Nolex Geschrieben vor 41 Minuten Geschrieben vor 41 Minuten (bearbeitet) SPHAIR Flugkurs Lommis Erfahrungsbericht Wie bereits bei meinem Erfahrungsbericht zum SPHAIR Screening möchte ich auch diesmal versuchen, den Druck für all jene etwas herauszunehmen, die sich Gedanken über die Vorbereitung, die Aufregung und den Ablauf des Kurses machen. Ich habe meinen Kurs in Lommis absolviert und muss sagen, dass es die bisher spannendste Zeit war, die ich erleben durfte. Am Anfang begrüsst man sich gegenseitig und lernt die anderen Kursteilnehmer kennen. Noch am selben Abend findet der Entry Test statt. Dazu möchte ich direkt anmerken, dass ihr wirklich alles mitnehmen solltet, was auf der Packliste steht (Velo mit Licht und Helm, Sonnenbrille, der Hut und Kleider). Ihr werdet es brauchen! Zurück zum Entry Test: Es geht hauptsächlich um die Checklisten und Procedures. Besonders wichtig ist das Procedure Sheet inklusive Wordings, also den Ansagen, die man während des Fluges zu den jeweiligen Zeitpunkten macht. Der Entry Test ist die erste richtige Bewertung und meiner Meinung nach gleichzeitig eine der einfachsten Hürden des gesamten Kurses, sofern man sich gut vorbereitet hat. Ich empfehle euch deshalb, das Procedure Sheet und insbesondere die Expanded Checklist bereits im Voraus sehr gründlich anzuschauen und möglichst auswendig zu lernen. In der ersten Woche absolviert man ungefähr die ersten fünf bis sechs Flüge, die hauptsächlich die Four Fundamentals behandeln. Sehr wichtig sind dabei LOOKOUT, APT und PAT. Übt deren Anwendung am besten schon im Vorhinein. Auch die Ansagen beim LOOKOUT in den Kurven, also «Left side clear» und «Right side clear», solltet ihr kennen. Wir haben beispielsweise den Circuit auf dem Flugplatz mit Kreide aufgezeichnet und sind die einzelnen Abläufe Schritt für Schritt durchgegangen. Dabei haben wir sämtliche Checklisten und Procedures geübt. Wenn ihr euch gut vorbereitet und die Checklisten sowie Procedures bereits beherrscht, habt ihr in der ersten Woche einen enormen Vorteil und könnt durchaus schon Above Standard erreichen. Meiner Meinung nach ist es in der ersten Woche deutlich einfacher, gute Bewertungen zu erzielen, wenn man sich im Vorfeld die nötige Arbeit gemacht hat. Die Abläufe muss man während des Kurses sowieso beherrschen, also lieber vorher schon damit anfangen. In der zweiten Woche wird es etwas anspruchsvoller. Man bekommt verschiedene Programme, die man selbstständig abfliegen muss. Dazu gehören unter anderem Steilkurven und Stalls, die ich persönlich als ziemlich entspannte und sogar lustige Flüge in Erinnerung habe. Ein weiteres Highlight war der Navigationsflug, bei dem ich auf dem Rückflug persönlich Above Standard erreichen konnte. Wenn man diesen gut plant und die richtigen Entscheidungen trifft, ist er absolut machbar und macht wirklich Spass. Dann kam der letzte Flug mit dem P&S FI. Nach diesen zwei Wochen hatte ich eigentlich ein super Gefühl, da ich das Programm bereits mehrfach am Boden durchgespielt hatte, sei es auf dem Stuhl oder in unserem mit Kreide eingezeichneten Circuit. Für den letzten Flug bereitete ich mein Kneeboard mit dem Flugplan vor und wir machten uns auf den Weg. Anfangs lief alles hervorragend. Als ich mich langsam der Arbeitsraumgrenze näherte, entschied ich mich, die im Programm vorgesehene 180 Grad Kurve bereits zu fliegen. Diese konnte man grundsätzlich zu einem beliebigen Zeitpunkt durchführen. Das Problem war allerdings, dass ich danach meinen geplanten Go Around for Cruise vergass und stattdessen direkt mit