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07.12.2025 | Robin DR400-180R [ 180PS Lycoming ] - Aéroclub de l’Ariège Saint Girons | F-GGQQ | Absturz eines Sportflugzeugs in den Pyrenäen


Empfohlene Beiträge

Geschrieben (bearbeitet)


Nach einem Notruf wird ein vermisstes Sportflugzeugs in 2.000 Metern Höhe in den Bergen entdeckt. Vier Menschen kommen dabei ums Leben, darunter Flugschüler einer Hochschule.


https://www.leparisien.fr/faits-divers/quatre-morts-acces-difficile-enquete-ouverte-ce-que-lon-sait-de-laccident-davion-dans-les-pyrenees-ariegeoises-08-12-2025-ZBK26L4TM5B7XDV3B6EZPLNQ64.php
 


Beim Absturz eines Sportflugzeugs in den französischen Pyrenäen sind vier Menschen ums Leben gekommen. Die einmotorige Maschine sei nach einem Notruf bei einer Suchaktion am Sonntagabend in 2.000 Metern Höhe in verschneitem Gelände entdeckt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Foix mit.

 

Bei den Opfern handelt es sich um einen 25 Jahre alten Fluglehrer sowie um drei Flugschüler der Nationalen Hochschule für Zivilluftfahrt (ENAC) in Toulouse im Alter von 18 und 21 Jahren. Die Unglücksursache muss noch ermittelt werden.

 

Die Nationale Hochschule für Zivilluftfahrt in Toulouse ist neben der Pilotenausbildung von Air France die Ausbildungsstätte für angehende Piloten der Zivilluftfahrt in Frankreich.

 

Nach derzeitigem Kenntnisstand handelt es sich um eine Robin DR400-180R [ 180PS Lycoming ] des Aéroclub de l’Ariège Saint Girons [ LFCG ].


Das Flugzeug das in der Gemeinde Saint-Girons gestartet war und wo sich auch der Verein befindet, soll über dem Gebiet der Gemeinde Bethmale abgestürzt sein, die mitten im Couserans in einer Bergregion der Pyrenäen liegt. Einige Kilometer weiter südlich befindet sich die Grenze zu Spanien.

 

Details zum genauen Hergang sind noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen durch die französische BEA (Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la sécurité de l'aviation civile).

 

 

Gregor

 

 

 

Bearbeitet von sharkbay
Ergänzungen
  • sharkbay änderte den Titel in 07.12.2025 | Robin DR400-180R [ 180PS Lycoming ] - Aéroclub de l’Ariège Saint Girons | ? F-GGQQ ? | Absturz eines Sportflugzeugs in den Pyrenäen
Geschrieben

Traurig für die Betroffenen und deren Umfeld.
Absturzstelle gemäss Figaro in der Nähe des l’étang d’Eychelle. Ohne genügend Höhe bleibt nach dem Einflug nur eine Umkehrkurve zum einzigen Ausweg aus diesem Chrachen. Ein Leistungsabfall zum schlechtesten Zeitpunkt könnte zum Unfall beigetragen haben.
Google Map   Lac d'Eychelle  Street View 360° Aufnahme.
Grüsse Bert

  • sharkbay änderte den Titel in 07.12.2025 | Robin DR400-180R [ 180PS Lycoming ] - Aéroclub de l’Ariège Saint Girons | F-GGQQ | Absturz eines Sportflugzeugs in den Pyrenäen
  • 1 Monat später...
Geschrieben

Die BEA (franz. Untersuchungsbehörde) hat erstaunlich rasch einen ausführlichen Vorbericht veröffentlicht.

Da stehen mir die Haare zu Berg! Ich möchte mich hier nicht negativ äussern, sondern es geht mir so wie vermutlich vielen Andern beim Lesen von Unfallberichten, die in der einen oder anderen Form eine "direkten Stromschlag im Gehirn" versetzt, weil man  entweder

  • eigene intensive Erinnerungen an das gleiche Flugzeugmuster knüpft
  • unzählige Flüge in ähnlicher Topologie ausgeführt hat und ausführen wird
  • Gerne den Passagieren die eigene Freude, schöne Landschaft oder Begeisterung vermittelt...

 Nun zum Inhalt :

Die Maschine vom Typ 'Remo' dient nebst Schulung, Pax-flügen auch zum Schleppen. Sie hatte klassische Instrumentierung. Am Flugzeug wurde 1 Wo zuvor ohne Findings die 100h-Kontrolle durchgeführt.

Die PAXen auf der Sitzreihe 2 waren eine Woche vor dem Unglück in den Fliegerclub eingetreten, und hatten am Morgen des Unfallfluges beide die erste Flugstunde als Schüler absolviert. 

