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"Drittelsregel" für Wind Correction Angle


touchdown

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Und wieder einmal stand ich wie der Esel am Berg.

 

In unserer Theorielektion von Heute wurde eine Art Faustregel behandelt, mit der sich der Windkorrekturkurs Pi * Handgelenk ausrechnen lässt, ohne irgendwelche Winddreiecke zeichnen zu müssen.

 

Leider hab' ich überhaupt nichts geschnallt (es ist irgend etwas mit 1/3, 2/3, 3/3.... logo, sonst würd's ja nicht Drittelsregel heissen....).

 

Wer kennt sich da aus?

 

Gruss

Philippe

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Hallo Philippe

 

Mit dieser Fausrechnung kann man einfach die Seiten- und Rücken- bzw. Frontwindkomponente ausrechnen. Nehmen wir an, ein FLugzeug fliegst auf 360° und der Wind weht mit 20kt.

 

Windrichtung liegt zwischen 330° - 359°

Frontwind = 3/3 * 20kt = ca. 20kt

Seitenwind von westen = 1/3 * 20kt = ca. 7kt

 

Windrichtung liegt bei 360°

Frontwind = 3/3 * 20kt = ca. 20kt

Seitenwind= 0kt

 

Windrichtung liegt zwischen 001° - 030°

Frontwind = 3/3 * 20kt = 20kt

Seitenwind von Osten = 1/3 * 20kt = ca. 7kt

 

Windrichtung liegt zwischen 030° - 060°

Frontwind = 2/3 * 20kt = ca. 14kt

Seitenwind von Osten = 2/3 * 20kt = ca. 14kt

 

Windrichtung liegt zwischen 060° - 059°

Frontwind = 1/3 * 20kt = ca. 7kt

Seitenwind von Osten = 3/3 * 20kt = ca. 20kt

 

Windrichtung liegt bei 090°

Frontwind = 1/3 * 20kt = ca. 7kt

Seitenwind von Osten = 3/3 * 20kt = ca. 20kt

 

Windrichtung liegt bei 091° - 120°

Rückenwind = 1/3 * 20kt = ca. 7kt

Seitenwind von Osten = 3/3 * 20kt = ca. 20kt

 

Windrichtung liegt bei 120° - 150°

Rückenwind = 2/3 * 20kt = ca. 14kt

Seitenwind von Osten = 2/3 * 20kt = ca. 14kt

 

usw...

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@Raffael

 

Sehr schön hergeleitetes Beispiel. Das Entscheidende fehlt aber: die Windkomponente interessiert nur indirekt. Was im Cockpit (wo's bekanntlich meist schneller geht als in der Theorie) schlussendlich interessiert ist der daraus resultierende WCA (Wind correction angle) damit man mit dem berechneten Seitenwindanteil auf dem gewünschten Kurs bleibt.

 

Ich hab's so gelernt und damit beste Erfahrungen gemacht:

 

Wind weht 0...30° Offset zur Flugrichtung (im ersten Drittel):

WCA = 1/3 der Hälfte der gesamten Windstärke

 

Wind weht 30...60° Offset zur Flugrichtung (im zweiten Drittel):

WCA = 2/3 der Hälfte der gesamten Windstärke

 

Wind weht 60...90° Offset zur Flugrichtung (im dritten Drittel):

WCA = 3/3 der Hälfte der gesamten Windstärke

 

Die Richtung der Headingkorrektur ergibt sich natürlich aus der Windrichtung und dem gewünschten Track. Mit dieser Regel fahre ich wie bereits erwähnt ausgezeichnet; die Wirkung kann man sehr gut mit dem GPS überprüfen (Vergleicj brg mit trk)

 

Gruss

 

Markus

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Hey Wisi,

 

eine Frage: Du nimmst die Groundspeed? Sollte man nicht lieber die TAS nehmen? So habe ich es immer gelernt und es macht ja auch Sinn: Die True Airspeed ist (vereinfacht!) der "Vektor" mit dem wir uns vorwärtsbewegen. Die Groundspeed ist (vereinfacht!) der resultierende "Vektor" aus TAS und Windgeschwindigkeit.

 

Ich muss die TAS nehmen, durch 60 dividieren und dann die Seitenwindkomponente durch dieses Ergenis dividieren. Das Ergebnis ist der Winkel, den ich in den Wind eindrehen muss, um den "Windvektor" auzuheben, also den gewünschten Kurs beizubehalten.

 

Es ist nämlich so, dass der Wert aus TAS / 60 die Anzahl Knoten an Wind ergibt, die ich mit einem Grad aufkreuzen ausgleichen/eliminieren kann. Ergo muss ich die Gesamtwindkomponente durch den zuerst bestimmten Wert dividieren. Um die Gesamtwindkomponente zu bestimmen musst Du die von Dir erfragte Drittel-Regel anwenden.

