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Danilo

Die fliegende Sternwarte SOFIA in Stuttgart zu Besuch (16.-20. Sept. 2019)

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Danilo

SOFIA, ein gemeinsames Projekt der NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist ein fliegendes Observatorium in Form einer umgebauten Boeing 747 SP mit einem 2,7 m Spiegelteleskop an Bord. Erste wissenschaftliche Beobachtungen damit fanden Ende 2010 statt. Seit Mai 2014 ist SOFIA im routinemässigen Betrieb. Amerikanische und deutsche AstronomInnen heben normalerweise 5-6 Mal pro Woche mit der SOFIA ab.

 

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Nachdem die spezielle 747 SP, welche die nahe liegende Registration N747NA führt, im Jahr 2011 erstmals Stuttgart besucht hatte, zeichnete sich seit einigen Monaten ein neuerlicher Aufenthalt auf dem Flughafen der baden-württembergischen Hauptstadt ab. Anlass dafür war die Jahrestagung «Mission to the Universe – From Earth to Planets, Stars & Galaxies» der deutschen Astronomischen Gesellschaft in Stuttgart.

 

Angekündigt war die fliegende Sternwarte – SOFIA steht für Stratospheric Observatory For Infrared Astronomy – für Sonntagmorgen, 15. September. Wegen Überhitzung eines Detektors und Problemen mit den Klappen des Flugzeugs wurde der Start in der Heimatbasis Palmdale (CA) um rund 22 Stunden verschoben. Die Ankunft in STR erfolgte so am Montagmorgen um 04.03 Uhr. Netterweise hatte der Flughafen die Besucherterrasse bereits um 03.00 Uhr geöffnet, was zahlreiche Spotter und Journalisten nutzten. Abgestellt wurde die 747 SP in der Pushbackbox, gut einsehbar von der Terrasse aus. Die Rückkehr nach Palmdale erfolgte dann am 20. September.

 

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Für die Dauer des Besuchs hatte man zahlreiche Aktivitäten geplant. So konnten sich Interessierte für kostenlose Führungen durch das Flugzeug anmelden. Diese waren allerdings in Windeseile ausgebucht. Ich gehörte zu den Glücklichen, die in den Besitz einer Bordkarte gelangten.

 

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Im Terminal des Flughafens durfte in einem mobilen Planetarium ein «virtueller Mitflug» erlebt werden. Die SOFIA selber sollte am Mittwochabend zu ihrer ersten Mission über Europa abheben, einem zehnstündigen Forschungsflug über zwölf Länder. Dr. Alfred Krabbe, Leiter des Deutschen SOFIA-Instituts an der Uni Stuttgart, hielt am Donnerstagabend einen öffentlichen Vortrag zum Thema der Tagung.

 

Mit der N747NA wurde den Astronomen ein Flugzeug zur Verfügung gestellt, das genügend Platz für das Riesenteleskop mit einem Gewicht von 17 Tonnen mitbrachte.

 

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Der SP-Jumbo ist gut gerüstet für Flüge in 12-15 km Höhe. Dort oben fallen 99% des störenden Wasserdampfes weg.

 

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Das Flugzeug ist um mehr als 14 Meter kürzer als die originale 747-100 und weist grössere Tragflächen auf.


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Um eine bessere Seitenstabilität zu erreichen, wurde auch das Seitenleitwerk vergrössert. Schliesslich ist das ganze Flugzeug tiefer gelegt. In der SOFIA können neben der dreiköpfigen Cockpitbesatzung bis zu 15 Wissenschaftler, Techniker und Beobachter arbeiten.

 

Angetrieben wird die als «Clipper Lindbergh» getaufte N747NA von 4 P&W JT9D-7J Triebwerken mit jeweils 50 000 Pfund Schubleistung. Damit kann sie mit Mach 0.85 fliegen. Die Reichweite der SOFIA-747 beträgt 12 300 km.