Auf Reihe 0 sass links ein Flugschüler*  des rechts sitzenden FI (25j.)
*eine Woche zuvor die Flugprüfung zum LAPL absolviert, ausgebildet vom rechts sitzenden FI.


Der Flug war als Passagierflug deklariert, alleiniger PIC war die vorne rechts sitzende Person, welche die Lizenzen und Berechtigungen PPL-A Land und Water, SEP, MEP, Night-VFR, IR-SE, IR-ME sowie seit 2 Jahren ein FI.  Er hatte auch die ATPL-Theorie und ein Medical Cl. 1 und 2. Weil er ein elektronisches FB führte, ist die Erfahrung aktuell nicht bekannt, aber die Totalstunden ca. 6Mt zuvor betrugen 732h.

 

Der PIC war Dozent/Ausbildner in der sehr renomierten Aviatik-Uni ENAC. Die PAX waren alle Studenten in der ENAC, eingeschrieben im Lehrgang GSEA, (in etwa Managment Operations + Safety in Luftfahrtbetrieben)

 

Die Meteo war: schwacher Wind am Startplatz, Sicht >10km, 13/9°, QNH 1019, keine Turbulenzen. Der Sonnenuntergang war 2 Minuten vor diesem Start.

 

Der Pilot startete auf dem Flugplatz LFCG (1100m RWY Hartbelag, 15/33) und folgte steigend dem Talverlauf. Die Radarspur zeigt einige Manöver nach etwa   Minuten:

c5objxg5.png

Radarspur, Ausschnitt aus Vorbericht BEA

ora8zfq9.png

Dieser Ausschnit (nicht im gl. Masstb) aus Skydemon (Ich habe HighTerrain eingefärbt, dunkelrot ist auf 5800 ft AMSL(und +), die anderen Farben sind jeweils innerhalb 500ft Höhenbänder darunter)

 

Die Radarspur wurde mittels synthetisch (Data-Fusion) erzeugt, die Stürzpunkte seien somit nicht alle gesichert.   [ Die Radarabdeckung ist in den Pyrenäen wie auch in den Alpen nicht vorhanden in den "Schatten" der Täler]. 

Punkt 2 zeichnet das Ende der Radarspur . Der Unfallzeitpunkt konnte durch ein Video aus einem der gefundenen Smartphones sowie aufgrund der Alarmauslösung eines der Smartphones mit einer Alert-App genau bestimmt werden.

8kig6uwf.png

 

Der Aufprall in diesem Gebiet fand um 2000m AMSL statt, zwischen dem letzten Radarpunkt und dem Wrack sind 2 Nm Luftlinie, vermutlich kaum mehr als 1.5 Minuten Flugzeit. 
Das Video aus dem wiederhergestellten Smartphone gibt Aufschlüsse:

  • Der Flug fand tief im Tal auf geringer Flughöhe statt
  • Es sind starke Variation in Fluggeschwindigkeit, Höhe sowie Fluglage erkennbar
  • Die Drehzahl schwankt zwischen 1500 und 2850 min-1

Ich habe mir Überlegt, was einen Vollblutpiloten dazu bringen könnte, diese 'Übungen'? in der "Dawntime" (schlechte Sicht) bei voll besetzter Maschine in den Bergen zu fliegen.

 

es gibt da genau im Bereich zwischen den Kurven und dem letzten Radarplot einen Gebirgsflugplatz, der direkt am Hang liegt wo der Radarkontakt verlohren gieng:
'La Plagne Burieux' ist offiziell ein UL-Landeplatz (ohne ICAO-Code). 
Hier die "VAC": LF0924 auf BasULM  08/25 200m grass, 5249ft.
Am letzten Radarpunkt hatte die Maschine 5650 AMSL. 

Wenn in diesem moment auch noch der Speed reduziert war, ist es danach nicht möglich, im direkten Steiglfug auf 2 Nm über die 2300m hohe Krete am Absturzort mit Sicherheitsmarge anzukommen. Zudem setzt erfahrungsgemäss in den Bergen bei Sonnenuntergang ein Talwind ein, der auch bei Windstille kurz und heftig sein kann. Im Winter ist der thermische Effekt natürlich geringer, aber man muss in diesen Situationen mit Talwind rechnen, und sicher nicht (mehr) Aufwind suchen. 

Platz hätte es genug overhead des Gebirgsflugplatzes, um ri Osten und dann im Absinkenden Tal die Höhe zu machen. 

