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Birdstrike


Flo

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Hallo zusammen

 

Letzte Woche hat ja bekanntlich eine Swiss-MD11 beim Takeoff Vogelschlag erlitten und Wilko somit mehr Arbeit beschert. Frage: Was brauchts eigentlich, dass ein Triebwerk überhaupt hopsgeht wegen einem oder mehreren Federviechern? Genügt da eine Amsel oder was auch immer am richtigen (bzw. eben falschen) Ort, oder muss da schon ein rechter Schwarm eingesaugt werden, damit was passiert?

 

Und @Wilko: Wo im Triebwerk verteilt sich das Zeugs denn überall?

 

Gruss

 

Flo

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Hallo Flo

 

Kann Dir dazu kurz was schreiben...

 

Bei besagtem Engine war vermutlich ein Vogel in der Grösse eines Fischreihers ins Engine geraten. Das rüttelt schon ganz schön. Eine Amsel macht eigentlich einem Triebwerk in der Grösse eines PW4000 nichts aus.

 

Die Gefahr besteht natürlich dass ein Vogel in den sogenanten Booster eines Triebwerkes gerät. Dann haben wir ein echtes Probelem, dann gehts ans eingemachte und an die Innereien. Wenn Du Gelegenheit hast ein solches Engine anzuschauen, siehst du hinter dem Inlet Cone (Spitziges Ding mit einer Spirale drauf)ein etwa 3 bis 4 cm briter Einlass, der sich rund um den IC herumzieht. Dort wird die Luft für den Booster angesaugt. Die Luft schiesst anschliessend durch die Kompressoren, in die Brennkammern und durch die Turbine wieder heraus und treibt das grosse Windrad vorne an. Der Luftstrom der aussen durch geht passiert das Core Engine eigentlich ohne zusätzliche Eingriffe. Der Vogel richtet hier keinen grossen Schaden an, sofern der Vogel nicht zu gross ist.

 

Ich hoffe das reicht erst mal als kleine Erläuterung...

 

Tommy

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Wilko Wiedemann

Hallo zusammen

 

Der Vogel letzte Woche war ein Fischreiher oder sowas ähnliches. Liess sich nicht mehr so genau feststellen. wink.gif

Bei jenem Triebwerk, ein PW4462 wurde der komplette Fan, Teile der Reverser und des Lufteinlaufs beschädigt.

Bei kleineren Vogeln treten solche Schäden in der Regel nicht auf. Aber bei grossen, schweren Vögeln kann es vorkommen, dass durch die Wucht Teile der Fanschaufeln brechen können, welche dann Folgeschäden verursachen.

Normalerweise wird nur der Fan getroffen und die Reste des Vogels fliegen durch den Nebenstromkanal wieder aus dem Triebwerk. Selten gerät etwas ins Kerntriebwerk. Dort könnten dann auch Schäden entstehen, vorallem, wenn eine Schaufel brechen sollte.

Einen solchen Vogelschlag würde dann auch in der Kabine festgestellt. Einfach mal tief durchatmen wink.gif

Das besagte Triebwerk wurde ausgetauscht.

Ausser ein paar Federn haben wir keine Ueberreste mehr gefunden.

 

MfG

 

Wilko

 

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Hallo Flo

 

Ich denke es kommt bei einem Birdstrike nicht einmal so sehr auf die Grösse eines Vogels an. Bei einigen hundert km/h wird auch eine Amsel zum Geschoss. Und dann sind ja diese lieben Viecher oft noch în Schwärmen unterwegs.

 

Die Aufprallgewicht eines z.B. 1 Kg schweren Vogels düfte bei 300 km/h ein Vielfaches betragen.

 

Die grosse Gefahr ist dann, dass eine oder mehrere Kompressorschaufeln beschädigt werden, wonach sich der Fan nicht mehr ausgewogen dreht und auch das Luftdurchsatzverhältnis nicht mehr stimmt.

 

Abgebrochene Kompressorschaufeln, oder Teile davon, können zu schlimmen Geschossen werden und sogar die Aussenhaut eines Flugzeuges durchschlagen.

 

Es ist also in jedem Fall besser ein solches Triebwerk sofort abzustellen und den Flug abzubrechen, denn je länger ein so beschädigtes Triebwerk noch läuft, desto grösser kann der Schaden am Triebwerk, und damit die Gefährdung des Flugzeuges werden.

 

Grüsse

Peter

 

 

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see ya' at AerPix.Net

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Hallo zusammen

 

Ein Vogelschlag im Triebwerk dürfte in jedem Fall ein Grund sein, den Flug abzubrechen, auch wenn momentan keine beeinträchtigungen festzustellen sind. Aber wie Peter schon sagt, besteht ja durchaus die Möglichkeit, das das Triebwerk erst später so richtig beschädigt wird...

 

In einem Video über die B777 wurde gezeigt, wie auf dem Prüfstand beim G-90 Triebwerk zu Testzwecken halbgefrorene (!) Poulets mit einer Abschussvorichtung mit etwa 300km/h ins laufende Triebwerk geschossen wurden.