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Wisi

 

Stimmt natürlich schon das mit dem Speed. Ich habe offenbar stillschweigend angenommen dass Raffael beim Flugmaterial nicht von einem Gulfstream ausging ;)

 

Für dasjenige welche wir Normalsterbliche benutzen dürfen stimmt die Regel in sehr guter Näherung; ungeachtet der GS. Der auf diese Weise berechnete WCA dient sowieso nur der Korrektur des Headings nach dem erstmaligen Eindrehen auf den neuen Kurs. Danach muss entweder von Hand oder durch die NAV-Modi des Autoplioten nachkorrigiert werden (ein berechneter WCA ist immer theoretisch, selbst wenn er mittels Winddreieck ermittelt wurde).

 

Markus

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  • 2 Wochen später...

Hallo Andreas,

 

Du schreibst "Die Groundspeed ist (vereinfacht!) der resultierende "Vektor" aus TAS und Windgeschwindigkeit."

 

Wieso vereinfacht?

 

Wenn ich die TAS und den Wind (beides sind gerichtete Größen = Vektoren) vektoriell addiere, bekomme ich doch die Groundspeed (auch als Vektor) genau,

und nicht als Näherung, denke ich.

 

Sollte ich einmal wieder etwas übersehen haben?

 

Gruß!

 

Hans

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Hallo.

 

Ich habe eine Frage.

 

kann mir bitte jemand ein Beispiel geben wie ich einen Anflug mit allen Berechnungen mache?

 

Wie errechne ich meine Eigengeschwindigkeit

 

Das bedeutet wie errechne ich den Seitenwind den WCA den DA etc.

 

Danke

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Hallo Markus,

 

ich mache einfach mal ein Beispiel, die Formeln siehst Du ja weiter oben z.B. in meinen Postings.

 

Du fliegst die Piste 05 an. Deine Anfluggeschwindigkeit betraegt 90 KIAS und da wir fast in Meereshoehe fliegen vereinfachen wir die Geschwindigkeit und sagen TAS = IAS, die ein oder zwei Knoten Unterschied sind wirklich nicht erheblich. Vom Tower weisst Du, dass der Wind aus 100 Grad mit 12 kts weht.

 

1) Wie gross ist der "Ausgleich" meiner TAS gegen den Wind? TAS : 60 = Anzahl kts Seitenwind, die durch ein Grad Aufkreuzen ausgeglichen werden.

 

90 : 60 = 1,5

 

2) Wie stark ist die Seiteinwindkomponente? Drittelregel anwenden:

 

Wind aus 050 - 080 Grad ==> 1/3 der Wingeschwindigkeit

Wind aus 081 - 110 Grad ==> 2/3 der Wingeschwindigkeit

Wind aus 111 - 140 Grad ==> 3/3 der Wingeschwindigkeit

 

Wind kommt im Beispiel aus 100 Grad mit 12 kts. 2/3 von 12 kts = 8 kts Seitenwindkomponente.

 

3) 8 kts : 1,5 = ca. 5 Grad gegen den Wind aufkreuzen und Dein Problem ist gegessen.

 

Alles unklar? Wer nun denkt, dass das total kompliziert und im Cockpit nicht praktikabel sei, dem sei gesagt: Regelmaessiges ueben wuergt Wunder! Es ist wirklich einfachste Mathematik und ziemlich praezise, ich benutze es bei der Instrumentenfliegerei taeglich.

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Wunderbar Danke.

 

Nur noch eine Frage habe ich noch.

 

Der Kartenkurs ist ja immer true north. (track)

 

Nun muss ich das ganz in geographische Nord und dann die Deviation noch in Betracht ziehen um meinen Kompasskurs zu ermitteln. Wenn ich das ganze errechnet habe und dann muss ich noch den WCA und DA ermitteln.

 

Stimmt das so ungefähr?

 

Wie funktioniert denn eigentlich die Drittregel?

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Nein was ich wissen wollte ist, wo kommen die Gradzahlen her?

 

Muss man sich das so vorstellen, dass die Seiten eines Flugzeuges in drei drittel unterteilt wird, wo der Wind angreifen kann?

 

Also vorne, mitte und von hinten im Prinzip!

 

Sorry Wisi für meine vorher falsche geposte Frage.

 

Lese immer was ich geantwortet bekomme :).

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Danke auch Dir fuer die Ausfuehrungen, Wisi!

 

Der wichtigste Satz war der letzte: Das ganze ist eine Faustformel. Nicht 100% genau, aber für den täglichen Einsatz reicht das allemal.

 

Genau das gilt fuer fast alles in der Fliegerei, es ist keine Wissenschaft der absoluten Genauigkeit.

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