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Danilo

Red Rocks, Airparks und Saguaros – Drei Wochen unterwegs im US-Südwesten (188/70 MB)

Empfohlene Beiträge

Danilo

Lieber FF-User

 

Nach einem amerikafreien 2009 war es für mich vergangenen Herbst wieder soweit: Während drei Wochen konnte ich einmal mehr den aussergewöhnlichen Naturschönheiten des US-Südwestens nachspüren und mich beim Spezialthema «Aviatik» der spannenden Motivjagd auf Flughäfen und Airparks hingeben.

 

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Zu deiner Information: Diese Reisereportage mit den vielen Fotos und dem ausführlichen Bericht eignet sich wohl weniger für das schnelle Durchblättern, sondern ist eher für den mit Musse ausgestatteten Leser gedacht, der sich en detail für die Erlebnisse eines Southwest-Verrückten interessiert. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt dir einen Überblick:

 

01 Hinflug und Reisebeginn

02 Im Mekka des Glückspiels

03 Hinauf zum Colorado Plateau

04 Cottonwood Canyon und Kodachrome Basin State Park

05 Coyote Buttes South und White Pocket

06 Durch das Grand Staircase Escalante National Monument

07 Über Burr Trail und Lake Powell nach Mexican Hat

08 Via Coal Mine Canyon zur Künstlerstadt Sedona

09 Wettermix in PHX

10 Boyce Thompson Arboretum und Apache Trail

11 Tucson: Pima Air & Space Museum und AMARG-Tour

12 Saguaro NP West und ein unerwarteter Flug

13 Auf nach San Diego!

14 Spotten in LAX

15 Sunset beim Griffith Park

16 Es geht nach Hause

 

Wie es wohl viele wiederkehrende Besucher eines Landes erleben, wird der interessierte Blick des Reisenden bei jedem neuen Aufenthalt schärfer, die Wahl des Reiseweges fällt immer weniger auf die touristischen Trampelpfade. Das sorgfältige Planen von Route und Zeiten, das Aufspüren und Beherzigen von Reisetipps der jeweiligen Spezialisten sowie eine gewisse Flexibilität vor Ort sind für solche Reisen unumgänglich.

 

So war es bei dieser Reise mein Ziel, neben einem weiteren Besuch des Colorado Plateaus mehrere der langen und oft als gefährlich beurteilten Dirt Roads im Grand Staircase Escalante National Monument zu befahren. Mich interessierten zudem die speziellen Airparks im Süden Arizonas, aber auch das mir bisher unbekannte, am Pazifik gelegene San Diego. Aber schön der Reihe nach:

 

01 Hinflug und Reisebeginn

 

Wie auf allen bisherigen Reisen in den amerikanischen Südwesten wähle ich für den Reisetag den Direktflug LX40, ZRH-LAX, mit Start um 13.10 Uhr. Der Tag wird auch so noch lang genug werden, also berappe ich die anfallenden Mehrkosten für das Nonstop-Fliegen ohne mir weitere graue Haare wachsen zu lassen. Es ist wirklich sehr angenehm, das sonnige Kalifornien am späten Nachmittag zu erreichen.

 

Die spezielle Stimmung unter den Paxen am Gate kurz vor dem Boarden kennt wohl jeder hier.

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Eine halbe Stunde hinter dem Plan erfolgt der Take Off von HB-JMA bei strömendem Regen. Mein Dank geht an Oli (N251AY), der sich für dieses Bild auf den Weg nach ZRH gemacht und sich dort unter die Dusche gestellt hat. Mir aber fällt der Abschied von der Schweiz bei diesem Wetter um einiges leichter.

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Mit dem Erreichen der Kanalküste lösen sich die dichten Wolken auf, der Blick nach unten wird frei. Bye, bye, Kontinental-Europa!

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Wir befinden uns bereits über dem San Bernardino National Forest kurz vor L.A. Hier durchquert die Interstate 15 von San Diego nach Kanada das Gebirge. In wenigen Minuten werden die Räder unseres A340 kalifornischen Boden berühren.

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Eine scheinbar endlose Häuserwüste namens L.A. breitet sich unter uns aus. Mittlerweile zählt der urbane Moloch bereits über 17 Mio. Einwohner. Obwohl ich die Stadt seit Jahren kreuz und quer befahre, fühle ich mich hier aber trotzdem nie eingeengt. Die gesamte Wohnfläche ist wohl zu riesig dafür.

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Ankunft in LAX nach einer Flugzeit von elfeinhalb Stunden. 45 Minuten nach der Ankunft stehe ich zufrieden ausserhalb des Terminals in LAX. Zufrieden auch darum, weil ich insgeheim befürchtet hatte, wegen zu schnellen Fahrens auf der Interstate 40 vor zwei Jahren bei der heutigen Einreise «an die Kasse zu kommen». Aber nichts dergleichen, uff!

 

Die Reise soll mit einem Mietwagen von der Pazifikküste über Las Vegas hinauf zu den reizvollen Ecken des Colorado Plateaus, anschliessend hinunter bis fast an die mexikanische Grenze und dann zurück an den Stillen Ozean führen. Die Hotels wurden von der Schweiz aus vorgebucht, so dass ich jeden Tag weiss, wo ich abends meinen Kopf hinlegen kann.

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Wagen übernehmen – ein Ford Edge mit Oregon-Schildern bei Avis, natürlich mit HC (High Clearance) für die Dirt Roads – mitgebrachtes Navi installieren, und ab ins Hotel! Das Hacienda Airport liegt günstig, am North Sepulveda Blvd., rund einen Kilometer südlich des Flughafens, in El Segundo. Zum Spotterpunkt auf dem Imperial Hill kann ich von hier aus auch zu Fuss gehen.

 

Nach ein paar Stunden Schlaf stelle ich mich morgens frohgemut unter die Dusche. Beim Abstellen des Wassers aber gibt es ein Problem: Der Heisswasserhahn lässt sich auf keine Weise mehr zurückdrehen! Alles Bemühen ist vergebens! Das siedend heisse Wasser fliesst und fliesst! Auch der herbeigerufene Hausmeister wird der Situation nicht Herr und muss einen externen Fachmann rufen – keine einfache Sache an einem Sonntagmorgen! Ich entfliehe der Situation Richtung Frühstücksraum. Beim Zurückkommen stelle ich dann mit Befriedigung fest, dass der Fall gelöst werden konnte.

 

Vor mir liegen angenehme 450 km Fahrt nach Las Vegas. Ab Victorville ist viel los auf der I-15, vor allem in der Gegenrichtung. Bei zwei kurzen Halten spüre ich die grosse Hitze ausserhalb des klimatisierten Wagens und flüchte mich jeweils rasch wieder ins Auto.

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02 Im Mekka des Glückspiels

 

Viele Meilen vor der Stadtgrenze sind die Wahrzeichen der Spielerstadt bereits gut zu erkennen: Mandalay Bay, Luxor und natürlich der hohe Stratosphere Tower weiter hinten! Bald fahre ich an den gigantischen Hotelcasinos direkt vorbei.

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Meine Bleibe für zwei Nächte ist das Imperial Palace, etwa in der Mitte des Strips gelegen. Gut für Erkundigungen zu Fuss. Von den zwei angebotenen Zimmern, eines gegen die Flaniermeile hin und eines mit Blick gegen Osten wähle ich aus Immissionsgründen das zweite. Nachts absolute Ruhe, und das in unmittelbarer Nähe des Las Vegas Boulevard, nicht schlecht!

 

Am Abend will ich mir mal die Piratenschlacht «The Sirens of TI» vor dem Treasure Island ansehen. Bisher habe ich andere Attraktionen diesem Spektakel vorgezogen. Das Ganze zeigt sich in der Folge als sehr amerikanisch, als recht unwirkliches Seegefecht zwischen tollkühnen Piraten und verführerischen Sirenen. Unterhaltsam ist die Show aber allemal!

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Der nächtliche Blick über den nie ruhenden «Strip» fasziniert immer wieder.

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Ein neuer Tag erhebt sich über der Gamblingmetropole. Keine Zeit, lang unter der Decke zu liegen!

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Mein erster Besuch heute gilt dem Wahrzeichen des Hotelcasinos Paris Las Vegas, einem nachgebauten Eiffelturm im Massstab 1:2. Anders als beim Stratosphere Tower, der zwar noch etwas höher in die Luft ragt, bin ich hier mitten im «Kuchen». Der Komplex liegt direkt am «Strip» und wurde 1999 erbaut.

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Dem Paris Las Vegas gegenüber prunkt das mondäne Bellagio...

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... mit dem weltbekannten «Comersee», dessen Wasserspiele täglich die Besucher entzücken.

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Südlich vom Eiffel Tower reihen sich «Planet Hollywood», «Monte Carlo», «New York, New York», «Excalibur», und wie sie alle heissen, lückenlos wie Perlen an einer Schnur auf. Hinter der Flaniermeile liegt der McCarran International Airport.

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Das «Caesars Palace» kann mit Baujahr 1966 bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken: Hier verletzte sich der Motorrad-Stuntman Evel Knievel 1967 bei einem Sprung über die Brunnenanlage schwer; hier, auf dem Parkplatzgelände, fanden in den 80er-Jahren Formel-1-Rennen statt. Das «Caesars» war in den selben Jahren auch bekannt als Austragungsort vieler berühmter Boxkämpfe.

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Parallel zum «Strip», einen langen Häuserblock entfernt, führt die Las Vegas Monorail Fahrgäste kostenlos über 6 km Distanz, vom «Sahara» im Norden bis zum «MGM Grand» in Airportnähe. Irgendwie sind mir aber die Haltestationen zu weit entfernt, so dass ich meine Energie lieber auf dem Boulevard selbst verbrauche.

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Einige wenige Stunden verbringe ich an den bekannten Spotterpositionen am McCarran Airport:

... auf dem Parkplatz an der Sunset Road. Hier lässt sich mit einigen Tricks das Hindernis des hohen Zauns umgehen, so dass brauchbare Schüsse resultieren . Die herrschende Hitze bei 37° C macht mir allerdings zu schaffen, so dass ich mich bald ins Hotelzimmer zurückbegebe und in Null-Komma-Nichts einschlafe.