 

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Ebenfalls speziell und gut sichtbar an der SOFIA ist die grosse Hecktüre, die in grossen Höhen geöffnet wird. Sie läuft auf Schienen und wird beim Öffnen auf die andere Rumpfseite geschoben. Man kann sich kaum vorstellen, vor welche Probleme die Ingenieure beim Umbau dieses Flugzeugs gestellt wurden, damit während einer Mission in grosser Höhe ein freier Blick ins Weltall möglich wurde und gleichzeitig im Innern bei verträglichen Temperaturen und menschenfreundlichem Luftdruck geforscht werden konnte.

 

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Vorne im Jumbo befinden sich Sitze für unbeschäftigte Mitarbeiter und das MCCS (Mission Controls and Communication System). Dieses bildet das Gehirn der fliegenden Sternwarte, versorgt die Geräte mit Strom, speichert alle Daten und ermöglicht den verschiedenen Systemen des Observatoriums miteinander zu kommunizieren.

 

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Weiter nach hinten folgen die Arbeitsplätze für Gastwissenschaftler, die Konsole für Multiplikatoren (Arbeitsplätze für mitfliegende Lehrkräfte), das Pult des Mission Directors und des wissenschaftlichen Flugplaners, die bei Bedarf in Absprache mit den Piloten gemeinsam Beobachtungsziele und Flugroute ändern können.

 

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Dann folgt eine Instrumentenkonsole. Am Ende des begehbaren Teils befindet sich HAWC+, das durch ein Druckschott hindurch mit dem Teleskop verbunden ist. Teleskop und HAWC+ sind durch mehrere verschiedene Systeme gegen Erschütterungen geschützt. Gut sichtbar sind vom Innenraum aus nur die schwarzen Gummi-Dämpfungselemente.

 

An das Teleskop können verschiedene wissenschaftliche Instrumente montiert werden. Gegenwärtig wird HAWC+ verwendet, eine hochauflösende Fern-Infrarot-Kamera.

 

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Das Herzstück von SOFIA – das Cassegrain/Nasmyth Teleskop – wurde in Deutschland von der MAN Technologie AG und der Kayser-Threde GmbH gebaut. Es kann sich innerhalb des Flugzeugs im Bereich zwischen +20 und +60 Grad über dem Horizont bewegen.

 

Während der Führung fiel positiv auf, wie die jungen Mitarbeiter des SOFIA-Instituts an den verschiedenen Posten bemüht waren, die schwierige Materie der Infrarot-Astronomie verständlich zu erklären, alle nur erdenklichen Fragen zu beantworten und möglichst keine Wünsche abzuschlagen. Fotografieren im Flugzeug war ausdrücklich erlaubt. Die gesamte Führung dauerte rund zwei Stunden. Den Organisatoren dieses Anlasses gehört ein grossen Kompliment!

 

Gruss

Dani

 

   

    

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A321Flyer

Herzlichen Dank für den Erlebnisbericht. Absolut faszinierend, was da im Innern dieser B747SP so eingebaut ist. Wie toll muss das sein, an solch einem Projekt mitzuarbeiten!!! Und sehr eindrücklich das Targa-Dach im hinteren Bereich der 747.

 

Gruss Martin

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bleuair

Gratuliere zum "Gewinn" der Führung... Die Information hier, welche NICHT das Flugzeug betrifft, ist so dicht, dass man vergisst, im flightforum zu sein... Merci für den Blick hinter die Kulissen und die Weitergabe dieser Info. Bin sicher das ist ein "once-in-a-lifetime" Av-Event gewesen!

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Danilo
vor 1 Stunde schrieb bleuair:

Bin sicher das ist ein "once-in-a-lifetime" Av-Event gewesen!

 

Danke, Mirko. Genau dies war der Antrieb dafür, dass ich mich für eine Bordkarte beworben habe. Gut erkannt!

 

Gruss

Dani

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