der Paria Canyon Vermilion Cliff Wilderness, ein Top-Highlight für Fotografen. Leider habe ich kein Glück in der Lottery, obwohl heute sogar eher weniger Leute anwesend sind als sonst (44, darunter viele Deutsche, Österreicher und Schweizer). So plane ich für den Fortgang des Tages eine Tour zum North Rim des Grand Canyon. Zuerst aber wird in Kanab für Mann und Fahrzeug gesorgt. Der Ort ist so richtig geeignet dafür.

 

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Die Anfahrt zum Park über Fredonia und Jacobs Lake zieht sich in die Länge, ich merke das stetige Ansteigen bis auf 2000 m Höhe hinauf kaum. Unterwegs und später im Park freue ich mich an den farbenprächtigen Wäldern, an denen ich vorbeifahre. An der Entrance Station des Grand Canyon bezahle ich den nicht gerade billigen Obolus und darf eintreten. Bald stehe ich unter blauestem Himmel auf einem windumtosten Felskopf und blicke staunend in die tiefen Täler hinunter, die der Colorado River hier gegraben hat. Leider trübt dunstiges Wetter den Blick in die Ferne. Aufgrund der hier herrschenden Kälte beschliesse ich bald, die Rückreise anzutreten, die mich über die 89A zur doppelten Navajo Bridge und schliesslich nach Page zurückbringt. Unterwegs entdecke ich verschiedene interessanate Trucks, z.B. diesen hier.

 

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Heute hat sich kilometermässig einiges zusammengeläppert (450 km) und ich bin froh, zu wissen, wo ich abends meinen Kopf hinlegen kann.

 

Sonntag ist der zweitletzte Reisetag. Noch ein Ziel nehme ich mir vor, bevor ich Page verlasse: die Wahweap Hoodoos. Die auch «Weissen Geister» genannten Felstürme sehen im ersten Morgenlicht fantastisch aus, wie ich durch Bilder anderer Fotografen weiss. Um 4.45 Uhr ist deshalb Tagwache. In der Dunkelheit bin ich nach Big Water unterwegs, zweige dort auf die Cottonwood Road ab. Dann aber führt die Strecke auf bedeutend schlechteren Wegen weiter. Ein Ranger im BLM-Office hatte mich am Vortag vor der Strecke mit dem Hinweis gewarnt, es sei dann keine BLM-Road (BLM = Bureau of Land Management). Zuerst bin ich noch zuversichtlich, doch je länger die Fahrt auf dem unzumutbaren Pfad dauert, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass der Wagen bei einer Weiterfahrt unweigerlich Schaden nehmen würde. Immerhin habe ich an dem Tag noch über 400 km Reise vor mir. Dämmerlicht, unüberwindbare Felsklötze auf dem Weg, steile Wash-Abhänge und -aufstiege zwingen mich schliesslich gegen meinen Willen zum Aufgeben meines Vorhabens. Am Ende bin ich noch froh, den Rückweg durch die menschenleere Gegend wieder gefunden zu haben. Die «Weissen Geister» sind auf jeden Fall über die Südroute zu Fuss anzustreben. Noch so ein Fernziel in meinem Hinterkopf...

 

Doch ganz mit leeren Händen will ich mich an diesem Sonntag denn doch nicht von Page verabschieden. So suche ich die nahe gelegenen Toadstool-Hoodoos auf, die mich schon letztes Jahr begeistert hatten. Das versteckte Hochplateau unweit des Highway 89 bietet im frühen Morgenlicht zahlreiche lohnenswerte Motive und so bin ich schliesslich doch noch zufrieden mit meiner Frühmorgentour. Hier der schönste Hoodoo, der dem abgelegenen Tälchen auch den Namen gegeben hat.

 

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Weitere farbige Steinformationen bevölkern die Landschaft. Mir gefallen die Hoodoos vor allem wegen ihrer auffälligen Deckel aus härterem Gestein.

 

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Es sind die besonderen Farben und Formen des Bodens, der Felsen und Steine, die mich an der Landschaft des Colorado Plateaus so faszinieren. Hier ein schönes Beispiel eines Bodenfarben-Wechselspiels.

 

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Nun ist es endgültig Zeit, mich von der Gegend zu verabschieden. Zurück in Page, geniesse ich im Mexikaner noch ein feines, scharfes Mittagessen. Dann nehme ich den Weg via Flagstaff nach Kingman an der Route 66 unter die Räder.

 

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Nach 200 km Fahrt mache ich in Flagstaff Rast. Die grosse Stadt, ebenfalls auf 2000 m Höhe gelegen, ist für Eisenbahnfans ein lohnenswertes Ziel. Alle 20 Minuten rattert hier nämlich ein immer von mehreren Loks gezogener Containerzug vorbei, begleitet von gellendem Pfeifen. Solche Züge sind nicht selten gut 1 km lang und verursachen ein lang anhaltendes dumpfes Grollen in der Gegend.

 

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Ich schaue diesem Spektakel längere Zeit zu. Dann fahre ich über die Interstate 40 weiter gegen Westen und ereiche noch vor der Dämmerung Kingman, wo im Quality Inn ein Bett für mich bereitsteht. Morgen werde ich den Ausgangspunkt meiner Reise, L.A., erreichen.

 

Gut gestärkt mache ich mich am nächsten Morgen auf die letzte Etappe meiner Rundreise. Heute liegen gemäss Navi 543 km vor mir. Ich komme gut voran, die Meilen rattern nur so herunter. Arizona liegt bald hinter mir, California hat mich wieder. Erst nach 400 km ist eine Rast fällig. Die Stadt Barstow ist für viele ein Vorbote von L.A. Die riesige Flagge, die ich hier antreffe, steht in diesem Bericht symbolisch für die Tausende von Flaggen, die ich auf der über 5000 km langen Reise überall angetroffen habe.

 

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Gegen zwei Uhr nachmittags erreiche ich meine Unterkunft in der Nähe des Flughafens. Zwei Tage sind in meinem Reiseprogramm fürs Spotten in LAX vorgesehen. Viele Bilder habe ich im Unterforum «Spotter-Corner/Aviatik-Bilder» bereits gezeigt. Hier einige weitere sowie ein Bild des bekannten In-N-Out Burgers beim Rwy 24R:

 

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Mittwoch, mein letzter Tag auf dem Neuen Kontinent, Abreisetag. Die Stunden sind gut geplant: letzte Geschenke für die Familie kaufen, letztes Spotting, Autoabgabe, Fahrt mit dem Shuttle zum Airport, Einchecken, usw. Boarden zu vorgesehener Zeit, pünktlich auch der Abflug. Auf Wiedersehen L.A.!

 

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Nach ruhigem Flug erreichen wir Zürich am Donnerstagnachmittag, vierzig Minuten früher als geplant. Eine erlebnisreiche Reise ist zu Ende! Ich freue mich auf zu Hause.

 

 

Schön, dass du bis zum Ende durchgehalten hast. Ich hoffe, du hattest etwas Vergnügen beim Lesen und Betrachten.

 

Gruss

Dani

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