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... auf dem Parkdeck 6 des zentralen Parkhauses – «Long term»-Trakt wählen, zweitoberstes Geschoss, dann Treppe hinauf und über die Passarelle zum westlichen Parkhaus wechseln. Hier können die Flieger problemlos erlegt werden, der Spotter bleibt die ganze Zeit unbehelligt. Dazu ist die Rundsicht über Stadt und Flughafen schlicht grandios.

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03 Hinauf zum Colorado Plateau

 

Nur zu schnell heisst es Abschied nehmen. Interessantes hätte LV noch für Wochen zu bieten. Aber irgendwie bin ich hier doch nur auf der Durchreise. Meine primären (Landschafts-)Ziele liegen über 300 km weiter östlich und knapp 1000 m höher.

 

Der fahrbare Untersatz braucht aber vor der Abreise noch Futter. An der Tanke wird klar, mein Edgilein hatte Durst. Bei einem umgerechneten Literpreis von 76 Rp. schmerzt das aber meinen Geldbeutel wenig. Schnell bin ich auf der I-15 und kurz darauf raus aus der Stadt.

 

Bei dem wenigen Verkehr und den langen, geraden Streckenabschnitten laufe ich Gefahr, nach einiger Zeit in der Aufmerksamkeit am Steuer nachzulassen. Lange Zeit haben mich die Querrillen auf den weissen Randlinien genervt, heute bin ich froh darüber, auch wenn ich jedes Mal erschrecke, wenn ich auf die Markierung gerate.

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Heutiges Tagesziel ist Kanab im Süden Utahs – im Zentrum der landschaftlichen Highlights. Unterwegs führt die Interstate kurz vor St. George durch den reizvollen Virgin River Canyon. Keine ganz einfache Sache, bei den zahlreichen Kurven hier Fotos zu schiessen, aber der Anblick ist zu verlockend.

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Beim Ausgang der Schlucht nochmals der riskante Griff zur Kamera:

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Hinter St. George verlasse ich die I-15. In Hurricane muss ich dann entscheiden: über Springdale durch den Zion NP oder aussen herum Kanab erreichen? Die kleine Stadt Hurricane befindet sich an ausgezeichneter Lage und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten für die weiteren Tage im Red Rock Country.

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In kurzer Zeit erreiche ich Springdale, das Eingangstor zum Zion NP.

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Eine nette Arbeitskollegin zu Hause hat mir ihren «America The Beautiful»-Pass (berechtigt zum Besuch von Nationalparks während eines Jahres) zur Verfügung gestellt. Der ist noch gültig und verträgt einen zweiten Benutzer. Leider aber liegen mittlerweile die Schatten im engen Tal für Aufnahmen bereits zu tief. Schade, ein Canyon-Overlook-Bild hätte ich schon noch gerne mitgenommen. Der Trail zum Viewpoint ist einer der angenehmsten im Park. So durchquere ich den Park für einmal ohne Foto-Stopp.

 

Kurz vor Kanab zweigt die Strasse zum abseits gelegenen Coral Pink Sand Dunes State Park rechts ab. Bestätigen sich wohl die farblichen Verheissungen im Parknamen bei meinem Besuch? Ein schneller Überblick beim Heranfahren zeigt einerseits die wunderschönen Dünenformen zwischen den angrenzenden Bergen. Leider aber haben auch frühere Besucher des Parks mit ihren Berichten im Internet recht behalten. Sie hatten sich darüber beklagt, dass auf den Dünen herumfahrende Quads (OTVs) hässliche Spuren im Sand zurücklassen. Zumindest am Abend sind sie leider noch gut zu sehen.

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So bleibt es von meinem Besuch des State Parks bei einigen wenigen brauchbaren Bildern, die ich mitnehme, z.B. dieses:

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Bei anbrechender Nacht erreiche ich meine Unterkunft für die nächsten drei Nächte, das «Shilo Inn» in Kanab. Der Ort selbst liegt in einer grossartigen Landschaft. Das entdeckte auch schon früh Hollywood. Weit über 100 Wildwest-Filme wurden hier bereits gedreht, unter anderem auch die TV-Serie «Rauchende Colts».

 

04 Cottonwood Canyon und Kodachrome Basin State Park

 

Heute steht die erste meiner geplanten Car Rides über bekannte Dirt Roads im GSENM (Grand Staircase Escalante National Monument) auf dem Programm: die CCR (hat nichts mit «Bad Moon Rising» zu tun, sondern ist die Abkürzung für Cottonwood Canyon Road), eine 74 km lange, nur bei gutem Wetter zu befahrende Sand- und Kiespiste zwischen Big Water und Cannonville. Sie führt durch eine reizvolle Landschaft mit schroffen Gesteinszacken (Cockscomb) und vielfarbigem Badland. Unglaublich, aber wahr: Es gibt Verrückte, welche die Strecke schon mit dem WoMo gefahren sind. Was wohl der Vermieter dazu gesagt hat (wenn er es wusste)?

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Heute besteht keine Gefahr fürs Steckenbleiben, allerdings ist das Wetter zum Fotografieren etwas diesig. Im ersten Streckenteil geht's recht voran, High Clearance ist noch nicht gefragt.

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Beim Lower Hackberry Trailhead lockt mich ein Hike durch die reizvolle Schlucht des Cottonwood Creek. Der Fluss führt wenig Wasser, so dass ich beim Laufen im engen Canyon kaum nasse Füsse bekomme. Endlos könnte ich so dem Flüsschen entlang wandern. Nach knapp einer Dreiviertelstunde muss ich aber aus Zeitgründen umkehren. Die Entdeckungsreise auf der CCR geht weiter.

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Allmählich werden die Buckel und Querrinnen der Piste ruppiger, die Auffahrten und Abhänge steiler. Teilweise liegen grosse Felsstücke auf dem Weg. Fahrspuren führen darum herum. Das gehört einfach dazu. Auf dem Bild ist einer der Schlüsselpunkte der Strecke zu sehen. Hinter mir geht's abrupt hinunter.

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Ich passe die Geschwindigkeit dem Zustand der Backroad an und geniesse den Ritt. Welch eine grandiose Landschaft! Welch grosse Einsamkeit! Obwohl die Strecke eine grosse Abkürzung zwischen der US 89 und der UT 12 darstellt, wird sie doch nur von Wenigen befahren. Die Meisten nehmen die weniger riskante, aber 200 km lange Route aussen herum über Panguitch in Kauf. Auf den Bildern ist der Strassenzustand der CCR nicht wirklich zu erkennen. Nach einem halben Tag darauf unterwegs spüre ich ihn aber am ganzen Körper.

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Die Abzweigung zum Kodachrome Basin SP bildet zugleich das Ende der Dirt Road. Von hier aus führt die Route auf asphaltierter Strasse nach Cannonville weiter. Ich jedoch will dem kleinen, aber feinen State Park mit dem seltsamen Namen noch einen Besuch abstatten.

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Der Parkname geht auf einen Artikel im National Geographic Ende der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Damals hatten Expeditionsteilnehmer beim Betrachten der bunten Felsformationen den Begriff in Anlehnung an den Namen des bekannten Diafilms geprägt. Über eine breite Strasse gelange ich ins Innere des Basins.

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Verschieden anspruchsvolle Trails führen durch den Park. Gute Ausblicke vermittelt der Panorama Trail, den ich schliesslich für einen Hike auswähle. Ein angenehmer Pfad über gut 3 Meilen in der warmen Nachmittagssonne, das sind Ferien!

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Die Chimney Rocks bilden ein weiteres Merkmal dieses wunderschönen Parks.

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Zurück beim Trailhead zeigt ein Blick auf die Uhr, dass es Zeit für die Rückkehr nach Kanab ist. Knapp zwei Stunden später und 150 km Reise über gut ausgebaute Strassen weiter fahre ich beim «Shilo Inn» vor. Morgen ist ein grosser Tag, also ab ins Bett!

 

05 Coyote Buttes South und White Pocket

 

Der heutige 30. September hat eine Vorgeschichte, die ich kurz erzählen muss: Schon Monate vor der Reise war es mein Ziel, auf dieser Tour das fantastische Landschaftsjuwel Coyote Buttes im Vermilion Cliffs National Monument besuchen zu können. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn: Sowohl den Nordteil mit der berühmten Wave wie auch den noch abgelegeneren und schwieriger zu erreichenden Südteil dürfen pro Tag höchstens 20 Besucher betreten. Dazu wird ein Permit benötigt, das entweder online vier Monate vorher oder am Vortag vor Ort bei einer Verlosung gewonnen werden kann. Und der Andrang ist riesig, einige Hundert sind es täglich!

 

Während ich mir für die Wave keine grossen Chancen ausrechnete, sah ich eine realistische Möglichkeit, zu einem Ticket für die CBS (Südteil) zu kommen: Es gibt unter anderen einen Anbieter vor Ort – Steve Dodson von Paria Outpost – der Tagestouren dorthin ausführt. Weil Steve jedoch nicht mit einer Einzelperson fährt, suchte ich in einem USA-Forum Interessierte, die etwa um die gleiche Zeit dorthin wollten. Ein deutsches Ehepaar hatte ähnliche Ziele, und wir vereinbarten, eben an diesem Tag die kombinierte Tour CBS/White Pocket mit Steve zu unternehmen. Letzterer würde auch versuchen, zu einem Permit für mich zu gelangen.

 

Kurz gesagt, die Tour kam zustande und Steve konnte sich ein Permit angeln. Übrigens würde ich – nachdem ich dort war, erst recht – jedem abraten, als Alleinreisender in die CBS zu gelangen. Am Wagen von Steve ist der Reifendruck reduziert, damit die extrem schwierige Strecke mit tiefen Sandlöchern und Felsplatten sowie steilen Abhängen bewältigt werden kann. Eine Bergungsaktion in dieser total abgelegenen Gegend hat Betroffene schon teures Geld (im Bereich von 1000 $) gekostet...