dem nächsten Punkt auf meinem Plan weitermachte, dem Sinkflug. Ich bemerkte meinen Fehler und wurde zunehmend unsicher. Sollte ich den Sinkflug abbrechen, obwohl ich ihn gerade erst eingeleitet hatte? Sollte ich einfach weitermachen, als wäre nichts passiert? Oder sollte ich den Fehler direkt ansprechen? Ich tat zunächst nichts und führte das Programm einfach weiter. Erst auf dem Rückflug sprach ich den Fehler an und fragte, ob ich den ausgelassenen Teil noch irgendwo nachholen könne. Natürlich war das nicht mehr möglich. Ich wollte diesen Flug unbedingt perfekt absolvieren und hatte mir bereits ausgemalt, wie alles exakt nach Plan ablaufen würde. Genau diese Erwartungshaltung wurde mir in diesem Moment zum Verhängnis. Der Approach Circuit und der anschliessende Landeanflug verliefen wiederum ziemlich sauber, trotzdem hatte ich bereits das Gefühl, dass dieser Flug nicht so gelaufen war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Am letzten Tag sassen wir mit allen drei Flight Instructors in einem Raum, um den Flugkurs zu besprechen. Der P&S FI gab mir die Hand und versprach sich leicht: "Ich gratuliere Ihnen, wir empfehlen Ihnen eine Mil..." In diesem Moment leuchteten meine Augen bereits auf. "... excuse ich meinte eine Berufspilotenempfehlung." Mein Grinsen war schlagartig verschwunden. Ich setzte mich hin und wir besprachen die Ergebnisse. Persönlich fehlte es mir vor allem an Steuerführung und Stressresistenz, gerade weil ich beim letzten Flug so unsicher geworden war. Nichtsdestotrotz erklärten mir die beiden weiteren Flight Instructors, dass ich während des Flugkurses grundsätzlich gut performt hatte und insbesondere bei planbaren Ereignissen sehr gute Leistungen zeigte. Rückblickend sehe ich das Hauptproblem tatsächlich bei meinem letzten Flug. Es war mit Abstand mein schlechtester Flug bisher und gleichzeitig ist der letzte Flug einer der wichtigsten für die abschliessende Beurteilung. Natürlich war ich erstmal sehr enttäuscht. Trotzdem heisst es jetzt nach vorne schauen und weitermachen. Meine Leidenschaft gilt nach wie vor der Aviatik, weshalb ich meinen Weg in der Zivilaviatik weiterverfolgen werde. Ich empfehle jedem, der den Kurs noch vor sich hat, bereits vor Kursbeginn Gas zu geben. Macht euch mit dem Flugzeug vertraut, lernt die Expanded Checklist gründlich im voraus und beherrscht das Procedure Sheet inklusive Wordings. Übt LOOKOUT, APT und PAT und spielt den Circuit bereits am Boden durch. Wenn ihr diese Dinge schon könnt, habt ihr in der ersten Woche einen riesen Vorteil und könnt euch viel stärker auf das eigentliche Fliegen konzentrieren. Die erste Woche besteht meiner Meinung nach zu einem grossen Teil aus Vorbereitung und deren praktischer Anwendung. Die zweite Woche verlangt dann zunehmend fliegerisches Können und die Fähigkeit, das Gelernte selbstständig umzusetzen (auch Funken, voralem im Circuit). Mein wichtigster persönlicher Tipp: Versucht nicht, jeden Flug perfekt zu machen. Fehler können passieren. Entscheidend ist, wie ihr damit umgeht und ob auch unter Druck die Qualität der Leistung besteht. Ich wünsche jedem, der den Kurs absolviert, viel Erfolg und hoffe, dass ihr die gewünschte Empfehlung erhaltet. Für spezifische Fragen dürft ihr mir gerne wieder auf Instagram schreiben (Ich bin nicht sehr aktiv auf diesem Forum): nolex_zh Danke fürs Lesen und ich hoffe, mein Erfahrungsbericht konnte euch bei eurer Vorbereitung helfen Liebi Grüess Noel Bischoff Bearbeitet vor 39 Minuten von Nolex Zitieren
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