Mit eine Highspeedkamera wurde das ganze in superslowmotion gezeigt. Die Poulets wurden schon durch die ersten Fanschaufeln in ihre Bestandteile zerlegt. Die Triebwerke haben nicht mal "gefurzt"...biggrin.gif. Eigentlich erstaunlich....!?

 

Gruss

Mike

 

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Moderator Screenshots/Flugerlebnisse

da, wo Ihr Eure schönsten Shots und virtuellen Berichte postet....

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Hallo Flo,

habe mir das Triebwerk letzte Woche angeschaut, so wie es aus sah hat der Vogel nur den äuseren Teil der Fan-Blades erwischt,

somit könnte das Basistriebwerk heilgeblieben sein. Habe allerdings gehört das dass ganze Triebwerk hinüber ist (eben nur gehört).

Wilko weiss sicher mehr darüber.

Gruss Roger

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Hallo!

Ein Birdstrike, besser FOD erzeugt nicht zwangsläufig einen Schaden! In 2/3 der Fälle muß der Techniker mit einem Eimer Wasser bewaffnet nur putzen!

Leute das Stinkt ohne Ende. Mir wird beim Gedanken schon übel.

Hatte aber auch mal einen besonderen Fall!

Der Fan war komplett zerlegt und wir fanden ein Kanienchenfell im Triebwerk!

Da auch Federn eines Bussard dabei waren erklärten wir uns das so:

Der Vogel muss gerade seine Beute gemacht haben, bevor er ins TW kahm.

Ein Kanienchen wird nicht angesaugt, was an der Seite im Gras sitzt!

 

Gruß Ronald!

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hallo zusammen,

 

ich darf noch etwas für die große Zahl der weniger bewanderten Leser betragen.

 

Zunächst muß Einem klar sein, dass von der gigantischen Luftmenge, die "vorne" am Triebwerk eintritt, ca. 70% (!!) zunächst als beschleunigter Kaltluftstrom gleich wieder "hinter" dem FAN heraustreten (und für den Großteil des Vortriebs sorgen)

 

Nur etwa 30% der Luftstroms gelangt in die Turbine.

 

Wenn also ein ein Gegenstand vorn am FAN angesaugt wird, dass ist vorab die Chance gering, dass dieser auch mit zerstörerischer Wirkung in den Innenbereich des Turbine gelangt. Sozusagen 30:70.

 

Der extrem hochdrehenden "Ventilator", also der FAN, am Eingangsbereich der Turbine ist somit sinngemäß nichts anderes, als ein besonders geformter "Propeller" in einer röhrenförmigen Umkleidung.

 

Diese vereinfachten Basisinfos muß man wissen, um Schadensereignisse zu verstehen.

 

Tritt nun ein FOD ein, so passiert in der Regel nix. Der FAN, bestehend aus extremst hochfesten Legierungen, zerschmettert das Objekt i.d.R. sofort, der "Müll" tritt unmittelbar mit dem Kaltluftstrom wieder aus.

 

Gelangen dagegen Fragmente des Objektes ins Triebwerkinnere, so zerlegen auch hier die Verdichterschaufeln dieses in Kleinsteile.

 

Daraus erkennt man rasch, das die "Schaufeln", egal ob als FAN aaussenliegend oder als Verdichter innenliegend, auch die am meisten gefährdeten Teil durch FOD sind.

 

Im größten Teil der tatsächlichen Schäden entstehen dann Verformungen, welche i.d.R. zur Unwucht der hochtourig drehenden Elemente führen. Jede Unwucht führt mit zunehmender Größe zu Schäden der Hauptwellen.

 

Deshalb haben wir auf EICAM auch eine Anzeigevorrichtung, die mittels Schwingungs-Sensoren Unwuchten meldet. Überschreiten dessen Werte eine Toleranzschwelle, so muß das Triebwerk in der Leistung (=Drehzahl) zurückgenommen oder sogar abgeschaltet werden. Da man als Pilot einen FOD meistens nur durch Auffälligkeiten der Anzeigen feststellt, bleibt die fortlaufende (!)Überwachung der Triebwerkszustände ein wichtiges Element.

 

Denn, die Antriebseinheiten der LFZ sind, incl. deren sekundären Systeme extremst teuer. Als Faustregel gilt: alleine 30% des Flugzeugneupreises entfallen auf den Antrieb. Insofern beten die Airlines darum, dass die Piloten Auffälligkeiten um Gotteswillen rasch genug erkennen und nach Weisung handeln, um mögliche Totalschäden zu verhindern.

 

Gruß PG

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Hallo Marc!

Ich selber habe keinen erlebt. Habe aber einen Kollegen befragt der Triebwerker bei IF war.

Wie bei westlichen TW auch passierte in der Regel nix. Verformungen der Schaufeln der ersten Stufe waren ab und an dabei. Waren diese im Limit blieb das TW drin.

Es gab aber auch extrem Schäden, die ein Wechsel erforderten.

Bei Rusischen TW(TU134,IL62) handelt es sich um ZTL TW(Zweistrom Turbinen Luftstrahl Triebwerke). Im Westen heißen diese Ducted Fan TW(B727,B737-100/200)

Was die TU 154 angeht, da habe ich keinen schimmer und kenne niemanden, der das Wissen könnte. Die IF flog diesen Typ nicht. Es gab nur drei Regierungsflieger in IF Bemahlung, mit den hatten wir nix zu tun.