 

Doch zurück zum 30. September: Einviertel vor acht Uhr treffen sich die Internetbekanntschaften bei der Paria Outpost, ungefähr in der Mitte zwischen Kanab und Page. Alles hat also bestens geklappt. Zimmermanns werden sich während des Tages als freundliche und umgängliche Teilnehmer erweisen. Sie sind bereits 2 3/4 Stunden unterwegs. Ausser uns dreien wird auch Clem, ein 83-jähriger, ausserordentlich fitter Amerikaner an der Tour teilnehmen. Statt Steve fährt Curt, ein junger Angestellter mit Pferdeschwanz, den GMC 4X4 High Clearance.

 

Bestens ausgerüstet mit genügend Getränken sowie allem Notwendigen für ein feines BBQ im Freien starten wir. Über die HRVR (House Rock Valley Road) – eine lange Waschbrettpiste – führt unsere Route in die grosse Einsamkeit der Vermilion Cliffs. Nach gut einer Stunde Schütteln und Rütteln zweigen wir auf einen unscheinbaren Feldweg nach Osten ab, und jetzt merken wir: Das Holpern vorhin war rein gar nichts. Tiefe Gräben, steile Passagen und weite Sandstrecken müssen überwunden werden, und wir können uns nur kräftig an den Sitzen festhalten, damit wir ohne Verletzungen davonkommen.

 

Curt schafft das alles mit grosser Lockerheit. Er sei noch nie steckengeblieben, wird er uns auf der Rückfahrt erzählen. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir im Gebiet der CBS angelangt. Beim Trailhead heisst es aussteigen. Eine erste Fotosession steht an.

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Majestätisch erheben sich die Cottonwood Teepees über die umliegenden Sandlandschaft.

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Ein kurzer Hike führt uns hinauf zu den braunroten Felsen. Auf dem Plateau angelangt, entdecken wir lohnende Fotomotive, wohin das Auge schaut.

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Wir drücken auf die Auslöser unserer Kameras, als gälte es unser Leben. Nur ja keine Zeit verlieren! Steve hat erstklassige Foto-Tipps für uns bereit. Kein Wunder, kennt er sich so gut aus: Er fährt ja auch 3-4 mal in der Woche hierher.

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Ein paar Meter verschieben und schon zeigen sich ganz neue Ausblicke.

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Und immer wieder die typischen Indianerzelt-Formen.

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Wind und Wetter haben hier eine unglaubliche Formenvielfalt geschaffen. Wir können uns daran kaum satt sehen.

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Und schliesslich der Star unter den Steingebilden: Weird Rock. Clem darf sich mit einigem Stolz dazu stellen. Respekt, was der alte Mann heute alles leistet! Nach eigenen Angaben hält er sich mit Tennis spielen so fit.

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Immer wieder finden wir Formen, die zu Vergleichen anregen.

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Curt ist ein kundiger Führer und gibt uns viel von seinem Wissen über die CBS weiter.

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Er zeigt uns auch die etwas versteckt liegende South-Wave.

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Leider etwas schwer zum Mitnehmen, dieser Sandstein! Gut machen würde er sich in unserer Stube zu Hause allemal.

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Sicher drei Stunden sind wir fünf allein zwischen den Teepees unterwegs. Langsam drängt uns aber nun unser Guide zur Rückkehr zum Auto. Schliesslich wartet dort das BBQ und anschliessend die White Pocket auf uns.

 

Selten habe ich eine Mahlzeit so genossen wie jetzt die feinen Brote und Salate. Der Paria-Outpost-Lunch-Service ist perfekt. Curt hat nicht mal die Campingstühle vergessen. Gestärkt steigen wir nach dem Mittagessen ins Auto und rumpeln auf extrem sandiger Piste gute zehn Kilometer südwärts Richtung White Pocket, unserem zweiten Tagesziel. Unterwegs müssen von uns mehrere Weidegatter geöffnet und nach der Durchfahrt wieder geschlossen werden. Curt ist nur zuständig für das Fahren.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir den Trailhead zur White Pocket. Ein kurzer Marsch führt uns zum Plateau. Hier angekommen, stehe ich starr vor Erstaunen: Einen solch fantastischen Anblick habe ich in keiner Weise erwartet! Vor uns zeigt sich eine pfirsich-/schokofarbige Mondlandschaft in den atemberaubendsten Gesteinsformen. Bilder können diesen überwältigenden Eindruck einfach nicht wiedergeben.

 

Wir bewegen uns über den bunten Sandstein und fotografieren, bis die Verschlüsse glühen. Brainrocks von vorne, von der Seite, von unten, von oben.

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Ausser den drei, vier Campern beim Trailhead sind wir auch hier allein und können die Szenerie völlig ungestört geniessen. Etwas schade nur, dass sich die Sonne zeitweilig hinter den Wolken versteckt. Umso mehr nützen wir dann die sonnigen Abschnitte für unsere Aufnahmen.

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Der Name des Plateaus kommt natürlich von der hier vorherrschenden Farbe und den vorhandenen Wasserlöchern (-taschen).

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Auch ohne Sonne bleiben die Brainrocks eindrucksvoll.

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Menschen auf dem Mars?

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Curt muss uns schliesslich zum Aufbruch mahnen. Er will verständlicherweise auch einmal Feierabend. Ein letzter Sonnenstrahl, ein letztes Bild, dann müssen wir Abschied nehmen von dieser einmaligen Landschaft.

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GMC wenden, Steilhang hinauf, Sandpiste pur, Gatter öffnen, Gatter schliessen, über gefährlich grosse Felsplattentreppen und durch tiefe Fahrrinnen. Hatten wir doch alles schon! Ohne Schaden erreichen wir die HRVR und zwei Stunden später bei einbrechender Dunkelheit auch die Paria Outpost. Den Obolus entrichten wir nach all dem Erlebten gerne. Ein herzlicher Abschied, und dann löst sich die Tages-Gemeinschaft in alle Winde auf! Ein grandioser Tag findet sein glückliches Ende!

 

06 Durch das Grand Staircase Escalante National Monument

 

Zu Ende gehen auch meine Tage, oder vielmehr Nächte, in Kanab. Die weitere Reise wird mich heute über einen der schönsten Scenic Byways der Vereinigten Staaten, den UT 12, nach Torrey beim Capitol Reef NP führen. Via 89 North bis vor Panguitch, dann ostwärts auf die 12. Zu Beginn durchfahre ich den farbig leuchtenden Red Canyon. Viele Bryce-Parkbesucher kennen die zwei Strassentunnels von der Anfahrt zum Park her. Ich selber aber lasse den Publikumsliebling Bryce wenig später für einmal links, äh, rechts liegen.

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Immerhin setzen sich auch an der SR 12 bryce-ähnliche Turmfelsen in Szene. Die kann ich natürlich nicht ungenutzt einfach so stehen lassen, darum Wagen abstellen und Kamera raus.

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Weiter führt mich der Weg durch die überaus einsame Landschaft des GSENM mit so kleinen, verschlafenen Nestern wie Tropic, Cannonville oder Henrieville. Auch hohe Pässe müssen auf meiner heutigen Fahrt überwunden werden. Bei einem davon schalte ich oben eine kurze Rast ein. Ein junges Pärchen auf Fahrrädern nähert sich von der Gegenseite. Beide sind froh, oben angelangt zu sein und unterbrechen hier ihre Fahrt.

 

Wie überrascht bin ich, als ich von ihnen Schweizer Mundart höre. Schnell sind wir im Gespräch. Woher sie kämen? «Ja, wir kommen von Kanada herunter und wollen noch bis Los Angeles.» Ich schlucke erst einmal leer. Boah! Hinter ihnen liegt zudem gerade ein fast 3000 m hoher Pass.

 

Sie hätten beide ihren Job gekündigt und wollten mal was anderes erleben. Ein halbes Jahr hätten sie für ihr Unternehmen eingesetzt. Enden solle dann die Reise auf Hawaii, zur Belohnung für die Anstrengung. Ich kann mir eine gewisse Bewunderung für die beiden nicht verkneifen und setze mich, etwas kleiner als vorher, in mein bequemes Gefährt.

 

Bald geht's weiter. Mittagspause gibt's erst im knapp 1000 Einwohner zählenden Escalante. Wildwest pur hier, die Umgebung womöglich noch reizvoller als in Kanab. Ein kräftiges Mittagessen stärkt meine müden Lebensgeister. Den Ort merke ich mir für ein andermal. Gut fünf Kilometer hinter Escalante zweigt die Hole-in-the-Rock Road rechts ab. Die 57 Meilen lange Piste bietet an ihrem Ende einen schmalen Durchblick auf den Lake Powell, daher der Name. In den 1890er-Jahren haben Mormonen auf dem Durchweg diese Öffnung in den Stein gehauen um zum Colorado zu gelangen.

 

Nach 12 Meilen mehr oder weniger Waschbrettfahrt auf der HITRR erreiche ich schon mein Ziel: den Devils Garden. Die Natur hat hier verschwenderisch einen ganzen Park voll eigenartiger Figuren geschaffen. Die möchte ich mir heute gerne ansehen.

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Das ganze Gebiet ist übersät von Hoodoos und Steinmännchen. Auch hier herrscht grosse Einsamkeit und ich kann ungestört die witzigen Kobolde auf den Sensor bannen.

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Gern würde ich länger hier draussen bleiben, gegen Sunset werden die Farben intensiver. Aber mein Bett liegt noch weit entfernt. Also ein letztes Bild, dann gelange ich über die Waschbrettpiste HITRR zurück zur UT 12.

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Das folgende Teilstück des Scenic Byways ist für Landschaftsenthusiasten atemberaubend: Zum einen bildet die Strasse mit ihren vielen Kurven, Anstiegen und Abfahrten eine wahre Natur-Achterbahn. Zum andern ist die Aussicht über das Plateau während der Fahrt schlicht grandios.

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Auf schmalem Grat zwischen Abgründen unterwegs darf ich den Blick nicht von der Strasse wenden. Bei der ersten Gelegenheit aber schalte ich einen Fotostopp ein und geniesse die Landschaft in aller Ruhe.

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Auf der weiteren Fahrt zeigen sich noch mehr lohnende Aussichten, wie beispielsweise diese hier.

