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Geschrieben

Hallo allerseits:

Ich habe wieder mal einen alten Schmöker hervorgenommen: Bevor ich ihn in eine dieser wiederverwerteten Telefonzellen, sprich öffentlichen Bücherschrank, reinstelle, will ich den Braunburg Roman aus den achtziger Jahren nochmal lesen. Einmal mehr stelle ich fest, wie sozialkritisch diese braunburgschen Pilotenromane waren. Im folgenden Abschnitt geht es um routinemässig "frisierte Pünktlichkeitsbilanzen". Ich zitiere:

 

"Stationsleiter und Kapitäne hatten beide ein Interesse daran, die Abflugzeiten zu verschönern, glatte zehn Minuten abzuziehen. Die Stationsleiter, damit sie keine Verspätungsmeldungen ausführlich zu begründen brauchten, die Piloten, weil sie es nicht mit der Station verderben wollten. Kooperative Zusammenarbeit. Außerdem gab es heute einen anderen Pünktlichkeitsbegriff als vor dreissig Jahren: Damals hatte man ein Flugzeug, das innerhalb der festgelegten Zwei-Minuten-Differenz abrollte von der Rampe, als pünktlich verbucht. Später galten fünf Minuten als Limit. Dann war man bei zehn Minuten gelandet. Und inzwischen verlor man auch über fünfzehn Minuten kein Wort mehr. Innerhalb dieses Limits galt alles als "pünktlich abgeflogen".

 

Lässt sich das bestätigen? Wenn ja, sollte das immer noch so sein?

 

Wie so oft bei Romanen, erfolgt eine Einleitung durch ein Zitat: Hier ist es eines von Kurt Tucholsky:

"Sogar das, was die Zeitungen nicht bringen, ist gelogen."

 

Gruss Richard

 

Geschrieben
Zitat

Wenn ja, sollte das immer noch so sein?

 

Da kannst du heute nicht mehr viel verschönern, das wird ja alles automatisch registriert. Die Verspätungsgründe können sich in Einzelfällen dann aber je nach Ansicht etwas unterscheiden, es will ja doch niemand schuld sein. 😄

 

Gruß Alex

Frank Holly Lake
Geschrieben (bearbeitet)

Na ja bei der Deutschen Bahn 

 

Fünf Minuten und 59 Sekunden  gilt nicht verspätet. Die Definition ist von dem DB Vorstand festgelegt worden. 

 

Und das schaffen nur 70 % der Züge derzeit. 

Früher waren das mal 3 Minuten, nur dann sind es weniger als 50 % die in dieses Zeitfenster fallen. 

 

Und der Knaller ist, bevor man eine weiterer Unpünktlichkeit zulässt, lasst man die Züge ausfallen, 

damit die Statistik verbessert wird, Weil ausgefallen Züge ist nicht verspätet. 

Und schon ist man wieder bei den 70 % . Ist das nicht toll?

 

Also ist viel politisch gesteuert und geschönt um besser auszusehen. 

 

 Beim Flugzeug sind des die Slots die erwischt werden müssen.  Entscheidend  ist da nicht, wann man vom Gate wegkommt, sondern wann der  TO erfolgt.  Enteisen , Stau vor der RNY , warten auf Push Back Tankwagen , Pax Gepäck Gegenwind beim Vorslot, Warteschleife vor dem aufsetzten , das kann sich summieren wenn man einen eng getakteten Flugplan. Das System kann schon bei starken Regen unberechenbar werden...

 

Geliebt werden von Piloten die  Flughäfen mit Nachtflugverbot. Da kannst Du wenigstens morgens pünktlich weg, weil eine Verspätung vom Vortag gibt es dann meistens nicht mehr. 

Grüße Frank 

 

 

Bearbeitet von Frank Holly Lake
Geschrieben
vor 35 Minuten schrieb Frank Holly Lake:

 

 

 

 

Und der Knaller ist, bevor man eine weiterer Unpünktlichkeit zulässt, lasst man die Züge ausfallen, 

damit die Statistik verbessert wird, Weil ausgefallen Züge ist nicht verspätet. 

Und schon ist man wieder bei den 70 % . Ist das nicht toll?

 

 

 

 

Was wiederum hervorragend zu dem passt, was vor meiner zitierten Passage im Buch steht. Nachdem der Protagonist mit zwei Stunden Verspätung losgeflogen ist:

 

"In den Public-Relations-Veröffentlichungen würde trotzdem stehen, die Pünktlichkeit mit 98,8 oder gar 99,1 Prozent sei einmalig unter internationalen Airlines. Die Statistiker fehlten offenbar immer, wenn es um Verspätungen über anderthalb Stunden ging."

 

Gruss Richard

 

Geschrieben

Bisschen Offtopic.

Aber zur DB hat mal ein gewitzter Kerl eine ganz nette Datenanalyse erstellt:

 

Dauert ne Weile. Aber ich fand's unterhaltsam. 😀 

Geschrieben
vor 3 Stunden schrieb Frank Holly Lake:

Geliebt werden von Piloten die  Flughäfen mit Nachtflugverbot.

Mir sind die Verspätungen egal. Wenn der Kunde später kommt, fliegen wir halt später.

Geschrieben (bearbeitet)

Als Urlaubsreisender genügt es mir, wenn ich einen Anschlussflug erreiche Ohne Transit sind mit Verspätungen unter 3h egal, sofern ich ned eine Fähre oder dgl. verpasse. Sauer werde ich, wenn beim Transit im Vorfeldbus auf Nadeln sitzen und dann durch ein halbes Terminal sprinten muss. Das kam in den letzten Jahren häufiger vor, obwohl ich keine von Natur aus "sportlichen" Transitzeiten buche, sondern einen Puffer.