 

Gruß Ronald!

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Aha erst "fip", dann "vib", wenn Ihr wisst, was ich meine biggrin.gif

Wäre doch ein nettes Addon für Tüftler. Erst ein kleiner Schlag, dann zunehmendes Gerattere, natürlich nachfolgend eine endlich mal ihres Amtes waltende "VIB"- Anzeige. Schon mal näher beobachtet?

 

Gruss Walti

 

Kommen aus dem Triebwerk Federgase,

drückt's den Piloten in der Blase.

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Und ich kann es kaum glauben, diesen Vorfall doch tatsächlich live am Funk mit gehört zu haben, das ganze auf Zurich Tower on 118.1 Einfach verrückt. confused.gif Der eine Pilot meldete das er ein Triebwerk herunterfahren lasse und dann via ZUE nach Saffa fliegen wolle. Und ich kann es immer noch nicht glaube das ich das gehört habe.

confused.gif Roli confused.gif

 

Sachen gibts...

 

[Dieser Beitrag wurde von Roli am 28. August 2002 editiert.]

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Wilko Wiedemann

Hallo zusammen

 

Kurz vor Mitternacht ist eine A330 mit einem Birdstrike zurückgekehrt und ohne Gefahr gelandet. Der Pilot meldete ungewöhnliche Vibrationen in einem der Triebwerke. Genaueres ist noch nicht bekannt.

Mal sehen, was der BLICK schreibt. Wird wohl ein erneuter Schundbericht über die Pannenserie bei der SWISS geben.

 

MfG

 

Wilko

 

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Hallo Wilko

 

Im Radio haben sie gesagt, dass sich der Vogelschlag kurz vor erreichen der Reiseflughöhe ereignet habe. Was für Vögel fliegen den so hach? wink.gif

 

Gruss

Tom

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Wilko Wiedemann

Hallo

 

Tja, es muss wieder mal ein grosser Vogel gewesen sein. Wir mussten wiedermal Fanschaufeln ersetzten und weitere Schäden reparieren.

 

MfG

 

Wilko

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<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von Wilko Wiedemann:

Der Pilot meldete ungewöhnliche Vibrationen in einem der Triebwerke. Wilko

 

Also, wenn um diese Zeit kein Grosshelikopter

in Zürich gestartet ist (Piste 34,) dann war

es diese 330, wegen der ich mal die Dachluke

aufmachte, um zu sehen, was das komische

Geräusch sei. Da ich aber nichts wusste von

Vogelschlag, dachte ich, die spinnen wohl,

um diese Zeit Grosshelikopter starten zu lassen. Das wäre aber nicht vor dem Erreichen

der Reiseflughöhe gewesen, sondern kurz vor

dem Right Turn in Richtung ZUE.

Peter

 

 

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Moin,

 

Vogelschläge kommen im Berufsalltag der Fliegerei immer wieder vor. So musste erst kürzlich ein A300 einer großen Deutschen Gesellschaft einen High Energy RTO machen (150kts!!!!), nachdem sich ein Triebwerk aufgrund einer Begegnung mit einem (!!!)Vogel verabschiedet hatte. Mehrere Fanblades wurden beschädigt/fehlten.

 

Wer von euch die Möglichkeit hat in Frankfurt in der nächsten Zeit im Cockpit mitzufliegen, sollte sich auf alle Fälle mal die Reifenspuren auf der RWY18 anschauen...sieht ziemlich krass aus.

 

TLF

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  • 2 Jahre später...
Manfred Schmieder

Vogelschläge kommen im Berufsalltag der Fliegerei immer wieder vor. So musste erst kürzlich ein A300 einer großen Deutschen Gesellschaft einen High Energy RTO machen (150kts!!!!)

TLF

 

Hallo,

 

Ist zwar schon eine ganze Weile her, dieser Beitrag, aber es interessiert mich, was genau ein "High Energy RTO" ist. Google konnte mir nicht wirklich weiterhelfen.

 

Danke schonmal für Antworten.

 

Grüße

Manfred

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Hallo.

 

Ein High Energy RTO ist ein Startabbruch der über 80kn erfolgt.

Also müssen die Piloten mächtig in die Eisen steigen...

 

gruss Constantin

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Hallo Wilko,

wenn ihr noch Federreste habt, dann kann man auch feststellen, was das für ein Vogel war.

In Deutschland schreibt man in der Regel einen Vogelschlagreport (findet man in der AIP) - und da kann man dann die Reste mit einschicken.

Von meinem letzten Vogel war das nur eine Flaumfeder und etwas Blut - mit einem Tesastreifen abgenommen und auf ein weißes Blatt geklebt.

Ca. vier Wochen später bekam ich Post, dass es sich um eine Heckenbraunelle gehandelt hatte.

Davor wars ein Mauersegler - aber das weiß ich auch nur, weil ich "Reste" mitschicken konnte.

 

Gruß Udo

"Flying Bull"

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