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Kurz vor Sonnenuntergang gelange ich nach Boulder. Fast hätte ich nicht bemerkt, überhaupt durch eine Ortschaft zu fahren, schon bin ich wieder raus. Hinter dem Ort windet sich die Strasse zwischen grossen, gelben Espenwäldern hinauf zum Boulder Mountain auf knapp 3000 m.ü.M. Immer wieder lässt sich Wild am Strassenrand blicken. Eine lange Talfahrt bringt mich an mein heutiges Ziel, das Best Western Capitol Reef in Torrey.

 

Unterdessen ist es Nacht geworden. Ich checke ein, bestelle im Hotelrestaurant eine währschafte Suppe und geniesse das vorhandene feine Salatbuffet. Wie in den meisten Hotels auf meiner Reise stehen mir anschliessend im Zimmer zwei Doppelbetten Kingsize für die Nacht zur Verfügung. Wenn ich will, kann ich quer liegen. Gute Nacht, leicht gemacht!

 

07 Über Burr Trail und Lake Powell nach Mexican Hat

 

Am nächsten Morgen ist es recht kalt draussen. Bin ich mir in dieser Gegend nicht gewohnt. Beim «Subway» decke ich mich mit allem Nötigen für den Tag ein. Auch der Ford erhält Futter von der Tankstelle. Bisher hat er klaglos seinen Dienst getan. Dann führt mich der Weg zuerst einmal ein Stück auf der gestrigen Route zurück. Ein zweites Mal innert 24 Stunden überquere ich also den Boulder Mountain. Im Licht der Morgensonne leuchtet das Gelb der Espen am Strassenrand so richtig auf.

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Herbstidylle auf 2500 m Höhe.

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In Boulder verlasse ich die bisherige Strecke. Das Tagesmotto lautet heute: Der Weg ist das Ziel. Der Weg, das ist ein alter, über 100 km langer Viehtrieb, der Burr Trail. Über diesen führte Mister Burr einst seine Rinder zum Colorado. Im ersten Teil ist der Scenic Backway noch geteert und führt auf einer Distanz von 11 Kilometern zwischen roten Felswänden durch den Long Canyon. Kurz vor dessen Eingang halte ich oben auf der Anhöhe an und geniesse den tollen Ausblick.

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Beim Überschreiten der Grenze zum Capitol Reef NP wird der Weg staubig, denn der Teerbelag ist hier zu Ende. Macht aber nichts, denn auch hier befinde ich mich in einer äusserst reizvollen Landschaft, die ich beim langsamen Fahren in aller Ruhe geniessen kann. Vor dem Begehen der steilen Switchbacks zum Waterpocket Fold hinunter schalte ich für Aufnahmen eine kurze Rast ein.

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Unten mündet der Burr Trail in die Notom-Bullfrog-Road. In südlicher Richtung fahre ich darauf durch graues Badland Richtung Glen Canyon National Recreation Area (NRA).

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Bei schlechtem Wetter auf der Notom-Bullfrog-Road unterwegs zu sein, kann böse Folgen haben: Die Piste wird bei starken Regenfällen nämlich schnell überflutet und damit unpassierbar. Der Unvorsichtige bleibt dann im Tal stecken, was viele bereits am eigenen Leib erfahren mussten. So war es mir vor dem Einbiegen in den Burr Trail ein Anliegen, über die Wetterverhältnisse informiert zu werden. Heute ist die Route noch problemlos zu befahren. Für morgen allerdings wird ein Wetterumschwung vorausgesagt.

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Gegen 1 Uhr kann ich in der Ferne bereits den Lake Powell erkennen. Nach einigen Meilen erreiche ich den abgelegenen Freizeitort Bullfrog. Rings um den Lake ist weit herum nur Wüste. Ich befinde mich hier am abgeschiedensten Ort meiner ganzen Reise. Auf dem See tuckern einige Hausboote, am Ufer spielen Kinder. Rote Felsen umrahmen den Stausee. Eine wahre Ferienidylle. Auch hier könnte ich mir vorstellen, länger zu verweilen.

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Bewusst habe ich den Weg nach Bullfrog gewählt: Von hier fährt nämlich im Sommer alle zwei Stunden eine kleine Fähre über den Lake Powell nach Hall´s Crossing. Durch diese Routenwahl verkürzt sich der Weg nach Mexican Hat, meinem heutigen Übernachtungsort, beträchtlich. Dazu bin ich nach den vielen Tagen auf Sand und Felsen gerne mal wieder auf dem Wasser. Die einfache Überfahrt kostet 25 $.

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Sinnbildlich für die Glen Canyon NRA: Red Rock am Wasser.

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Mittlerweilen hat die Fähre in Hall`s Crossing angelegt. Jetzt bin ich wieder selbst der Kapitän.

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Von hier verläuft die Strasse lange unspektakulär durch ödes Land. Erst kurz vor Mexican Hat belebt sich die Szene wieder. Ohne es während der Fahrt gross zu merken, bin ich immer höher hinauf gelangt und befinde mich nun weit über der Ebene des Valleys of the Gods.

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Vor mir liegt ein oft beschriebenes und von ängstlichen Autofahrern gefürchtetes Wegstück, der Moki Dugway. Steil und ungeteert verläuft die Staubpiste in vielen Haarnadelkurven eine Felswand hinunter, für LKWs und WoMo`s besteht durchaus ein gewisses Risiko. Beim Zurückblicken unten fragt man sich, wo denn die Strasse geblieben ist.

 

Unweit des Tagesziels erhebt sich eine merkwürdige Felsformation über das Umland, die dem dahinter liegenden Ort als Namensgeber zur Verfügung gestanden ist: der Mexican Hat. Der steinerne Sombrero ist aus der Nähe wirklich sehenswert.

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Wenige Minuten später erreiche ich den Ort am San Juan River. Er besteht lediglich aus mehreren Motels und zwei Tankstellen. Weniger als 100 Einwohner bilden die Gemeinde. Im San Juan Inn & Trading Post quartiere ich mich ein und erlebe direkt am Fluss einen gemütlichen und friedlichen Samstagabend.

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08 Via Coal Mine Canyon zur Künstlerstadt Sedona

 

Sonntag: Vor mir liegt eine Überführungsetappe, die mich nach Kayenta (Monument Valley), Tuba City, Flagstaff und schliesslich nach Sedona führen wird. Noch vor dem Frühstück bemühe ich mich, den Sonnenaufgang in der Nähe des Moki Dugway abzulichten. Verschiedene Störfaktoren verhindern zwar den ultimativen Sunrise-Shot, aber ich freue mich trotzdem über das Bild.

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Zurück beim San Juan Inn gönne ich mir ein kräftiges Frühstück. Immer wichtig dabei sind mehrere Eggs (»sunny side up, please!»), Bacon und Orange Juice. Alles andere darf mal fehlen, die drei hingegen nicht. Während des Essens stelle ich meine Uhr schon mal um eine Stunde zurück, denn wenige Meilen südlich von Mexican Hat beginnt bereits Arizona. Schon kurz nach Fahrtbeginn erscheint die klassische Kulisse des Monument Valley am Horizont.

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Kayenta scheint bei meiner Durchfahrt noch im Schlaf zu liegen. Nicht viel lebhafter geht's in Tuba City zu. Hier biege ich nach links auf die SR 264 ab und fahre darauf 15 Meilen in südöstlicher Richtung. Zuhause habe ich mich mit Wegbeschreibungen gut versehen und finde so kurz vor Milepost 337 die unscheinbare Dirt Road, auf die ich links einbiegen muss. Nach gut einer halben Meile Staubpiste sehe ich die Windmühle, welche sich nahe bei meinem Ziel befindet. Hier liegt nämlich der wenig bekannte Coal Mine Canyon, dem ich heute einen Besuch abstatten will. Leider hat die Sonne nicht ihren besten Tag und spielt mit mir Katz und Maus. Aber auch ohne direkte Sonneneinstrahlung ist der Canyon beeindruckend.

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Ähnlich dem Bryce Canyon besteht er aus einer grossen Zahl von Felstürmen und -zacken in den Farben braunrot bis fast weiss. Dazwischen finden sich auch Gesteinsschichten mit dunkelgrauer, fast schwarzer Farbe. Von da kommt auch der Name.

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Eine Nahaufnahme offenbart die filigrane Schönheit der bunten Felsen.

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Nach einer zu kurzen Zeit verbirgt sich die Sonne endgültig hinter den Wolken, wohl ein Zeichen, dass ich aufbrechen sollte. Also fahre ich zurück zur 264, dann weiter auf die US 89, Richtung Flagstaff. Dort, wo die Strasse zum Grand Canyon NP abzweigt, liegt Cameron. Ich befinde mich hier immer noch im Navajo-Gebiet. Direkt an der Strasse lädt die Trading Post zu einem kurzen Besuch ein. Mir kommt ein Zwischenhalt gerade gelegen, also biege ich auf den Parkplatz ein. Der Store führt ein riesiges Angebot an Souvenirs, vor allem Indianerschmuck. Das dahintergelegene Restaurant wird auch von Nativen geführt. Ich erstehe eine Musik-CD mit Navajo-Klängen und schlage mir im Restaurant bei einem leckeren Mahl den Bauch voll.

 

Derart gestärkt fahre ich weiter. Vor Flagstaff, der grössten Stadt Nordarizonas, verdunkelt sich der Himmel immer bedrohlicher und bald beginnt es wie aus Kübeln zu giessen. Auch im Speedmodus vermögen die Scheibenwischer die Sicht nicht mehr frei zu halten. Also möglichst schnell die (Regen-)Region südwärts hinter mich bringen. Und wirklich, einige Meilen jenseits der Stadt scheint wieder die Sonne. Über grosse Treppenstufen, die in vielen Haarnadelkurven bewältigt werden, und durch den Red Rock Canyon erreiche ich die kleine Künstlerstadt Sedona.

 

2007 habe ich dem Ort einen ersten Besuch abgestattet. Er liegt wahrhaftig grandios inmitten roter Felsen. Hier drehten in den Vierzigern, Fünfzigern und Sechzigern John Wayne, Burt Lancaster und Henry Fonda berühmte Western. Der Maler Max Ernst zog 1946 hierher, weil er um die Schönheit von Sedonas Landschaft wusste.