 

Bei Airlines wie TAP würde ich nach meinen Erfahrungen bei einer erneuten Nutzung einen Transit von mindestens 2h planen, denn so schnell kann man gar ned schauen, wie sich zwischen VIE und LIS 1,5h in Nichts auflösen... 😏

Interkontinental haben sich im fortgeschrittenen Alter Stopovers als nützlich und stressfreier herausgestellt. Zwei Tage in Singapur und in LAX oder MIA waren ganz nett. Heute könnte ich dort wohl ned einschätzen, ob man mich bei der Einreise ned schon verhaftet, weil ich "falsch dreinschaue", obwohl ich kein schnappatmender Anti-Trumpist bin..., deshalb würde ich die USA als Stopover-Land meiden.

 

Gruß

Johannes

Bearbeitet von Phoenix 2.0
Geschrieben
Am 21.3.2026 um 13:54 schrieb reverser:

Hallo allerseits:

Ich habe wieder mal einen alten Schmöker hervorgenommen: Bevor ich ihn in eine dieser wiederverwerteten Telefonzellen, sprich öffentlichen Bücherschrank, reinstelle, will ich den Braunburg Roman aus den achtziger Jahren nochmal lesen. Einmal mehr stelle ich fest, wie sozialkritisch diese braunburgschen Pilotenromane waren. Im folgenden Abschnitt geht es um routinemässig "frisierte Pünktlichkeitsbilanzen". Ich zitiere:

 

"Stationsleiter und Kapitäne hatten beide ein Interesse daran, die Abflugzeiten zu verschönern, glatte zehn Minuten abzuziehen. Die Stationsleiter, damit sie keine Verspätungsmeldungen ausführlich zu begründen brauchten, die Piloten, weil sie es nicht mit der Station verderben wollten. Kooperative Zusammenarbeit. Außerdem gab es heute einen anderen Pünktlichkeitsbegriff als vor dreissig Jahren: Damals hatte man ein Flugzeug, das innerhalb der festgelegten Zwei-Minuten-Differenz abrollte von der Rampe, als pünktlich verbucht. Später galten fünf Minuten als Limit. Dann war man bei zehn Minuten gelandet. Und inzwischen verlor man auch über fünfzehn Minuten kein Wort mehr. Innerhalb dieses Limits galt alles als "pünktlich abgeflogen".

 

Lässt sich das bestätigen? Wenn ja, sollte das immer noch so sein?

 

Wie so oft bei Romanen, erfolgt eine Einleitung durch ein Zitat: Hier ist es eines von Kurt Tucholsky:

"Sogar das, was die Zeitungen nicht bringen, ist gelogen."

 

Gruss Richard

 

Als jemand, der sich beruflich täglich mit Delaycodes herumschlägt, kann ich nur sagen: Der Roman ist gar nicht so weit von der Realität entfernt - er ist einfach… nostalgischer formuliert.

Heute „zieht“ niemand mehr einfach pauschal zehn Minuten ab und alle nicken freundlich. Dafür haben wir das Ganze perfektioniert: Wir haben daraus ein System gemacht. Was früher vielleicht mit Augenmass und etwas „kooperativer Zusammenarbeit“ lief, ist heute ein feinsäuberlich reguliertes Kunstwerk mit über 100 Delay-Codes, klaren Definitionen und genug Interpretationsspielraum, um ganze Teams zu beschäftigen.

Offiziell ist die Welt nämlich ganz einfach: Bis drei Minuten ist man pünktlich, bis 15 Minuten ist es… sagen wir mal „operativ noch verkraftbar“, und erst danach beginnt das, was man dann wirklich als Verspätung bezeichnet. Und genau ab diesem Moment wird es interessant. Denn dann geht es nicht mehr um die Zeit – sondern um die Frage: Wer bekommt den Delay-Code?

War es wirklich technisch? Oder doch operativ? Oder vielleicht Handling? Oder eine kreative Mischung aus allem, je nachdem, wen man fragt? Ich verbringe einen guten Teil meines Alltags mit genau diesen Diskussionen – mit Stationen, OCC, Engineering und internen Diskussionen. Nicht, weil jemand bewusst tricksen will, sondern weil hinter jedem Code KPIs, Verantwortlichkeiten und am Ende auch Geld stehen.

Im technischen Bereich hängt daran zum Beispiel die Dispatch Reliability, die wir brav an die Behörde und die Hersteller melden. Dem Luftamt geht es dabei allerdings herzlich wenig um „schön aussehen“, sondern darum, ob wir unsere Flotte im Griff haben. Und der Hersteller schaut auch sehr genau hin, wenn plötzlich alles immer „nicht technisch“ war.

Wird heute nichts mehr „frisiert“? Naja… sagen wir so: Früher hat man vielleicht Minuten verschoben. Heute verschiebt man eher Zuständigkeiten. Deutlich eleganter und viel besser dokumentiert.

Am Ende hat sich also weniger das Prinzip als die Methode geändert. Die Frage ist nicht mehr: „Ist der Flug pünktlich?“
Die Frage ist heute: „Wem gehört die Verspätung?“ 😄

Urs Wildermuth
Geschrieben
Am 22.3.2026 um 20:56 schrieb Tigerstift1:

Die Frage ist nicht mehr: „Ist der Flug pünktlich?“
Die Frage ist heute: „Wem gehört die Verspätung?“ 😄

 

LOL, war schon zu meiner Zeit im Handling so (1986-98). Da gab's oft ein Feilschen um Delaycodes.... und am Schluss nahm man den, der am wenigsten Leute sauer machte. Geht aber heute wohl nicht mehr, die "convenience" codes sind schon lange Geschichte. 

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