 

Ein weiterer Faktor könnte sein, dass auf 2000m noch der Schein durch die untergehende Sonne in Flug- und Blickrichtung West die Topologieübersicht erschwerte. Wobei dies eher ein Problem für Beginner ist, und nicht für FI's mit Hombase in den Pyrenäen.

 

Es zeigt mir wieder einmal, dass aus Freude beim Gebirgslfug sehr schnell Tragik werden kann, und es bleibt einem die Gewissheit, dass die Safety - Margins nicht gekitzelt werden dürfen.

 

(Bemerkung: ich kenne die Ursachen nicht. Dieser Text entpsricht einem "laut gedachten" nachdenklichen  Versuch, das ganze Drama zu verstehen. Und auf gar keinen Fall zu urteilen.)

Cosy

 

 

 

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Geschrieben

Man fliegt nicht nach Sonnenuntergang nach Sicht in die Berge, warum haben die das gemacht?

Geschrieben
vor 20 Stunden schrieb FalconJockey:

Man fliegt nicht nach Sonnenuntergang nach Sicht in die Berge


Das würde ich jetzt nicht generell so sehen. 

Geschrieben
vor 5 Stunden schrieb Dominik L:

Das würde ich jetzt nicht generell so sehen.

Weil...? Welchen Grund gibt es, blind bei Nacht im Gelände herumzuturnen? Hast Du eine Nachtsichtbrille?

Geschrieben
vor 3 Stunden schrieb FalconJockey:

Weil...? Welchen Grund gibt es, blind bei Nacht im Gelände herumzuturnen? Hast Du eine Nachtsichtbrille?

Ich sehe nicht was falsch sein soll an NVFR in den Bergen. Dass dabei eine sinnvolle Flugtaktik gewählt werden sollte, ist eine andere Geschichte. Hat aber in meinen Augen nichts mit Tag oder Nacht zu tun.

Geschrieben

Der zentrale Satz des Berichts ist wohl dieser hier: „une alarme de décrochage est audible dès le début du dernier virage à droite, à forte inclinaison et faible vitesse, pendant 10 s“ (Stall-Warnung war während 10 Sekunden während der letzten Rechtskurve, bei grosser Bank und tiefer Geschwindigkeit hörbar.)

Geschrieben
vor 40 Minuten schrieb Dominik L:

Ich sehe nicht was falsch sein soll an NVFR in den Bergen. Dass dabei eine sinnvolle Flugtaktik gewählt werden sollte, ist eine andere Geschichte. Hat aber in meinen Augen nichts mit Tag oder Nacht zu tun.

Echt? Wäre mir persönlich viel zu riskant. Alleine schon NVFR mit SEP im Flachland ist schon ein deutlich höheres Risiko, weil man fast keine Notlandefelder mehr hat, wenn der Propeller stehen bleiben sollte. Und in diesem Fall ist ihnen die Performance ausgegangen und sie haben die Kiste überzogen.

Geschrieben

Dieser französische Ex-Militärpilot hat vor drei Wochen schon eine gute Analyse des Vorberichts publiziert:



Auf französisch in Original, aber man ja den Audiotrack ja inzwischen in eine Sprache seiner Wahl synchronisieren lassen.

Sein Hauptpunkt ist, dass der PIC sich in vielen Punkten keine Margen gelassen hat (W&B, Performance, Terrain), vor allem aber wohl unter Zeitdruck war, vor Eintreten der Nacht wieder am Platz zu sein.

Gesendet von meinem Pixel 7a mit Tapatalk

Geschrieben (bearbeitet)

Der Vorbericht hört sich nach einem selbstgemachten Problem an. Selbstüberschätzung ist mein erster Gedanke.

 

Eine versuchte Landung im Dunkeln auf einem 200 m langen Gebirgsplatz für ULs, LF0924, mit schwacher Neigung der Piste und einem Buckel bei 30 m nach Schwelle, welcher die effektive Pistenlänge auf 170 m reduziert, sowie Löcher durch Wildschweine, und Maulwurfshügel, im Winter mit einer vollbesetzten DR400, und fraglicher Schneebedeckung kann man wohl ausschliessen, oder nicht?

 

Zwei Sprüche hierzu:

 

"Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um."

 

"There are old pilots, and there are bold pilots, but there are no old, bold pilots.”

 

Übrigens war der Mond bis 20:00 Uhr unter dem Horizont. Bei einem Flug nach Sonnenuntergang über nicht selbst leuchtendem Gelände (wie z.B. Städte, Autobahnen usw.) keine sonderlich schlaue Idee, den Flug in Richtung Gebirge ohne ausreichende Höhe überhaupt durchzuführen. 

 

 

Bearbeitet von Dierk
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