 

Der heutige sonntägliche Touristenrummel im Ortszentrum ist jedoch nicht so mein Ding, und so fahre ich hoch zum Airport Viewpoint. Aber auch hier ist alles voller Menschen. Alle wollen an diesem wundervollen Abend die tolle Rundsicht geniessen. Ein zufälliger Blick zum Himmel zeigt indes, dass in Bälde mit einem weiteren Gewitter gerechnet werden muss.

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Kurz darauf steht der Himmel in Flammen. Es bricht ein Unwetter der Extraklasse los. Ich rette mich schnell ins nahe Auto und gelange auf kürzestem Weg zum La Quinta Inn, meiner heutigen Bleibe. Hier ist ein Bett für mich reserviert.

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Am andern Morgen lacht die Sonne über den Bergen, wie wenn gestern nichts gewesen wäre. Im lebhaften Sedona bummle ich den zahlreichen Geschäften entlang.

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Wenn der Künstler mit dieser Darstellung darauf hinweisen wollte, dass es sich lohnt, die Gegend zu malen (oder zu fotografieren), muss ich ihm zu 100% recht geben (übrigens, das Mädchen ist auch nicht echt ...).

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Später beschliesse ich, zur Chapel of the Holy Cross, eine in den Berg gebaute Kapelle unweit der Stadt, hoch zu fahren.

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Hier geniesse ich eine weite Rundsicht über das Land und kann in der Ferne die beiden Türme des Cathedral Rock gut erkennen.

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Das Anwesen direkt unterhalb der Kapelle gehört wohl keinem Armen. Überhaupt leben hier in Sedona zwar nachweislich viele Künstler, aber sichtlich auch eine grosse Zahl gut Betuchter, die die Annehmlichkeiten eines Lebens in der Region Sedona erkannten und deshalb hierher zogen.

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Bevor ich meine Reise südwärts fortsetze, fahre ich noch einmal die Airport Road hoch. Beim Parkplatz auf halber Höhe steige ich aus und erklimme den auffälligen roten «Vortex-Rock». Oben treffe ich mehrere Personen an, die sich von den geheimnisvollen metaphysischen Kräften in Sedona stärken lassen wollen. Ich selber freue mich einfach ein letztes Mal an der herrlichen Umgebung. Dann geht's zum Auto zurück.

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Vor der Fahrt wird noch vollgetankt und dann heisst es Abschied nehmen von der Kleinstadt in den roten Bergen. Bei bestem Wetter verlasse ich die Kleinstadt und bin bald auf der I-17 South Richtung Phoenix. In zwei Stunden werde ich die Hauptstadt Arizonas erreicht haben.

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09 Wettermix in PHX

 

Je näher ich der Millionenstadt komme, desto dunkler wird erneut der Himmel. Starker Wind wirbelt feinen Sand durch die Luft, es ist eine unheimliche Fahrt. Immer umfassender umgibt mich ein unendliches Häusermeer. Dazu herrscht dichter Verkehr. Ich muss die ganze Metropole durchqueren, um mein Ziel, den Sky Harbor International Airport im Süden der Stadt, zu erreichen. Schliesslich erreiche ich aber den Flughafen wohlbehalten und ohne Gewitter und begebe mich auf das Dachgeschoss des Parkhauses 4.

 

Ich bin noch früh genug dran, um den einzigen flugplanmässigen Heavy, der PHX ansteuert, ablichten zu können.

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Stimmungsbild vom Parkdeck 9.

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Bald ist Schluss mit Spotten für heute. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Nach kurzer Fahrt ist das Best Western Airport Hotel erreicht, wo man mich bereits erwartet. Wie schätze ich es, dass ich während der ganzen Reise nie auf Zimmersuche gehen muss.

 

Am nächsten Tag steht ganz das Spotten in PHX auf dem Programm. So kann ich für einmal mein Gefährt zu Hause resp. auf dem Hotelparkplatz stehen lassen. Statt dessen nutze ich den kostenlosen Shuttle-Dienst des Hauses, der mich bequem ins Zentrum des Flughafens bringt. Den besten Überblick bietet das Oberdeck vom Terminal 4. Also nichts wie hinauf!

 

Die Dominanz der Amerikaner in PHX ist überwältigend. Ihre Flieger machen mehr als 75 % des Verkehrsaufkommens aus. An erster Stelle natürlich der Platzhirsch US Airways, gefolgt von Southwest. Häufige Gäste sind auch United, American, Continental, Delta, Frontier, Alaska Airlines, AirTran und einige weitere. Von den Nachbarländern fliegen nur AeroMexico, Air Canada und West Jet nach Phoenix. Der ausserkontinentale Traffic beschränkt sich auf die tägliche, bereits erwähnte 747 von BA.

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Auch die Amerikaner haben Retros gestaltet: A319 N828AW in den alten Farben von America West Airlines.

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Neben dem Frachtbereich im Süden des Flughafens nimmt die Arizona Air National Guard einen Teil des Geländes ein. Die 161. Air Refueling Wing (161ARW) der US Air Force hat hier KC-135R Tanker stationiert.

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Am Nachmittag ist ein kräftiger Wetterumschwung zu beobachten. Gemäss Einheimischen kommt die Valley-of-the-Sun-Region um Phoenix auf rund sieben Regentage im Jahr. Ich vermute, heute eines dieser seltenen Ereignisse zu erleben. Jede Crew ist jetzt wohl froh, der Metropole bei noch anständigen Bedingungen den Rücken kehren zu können.

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Unverkennbar, aus dem Westen ist etwas im Anzug.

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Und dann öffnen sich auch hier die Schleusen in einer Weise, wie es in good old Europe nur selten zu beobachten ist. Gelegenheit für mich, das Innere des Terminals etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Zudem will auch der Magen versorgt sein.

 

Einige Zeit später zeigt ein vorsichtiger Blick nach draussen, dass die Geschichte bald vorüber sein wird. Das Friedenszeichen am Himmel bestätigt wenig später die Anzeichen.

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Per avisierten Shuttle werde ich schliesslich wieder zum Hotel zurück chauffiert. Während der Fahrt unterhalte ich mich angeregt mit dem farbigen Driver. Irgendwie kommen wir auf den Grund meiner Reise. Dabei stellt sich heraus, dass auch der Schwarze ein passionierter Fotograf ist.

 

Als ich ihm mein Programm für den nächsten Tag bekannt gebe, meint er, er hätte was Besseres für mich. Für Liebhaber von Naturaufnahmen sei das Boyce Thompson Arboretum bei Superior das ultimative Ziel für Besucher dieser Region. Kein Zoo, kein Museum, aber ein grosser, am Rande der Wüste gelegener Naturpark mit guten Aussichten, nebst interessanten Kakteen auch Hummingbirds und Butterflys fotografieren zu können. Und das alles nur eine Autostunde vom Airport entfernt.

 

Mit dem Stichwort Hummingbird hat er mich bereits am Haken: Hummingbirds, wie die Amerikaner Kolibris nennen, bin ich bisher in den Staaten vergebens nachgerannt. Zu klein, zu flatterhaft hatten sich die schillernden Vögelchen für brauchbare Aufnahmen bis jetzt gezeigt. Nach einigem Nachfragen steht für mich fest, dass ich das Arboretum aufsuchen werde. Vielleicht lässt sich ja mein ursprüngliches Vorhaben, den Apache Trail abzufahren, damit verbinden.

 

Dermassen eingestellt auf morgen, lässt sich sogar die Grosswäsche, welche nach anderthalb Wochen dringend nötig geworden ist, hinter sich bringen. Mit gutem Gefühl schlafe ich anschliessend ein.

 

10 Boyce Thompson Arboretum und Apache Trail

 

Nach der bösen Wetterüberraschung von gestern blicke ich am frühen Morgen gespannt zum Zimmerfenster hinaus: strahlender Sonnenschein. Also dürfte es ein normaler Sun-Valley-Tag werden, einer der mehr als 300 Sonnentage in Phoenix eben. «Normal» kann durchaus auch positiv sein, finde ich und mache mich reisefertig. Für einmal lasse ich das Frühstück sausen.

 

Sehr angenehm geht's zuerst auf der I-10 aus der Stadt und danach auf der SR 60 ostwärts durch die reizvolle, aber einsame Gegend am Fusse der Superstition Mountains. Fast scheint es, als ob ich allein auf der breiten Asphaltstrasse unterwegs sei.

 

Nach einer Stunde Fahrt erblicke ich kurz vor Superior das Hinweisschild «Boyce Thompson Arboretum» und biege zum Parkplatz ein. Der Vorbeifahrende würde den State Park, obwohl er direkt an der Fahrbahn liegt, kaum entdecken. Hinter dem Arboretum dehnt sich weites, unfruchtbares Land aus. Ein kleiner See, der Ayer Lake, liegt ebenfalls im Parkgebiet.

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Eine Vielzahl von Libellen bevölkern den Ufersaum.

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Ich befinde mich hier im grössten und ältesten botanischen Garten von Arizona. Hier wachsen über 3000 verschiedene Pflanzenarten, darunter mit einer stattlichen Höhe von 42 Metern der grösste Rote Eukalyptus der Vereinigten Staaten. Und natürlich gibt es hier jede Menge Kakteengewächse, über 500 verschiedene an der Zahl.

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Mich interessiert hier aber mehr die Fauna als die Flora, wenn auch nicht unbedingt solche von dieser Art! Glücklicherweise bin ich auf der Reise bisher davon verschont geblieben.

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Eine Trail Map, die mir beim Eingang ausgehändigt wurde, gibt hilfreiche Hinweise zur Besichtigung des Parks. Darauf finde ich auch den Hummingbird & Butterfly Garden. Eine grosse Ansammlung nektarreicher Blütenpflanzen wächst in diesem feuchten und schattigen Parkbereich.

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Als erstes fallen mir im H&B-Garden die zahlreichen prächtigen Monarchfalter auf, welche die bunte Blumenpracht umschwirren.

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Nach einiger Zeit entdecke ich dann tatsächlich die ersten Hummingbirds auf den Zweigen. Allzu nah kann ich aber nicht ran, die Vögelchen sind zu scheu. Wie bin ich froh, das 100-400er mitgenommen zu haben!

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Ein weiterer Kolibri auf Nektarsuche:

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Wie weiter oben schon erwähnt, sind die Kolibris nicht ganz leicht zu erwischen. Sie fliegen mit einer sehr hohen Frequenz von 40 bis 50 Flügelschlägen pro Sekunde und können sogar rückwärts und seitwärts fliegen. Nie weiss man, wo sie im nächsten Augenblick sind. Daher freue ich mich über einige brauchbare Kolibri-Bilder aus dem Arboretum besonders.

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Nach vier Stunden im Park ist es langsam Zeit, an den Aufbruch zu denken. Schliesslich will ich am Nachmittag noch den 72 Meilen langen Apache Trail absolvieren. Die Fahrt geht auf der Gila-Pinal Scenic Road weiter ostwärts. Hinter Miami(!) biege ich nach Norden ab. Von der Abzweigung an wird die Route zwar «Apache Trail» genannt, entpuppt sich aber bis zum Roosevelt Lake lediglich als breite Schnellstrasse. Auf dieser erreiche ich bald den grossen, idyllisch gelegenen Stausee beim Tonto National Monument. Rundum entfaltet sich eine wunderschöne Wildwest-Landschaft.

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Hier spürt man überall: Der Sommer ist definitiv vorbei. Die Campgrounds sind menschenleer, Boote auf dem See keine mehr zu sehen. Mir gefällt es jedoch, dass ich das Gewässer fast für mich allein habe.

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Direkt vor der grossen Hängebrücke über den Salt River beginnt das eigentliche Abenteuer. Ich nehme die Abzweigung nach Westen und folge dem alten Pfad der Apachen durch die Felsschluchten des Salzflusses. Die Apache Trail Historic Road, wie die Strecke genau heisst, wurde kurz nach 1900 als Versorgungsstrasse für den Bau des Theodore-Roosevelt-Dams angelegt. Der Präsident soll bei der Einweihung des nach ihm benannten Staudamms gesagt haben: «Im Apache Trail treffen das Grossartige der Alpen, die Pracht der Rocky Mountains und die Herrlichkeit des Grand Canyons zusammen». Wie recht er hat, zeigt sich mir in den folgenden Stunden.

 

Die Staumauer aus Mauerwerk war bei ihrer Fertigstellung 1911 die höchste der Erde ihrer Art.

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Weiter unten folgt die unbefestigte Strasse dem Apache Lake mitten durch eine reizvolle Saguarolandschaft.

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Bis Fish Creek Hill ist der Apache Trail eine reine Sandpiste. Zuweilen wird der Weg auch recht eng.

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Ein weiter Blick in die Berge. Die mächtigen Saguaros in Strassennähe fallen ins Auge.

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Aber auch die Strasse fordert meine Aufmerksamkeit: Hier kreuzt unversehens eine grosse Tarantel meinen Weg.

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Zwischen Apache Lake und Canyon Lake steigt die Strasse mehrmals steil an, oben bleibt von der Felswand bis zum Abgrund oft kaum eine Autobreite. Nur nicht hinabblicken und kräftig Gas geben!

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Dem Nachmittag folgt die Dämmerung. Weit oben bietet sich gegen Westen diese Impression:

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Auf dem Kulminationspunkt der Strecke, im letzten Licht des Tages, halte ich am Strassenrand. Es ist ein für mich unvergesslicher Moment: Hinter den Kakteen am Horizont scheint der Himmel zu brennen! Totale Stille rundum! Andächtig geniesse ich das grandiose Schauspiel bis zum letzten Augenblick. In Anlehnung an «Nis Randers» geht mir durch den Kopf: «Und brennt der Himmel, so sieht man`s gut, Kakteen im Dunkel, dahinter die Glut!»

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Nach dem Verschwinden der Sonne wird es nun schnell dunkel. Mit Scheinwerferlicht fahre ich die letzte Etappe nach Tortilla Flat und ins Valley of the Sun hinunter. Über Goldfield und Apache Junction erreiche ich in kurzer Zeit mein Domizil, das Best Western Airport in Phoenix. Ein weiterer wunderschöner Tag im US-Südwesten geht zu Ende!

 

11 Tucson: Pima Air & Space Museum und AMARG-Tour

 

Heute führt meine Route ein letztes Mal Richtung Süden. Nach zwei angenehmen Stunden auf der I-10 South befinde ich mich bereits kurz vor den Toren der grössten Stadt in Südarizona, Tucson. Da entdecke ich in einiger Entfernung westlich der Autobahn die riesigen Leitwerke von Airlinern in den Himmel ragen. Das muss der Pinal Air Park von Marana sein! Also bei der nächsten Ausfahrt die 10 verlassen und die paar Meilen zum Evergreen Air Center fahren. Doch dort wartet eine grosse Enttäuschung auf mich: Alles ist eingezäunt und flach, und zu allem Überfluss zeigt der Mann im Wärterhäuschen absolut kein Verständnis für den Schweizer, der gerne die interessanten Flugzeuge ablichten würde. Betreten strengstens verboten, heisst es unmissverständlich. Also rechtsumkehrt und unverzüglich das Weite suchen.

 

So schnell gebe ich aber nicht auf. Nur wenige Kilometer vom Airpark entfernt finde ich den lokalen Avra Valley Airport. Beim Empfang bemüht sich die nette Dame am Schalter, meinem Wunsch nach einem Flug zum Airpark zu entsprechen. Sie führt Telefongespräche und sucht ein Flugzeug sowie einen Piloten für mich. Leider wird sie aber nicht fündig und ich muss mich mit meinem Vorhaben endlich geschlagen geben. Dass am Schluss alles doch noch anders kommt, weiss ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

 

Auf dem Rückweg zur Interstate entdecke ich am Strassenrand grosse Baumwollfelder.

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Die alte Kulturpflanze ist für uns Schweizer ja nicht alltäglich. Also noch schnell eine Nahaufnahme.

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Wenig später erreiche ich mein Ziel Tucson. Die Metropole entpuppt sich als riesiges Dorf mit gut einer Million Einwohner. Die Städte im amerikanischen Südwesten sind eben in keiner Weise mit unseren europäischen Grossstädten zu vergleichen. Das La Quinta Inn & Suites Tucson Airport ist schnell gefunden, eingecheckt auch. Ein ganzer Nachmittag bleibt mir nun zur freien Verfügung. Ich beschliesse, mit einer kleinen Änderung des Reiseprogramms, schon heute das Pima Air & Space Museum zu besuchen. Vielleicht liegt ja heute sogar noch die geplante AMARG-Tour drin?

 

Das Flugzeug-Museum an der 6000 E. Valencia Rd. liegt am südöstlichen Stadtrand und ist bald gefunden. Ein Blick aus der Luft zeigt die Ausdehnung der ganzen Anlage. Pima Air&Space gehört zu den grössten Luftfahrtmuseen der Welt.

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Der Eintritt kostet 13.75 $., für die AMARG-Tour sind weitere 7.00 $ zu berappen. Eine grosse Zahl bekannter Flugzeuge sind im Freien zu besichtigen. Dazu laden fünf Hangars zum weiteren Betrachten ein.

 

Unbestrittener Star des Museums ist die Lockheed SR-71A Blackbird. Der Mann links im Bild veranschaulicht die Dimensionen des Rekordflugzeugs. Die SR-71A (Erstflug 1964) hält bis heute gültige absolute Geschwindigkeitsrekorde, den ohne Nutzlast und den mit 1000 kg, sowie den Höhenrekord im Horizontalflug (Quelle: Wikipedia). 1974 benötigte sie für den Flug New York - London 1.55 Std. Eine solche Reisezeit würde mir für meine USA-Reisen gerade passen!

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Dank seines gepflegten Äusseren ebenfalls ein Blickfang in der Halle.

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Im Freien finden sich weitere Prachtstücke. So haben hier mehrere Air Force One Maschinen ihre letzte Ruhe gefunden, wie z.B. die Boeing VC-137B.

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Oder der Skycrane, Sikorsky CH-54A, Erstflug 1964

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Leihgabe der NASA: «Super Guppy», B-377SG

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Strategischer Bomber Convair B-36 «Peacemaker», im Einsatz 1947-1959

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Das Close-Up der 52-2827 zeigt mehr Details des auffälligen Vorderteils.

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Boeing EB-47E Stratojet Electronic Warfare, im Einsatz 1947-1964

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Auch Flugzeuge mit Bezug zur Schweiz sind zu sehen: Hier die TWA Lockheed L-049 Constellation «Star of Switzerland».

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Oder die Boeing C-97G HB-ILY, welche auf eine interessante Vergangenheit zurückblicken kann: Betrieben wurde sie einst von der Balair. In den Jahren 1969 und 1970 transportierte sie Hilfsgüter des Roten Kreuzes für die hungernde Bevölkerung Biafras. Besatzung und Flugzeug stellten die USA zur Verfügung. Mehr dazu lässt sich hier finden: http://www.skynews.ch/archiv/01-52_SkyNews12_09.pdf

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Nicht fehlen darf im Pima Air Museum natürlich eine B-52: Hier die Boeing NB-52A Stratofortress. Der Bomber ist eine der zwei Maschinen, die seinerzeit für das X-15-Projekt verwendet wurden.

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Die Zeit vergeht wie im Flug. Für den späteren Nachmittag ist die Tour auf dem Gelände der 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) vorgesehen. Ich erstehe eines der begehrten Tickets und warte, bis das Zeichen zum Einstieg in den Bus gegeben wird. Wie es soweit ist, werden die Teilnehmer sorgfältig kontrolliert: Ticket und Pass nehmen die Tourguides genau unter die Lupe. Dann werden die Regeln für die Tour bekanntgegeben. So ist das Aussteigen streng verboten. Allerdings darf fotografiert werden, uff!

 

Die paar Meilen bis zum AMARG-Eingang auf der Davis-Monthan AFB sind schnell zurückgelegt. Dort gibt's eine erneute Kontrolle. Endlich öffnet sich vor uns das Tor der Begierde. Mehr als 4400 Flugzeuge und anderes Luftgerät sind hier zur Aufbereitung für einen neuen Einsatz oder als Ersatzteilspender versammelt! Schade, dass die Scheiben des Tourbusses getönt sind. Da wird das Fotografieren zum Problem. Machen wir das Beste draus, anderen geht's ja nicht besser.

 

In den folgenden anderthalb Stunden fahren wir an einer unglaublichen Vielfalt von Flugzeugtypen vorbei. Der Guide erklärt ununterbrochen (zu viel für meinen Geschmack), er will sein Wissen unbedingt an den Mann bringen (die Ladies sind kaum vertreten). Wenn ein Teilnehmer während seines Vortrages mit seinem Sitznachbarn redet, wird der Guide grob. Ich konzentriere mich lieber auf das Fotografieren der Flugzeuge. Die folgenden Bilder lasse ich unkommentiert.

 

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Gesättigt von den vielen Eindrücken verlassen wir auf die angegebene Zeit das Areal und sind nach einigen Minuten wieder beim Pima Air Museum zurück. Nach dem langen Nachmittag meldet sich nun mein Magen aufs Eindringlichste. Und weil ich von den vielen Eindrücken auch müde bin, fahre ich zum La Quinta Inn zurück. Dort zeigt sich aber schnell, dass das gute Hotel kein eigenes Restaurant führt. Na aber! Auf der anderen Strassenseite liegt jedoch ein Best Western, die wissen sicher, was Gäste wünschen.

 

Beim Überqueren der Strasse in der Dunkelheit fällt mir auf, wie unüblich dunkel es ist. Den Grund erfahre ich später: Tucson verzichtet aufgrund der relativen Nähe zum Kitt Peak National Observatory, 65 km südwestlich der Stadt gelegen, auf helles Licht in der Nacht. Den Weg zum Best Western finde ich auch so.

 

Eine grosse Portion Spagetti à la «Angel Hair» samt den entsprechenden Beigemüsen bringen auch den ausgehungertsten Magen wieder in Form. Nicht allzu spät suche ich dann im Stammhotel jenseits des South Tucson Boulevard meine Liegestatt auf. Morgen heisst`s früh aufstehen!

 

12 Saguaro NP West und ein unerwarteter Flug

 

Eines der Hauptthemen dieser Reise sind die äusserst sehenswerten Kakteengebiete östlich und westlich von Tucson. Sie bilden zusammen den Saguaro National Park. Die schöne und artenreiche Region bildet einen Teil der Sonora-Wüste.

 

Der westliche Teil ist heute mein Ziel. Hier stehen besonders viele Kandelaber-Kakteen. Um gutes Licht zu haben, empfiehlt es sich, den Tag früh zu nutzen. So verlasse ich das La Quinta Inn bereits um 7 Uhr und gelange über den West Ajo Hwy, den Gates Pass und die South Kinney Rd problemlos aus der Stadt. Nach 20 Meilen befinde ich mich im reizvollen Saguaro-Hügelland nordwestlich von Tucson.

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Kein anderer Naturfreund lässt sich vorerst blicken. Ich zweige von der Kinney Rd in die Hohokam Rd ab und befinde mich damit auf dem Bajada Loop Drive. Bald steige ich aus dem Wagen und begebe mich auf einen Trail, der zu einem Aussichtspunkt führt. In der morgendlichen Einsamkeit kreuzen hin und wieder scheue Jackrabbits meinen Weg. Ein tolles Gefühl, nur du und die fast unberührte Natur rundherum!

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Saguaros können 15 Meter Höhe und 8 Tonnen Gewicht erreichen. Seitentriebe bilden sich erst nach über 70 Jahren.

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Ausser den Säulen-Kakteen finde ich zahlreiche Teddybear-Chollas, Kreosotbüsche, Mesquitesträucher und Ocotillos (Kerzensträucher). Besonders die Chollas erweisen sich jedoch als äusserst «anhänglich», so dass ich mich ihnen nach einigen bösen Erfahrungen nur noch mit grosser Vorsicht nähere.

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Mehr Zuneigung geniessen die farbenfrohen Kaktusblüten.

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Die fantasievoll ausgebildeten Seitenarme inspirieren immer wieder zu allen möglichen Vergleichen.

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Gegen Mittag erreiche ich das Ende des Bajada-Loops und besuche anschliessend für weitere Informationen noch kurz das Red Hills Visitor Center. Dann fahre ich an den 1995 abgebrannten und neu erstellten Old Tucson Studios über den Gates Pass Richtung Tucson zurück.

 

Doch ein Ziel für diesen Vormittag habe ich noch: Im Süden der Stadt liegt San Xavier del Bac. Gegründet im Jahre 1700, ist die Mission heute ein grosser Publikumsmagnet. Die Einwohner von Tucson nennen sie «Weisse Taube der Wüste». Und wirklich ist die historische Anlage dank ihrem leuchtenden Weiss auch aus grosser Distanz gut zu erkennen.

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Auf dem grossen Platz vor San Xavier bieten Indianer leckere, mit viel Salat und Fleisch gefüllte «Feuerbrote» an. Sie werden vor den Augen der Kunden auf dem Feuerofen zubereitet. Ich erstehe eines, setze mich auf den Felsen über der Mission und geniesse die Aussicht und das Leben.

 

Nach diesem intensiven Morgen will ich mich später auf ein Schläfchen ins Hotelzimmer zurückziehen. Der Weg dorthin führt am Tucson Int`l Airport vorbei. Warum aber nicht noch schnell schauen, ob bei der Werft was Interessantes herumsteht? Ich fahre auf einem Strässchen dorthin und gerate immer weiter zwischen die Bauten des Flughafens. Plötzlich trete ich vehement auf die Bremse: An einem Gebäude vor mir lese ich: «Double Eagle Aviation»! Ist das nicht die Fliegerschule, welche seinerzeit Flüge über das AMARG und über den Pinal Air Park durchgeführt hat? Damit sei es vorbei, habe ich irgendwo gelesen. Aber wenn ich schon einmal hier bin, kann ich ja schnell nachfragen, wie es steht.

 

Und siehe da: Mein Anliegen wird positiv aufgenommen, geradezu selbstverständlich. Ja, der Heli sei zwar gerade nicht abkömmlich, aber anderes Fluggerät durchaus vorhanden, und ein Pilot sei innert einer Stunde auch zur Stelle. Weil das Ganze auch noch bezahlbar ist, nehme ich die einmalige Chance wahr, dem Pinal Air Park doch noch etwas näher zu kommen. Mit grosser Vorfreude und Spannung buche ich einen Flug über beide Airparks. Aus meinem geplanten Schläfchen wird allerdings nichts mehr.

 

Innerhalb der angegebenen Zeit erscheint Tim Amalong, President von Velocity Air. Er wird den Flug durchführen. Zusammen betreten wir den Flugzeugpark. Dann zieht er eine Cessna Skyhawk aus dem Schopf. Schnell wird sie aufgetankt, dann ist alles bereit.

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Los geht`s. Nach wenigen Augenblicken sind wir bereits über dem AMARG. Erst aus der Luft werden die riesigen Dimensionen des Regeneration Centers erkennbar.

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Tim erweist sich als zuvorkommender Flugzeugführer. Mit der Linken steuert er die Cessna, während er mir auf meiner Seite mit der Rechten das Fenster waagrecht hält, damit ich besser fotografieren kann.

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Einige Milliarden wurden da buchstäblich in den Sand gesetzt, denke ich beim Blick nach unten und betätige den Auslöser der Kamera unaufhörlich. Tim dreht Runde für Runde, und erst nach der dritten Schleife merke ich, dass er so lange weitermachen wird, bis ich ihm das Zeichen zum Weiterfliegen gebe. Also auf nach Marana!

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Auf dem Weg dorthin überfliegen wir Tucson diametral. Downtown liegt direkt an der I-10.

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So sehen die Aussenbezirke der Metropole aus.

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Wenige Minuten später sind wir über dem Pinal Air Park. Eine weitere Vielzahl an Flugzeugen, diesmal ziviler Bestimmung, liegt vor meinen Augen. Ein gutes Dutzend solcher «Airplane Boneyards» gibt es in den USA, vor allem in Arizona, New Mexico und Kalifornien. Die Airparks sind Parkplatz, Ersatzteillager und/oder Friedhof.

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Tim lässt mich zuerst einen Überblick gewinnen und dreht auch hier einige Runden über dem Platz.

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Northwest-Gerät ist unter den abgestellten Fliegern stark vertreten.

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Wer wie diese beiden 747 beim Evergreen Maintenance Center (EMC) Aufnahme findet, hat gute Chancen, noch gebraucht zu werden.

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Flächenmässig ist Marana der grösste Airplane Boneyard der Welt. Zurzeit stehen hier um die 200 Maschinen herum. Der Überblick zeigt viele bekannte Airlines, aber auch einige mir «neue» wie z.B. die BAX Global.

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Schliesslich schlägt Tim vor, zu landen und dann zum besseren Betrachten einige Runden zu täxeln. Da bin ich natürlich sofort dabei. Die Landeerlaubnis auf dem landmässig so abgeschirmten Airport wird uns bereitwillig erteilt.

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Boeing E-4B

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Auch ohne Titel ist noch klar erkennbar, wem diese 747 gehörte.

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Die 747 eines bekannten Triebwerkherstellers.

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Für Mandarin Airlines flog diese Boeing 747SP-09 einst.

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DC-10-30 der ATA Airlines. Die Fluggesellschaft aus Indianapolis hat 2008 alle Aktivitäten eingestellt.

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Nach der ausführlichen Besichtigung ist es schliesslich Zeit für die Rückkehr. Zum Abschied drehen wir nochmals einige Runden über dem EMC und nehmen dann Kurs Richtung Tucson. Bald liegt TUS vor uns.

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Ein spannender Freitagnachmittag findet nun sein Ende. Tim hat sich bis zuletzt bemüht, mir das z.T. schwierige Fotografieren (Luftzug!) etwas leichter zu machen, hat mir auch beim Pinal Air Park das Fenster offen gehalten und ist meinen Wünschen, so gut es ihm möglich war, entgegengekommen. Für seine Hilfsbereitschaft bin ich ihm herzlich dankbar.

 

Dass ich, schliesslich im Hotelzimmer angelangt, sehr schnell den Schlaf gefunden habe, lässt sich leicht denken.

 

13 Auf nach San Diego!

 

An diesem Tag ist ausnahmsweise das Frühstück im Zimmerpreis inbegriffen, also lasse ich es mir auf keinen Fall entgehen. Dann wird gepackt und ausgecheckt. Heute steht die grosse Überführungsetappe nach San Diego auf dem Programm, 671 km von Tür zu Tür.

 

Zuerst führt der Weg über die I-10 Richtung Phoenix. Vor Casa Grande zweige ich auf die I-8 nach Westen ab. Bei Gila Bend gibt`s die erste Rast. Die heutige Route führt lange durch die riesige und eintönige Sonora-Wüste. Bei Yuma erreiche ich die mexikanische Grenze. Dieser werde ich nun für viele Meilen folgen. Die Grenznähe zeigt sich in der Folge, dass ich bis nach S.D. sicher fünf Mal von der U.S. Border Patrol kontrolliert werde. Immer eine grosse Sache mit aufgestellten Scheinwerfern, grossem Aufgebot an Uniformierten, Fahrzeugen und so. Unisono kommt die Frage: «Welches war heute Ihr Abfahrtsort?» Selbstverständlich gebe ich darauf eine ehrliche Antwort. Danach darf ich jeweils unbehelligt weiter fahren. Zu dieser Frage der Patrol kommt mir spontan der bekannte Asterix-Spruch, in abgewandelter Form, in den Sinn: «Die ......., die Amis!».

 

Die letzten 120 Kilometer vor San Diego führen durch den Cleveland National Forest, eine wunderschöne Landschaft mit viel Auf und Ab der Autobahn. Noch vor drei Uhr erreiche ich dank Navi punktgenau meine Unterkunft im Zentrum der Millionenstadt. Es ist das Hollyday Inn Downtown, 15 Gehminuten von der Bay entfernt.

 

Nach dem Auspacken lockt mich noch ein Bummel dem Embarcadero entlang. Weil Samstagabend und tolles Wetter ist, flaniert die halbe Welt hier unten an der Wasserkante. Es ist so schön hier entlang zu gehen, dass ich auf einen Besuch des Flugzeugträgers USS Midway verzichte. Zufrieden nach diesem Tag ziehe ich mich beim Einbruch der Dunkelheit ins Hotel zurück und horche bald am Bettkissen.

 

Für Sonntag sind ein paar Stunden am Lindbergh Field (SAN) geplant. Da jedoch das Licht zum Spotten erst gegen Mittag gut wird, will ich mir unterdessen die Halbinsel Coronado etwas ansehen. Sie ist von der Stadt aus über die gigantische, aber mautfreie Coronado-Bridge erreichbar. Der Blick vom obersten Punkt aus über die Bay ist phänomenal. Leider ist dort aber ein Anhalten absolut unmöglich. So gelange ich ohne Foto-Stopp zur Mega-Sandbank hinüber.

 

Bei einem Bummel dem Coronado-Strand entlang entdecke ich vor der Silhouette von Downtown diese Damengruppe beim Morgentraining.

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Gegen Mittag fahre ich wieder über die Brücke zurück und bin bald am Flughafen im Norden der Bay. Zum Fotografieren bietet sich dort ein kleiner Parkplatz zwischen Flughafengelände und North Harbor Drive an. Zwar ist es hier etwas lärmig, aber man gewöhnt sich. Mit einigen Tricks gelange ich zu einem guten Überblick über das Geschehen.

 

Der United Express CRJ-200ER steht sinnbildlich für die dominante Präsenz der US-Airlines in SAN.

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Da Heavies in SAN generell Mangelware sind – ausser vereinzelten Frachtern läuft da gar nichts – freue ich mich einfach an den verschiedenen Specials, wie z.B. diesem Conti Retro Jet.

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Auch dieser Nevada-Repräsentant unterscheidet sich wohltuend von der übrigen Southwest-Meute:

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Gefällig vor diesem Hintergrund kommt die WestJet 737 daher:

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Auch ein Blick nach hinten kann sich zuweilen lohnen. Da rauscht nämlich gerade ein Detachement der San Diego Fire-Rescue mit grossem Konzert vorbei.

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Meine Zeit in S.D. erweist sich nun definitiv als zu kurz. So will ich mich in den verbleibenden Stunden noch etwas weiter umsehen. Dazu fahre ich westwärts am Flughafen vorbei und umrunde dann die San Diego Bay bis zum äussersten zugänglichen Punkt der Point Loma Peninsula. Am Ende des 16 km langen Höhenzuges mit steil abfallenden Klippen geniesse ich einen fantastischen Blick auf den Pazifik im Westen und San Diego im Osten.

 

Noch auf der Peninsula besuche ich auch den Fort Rosecrans National Cemetery, einen der wohl am schönsten gelegenen Soldatenfriedhöfe. Von hier schweift der Blick über die ganze Bay-Area. Und ich erlebe hier einmal mehr, dass Amerikaner eine ganz besonders starke Beziehung zu ihren Kriegsgefallenen haben.

 

Auf dem weiteren Rückweg entdecke ich ein Einfamilienhaus-Quartier am Hang, von dem man ebenfalls einen grandiosen Ausblick über die Bay hat. Ein toller Standort für Aufnahmen, wie sich in der Folge zeigt!

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Während meines Fotografierens tritt eine Frau – Hawaiianerin – aus dem nächsten Haus. Wir kommen ins Schwatzen und ich sage zu ihr, hier sei meiner Ansicht nach einer der besten Plätze weltweit zum Wohnen. Sie findet das auch, deutet dann auf das Haus vis à vis und erklärt, es stehe zum Mieten frei. Muss ich mir unbedingt merken! Mal schauen, was meine Liebste dazu meint. (Leider erweist sich dann zu Hause, dass die Angetraute dafür absolut kein Musikgehör hat.)

 

Nochmals kurz zum kleinen Parkplatz am Airport zurück. Specials tauchen keine mehr auf. Ich wechsle die Strassenseite. Beim Sunset präsentiert sich die Bucht mit der Skyline dahinter besonders gefällig.

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Nachtessen in Little Italy. Letzte Nacht in S.D. Die Stadt hätte noch so viel zu bieten: Gaslamp Quarter, Balboa Park, Sea World, und, und, und … Gerne würde ich ein andermal hierher zurückkehren.

 

14 Spotten in LAX

 

Es ist Montagmorgen. Abreisetag. Ich verlasse bei Nebel «America`s finest City» über den San Diego Fwy nordwärts. In Del Mar nehme ich aber bereits wieder die Ausfahrt. Ich will nochmals zum Pazifik runter. Wer weiss, ob ich in L.A. noch Zeit dafür habe. Der Torrey Pines State Beach ist genau der richtige Ort, um gedankenverloren den Wellen des Weltmeeres zuzuschauen.

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Und dann fahre ich auf der I-5 und anschliessend auf dem einzigen Tollway dieser Reise über Anaheim direkt nach El Segundo. Damit hat sich der Kreis geschlossen. Auf dem Imperial Hill, im Süden von LAX, verbringe ich den ganzen Nachmittag mit Spotten. Und es ist ein guter Nachmittag. Abends beziehe ich mein Quartier wieder im Hacienda Hotel Airport. Der Bauer frisst, was er kennt.

 

Auch den ganzen folgenden Tag bin ich bei angenehmsten Bedingungen auf dem Hügel und nehme, was kommt. Den Mittwochmorgen verbringe ich auf dem Parkplatz des Proud Bird Restaurants und beim In-N-Out Burger. Die vielen Bilder würden jedoch den Rahmen dieses Reiseberichtes sprengen. In einem separaten Beitrag werde ich später Aufnahmen aus LAS, PHX, SAN und LAX zeigen.

 

Hier einfach ein paar LAX-Müsterchen aus diesen Tagen:

 

China Eastern farbenfroh mit Expo-2010-Werbung

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Immer noch ein beliebter Treffpunkt für Spotter: In-N-Out Burger im Norden des Flughafens.

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So nah rauschen die Flieger beim Gasthaus «Zum Güldenen Bogen» dem Spotter über den Kopf.

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ATI Air Transport International aus Little Rock, Arkansas, operiert noch über ein Dutzend DC-8.

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Bei Aufnahmen von LAX darf der dicke Aussie natürlich nicht fehlen.

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Zwischendurch offenbarte ein Blick himmelwärts Interessantes. Gleich zwei Achter kreisten für einige Zeit hoch über uns.

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15 Sunset beim Griffith Park

 

Für Mittwochnachmittag habe ich noch etwas Besonderes vor: Gewissermassen als Abschluss der US-Southwest-Reise 2010 möchte ich beim Griffith Observatory, hoch über der Stadt erleben, wie sich Los Angeles bei der Abenddämmerung in ein riesengrosses Lichtermeer verwandelt. Der Griffith Park liegt etwa zehn Kilometer nördlich von der Downtown Los Angeles und drei Kilometer östlich von Hollywood entfernt. Die Fahrt vom Flughafen dorthin gestaltet sich für einmal etwas mühsam. Auf dem Harbor Fwy herrscht Stau und anschliessend muss ich die Abzweigung zum Griffith Park zuerst etwas suchen. Wandern wäre eine Alternative gewesen.

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Aber schliesslich finde ich den Weg und fahre auf dem schmalen Strässchen hinauf. Der Besuch lohnt sich alleweil, denn die Sternwarte beherbergt diverse Kostbarkeiten: Gesteinsbrocken von Mars, Mond und Meteoriten, ein Modell des Hubble-Weltraumteleskops sowie ein 100 kg schweres Foucaultsches Pendel, das die Rotation der Erde veranschaulicht. Im Freien geniesse ich einen fantastischen Ausblick auf Los Angeles.

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Das altehrwürdige Observatorium liegt auf einer Felsnase des Mount Hollywood unweit vom berühmten Sign. Hinter dem Gebäude schliesst sich ein gepflegter Park an.

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Weltbekannt wurde die Sternwarte aber durch die Dreharbeiten zum Spielfilm «Denn sie wissen nicht, was sie tun» mit James Dean in der Hauptrolle. An ihn gedenkt man hier auch heute noch.

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Auf dem Dach des Observatoriums kommt der Besucher in den Genuss einer grandiosen Rundsicht.

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In der Kuppel kann ich das Teleskop nur unter grossen Verrenkungen fotografieren.

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Wie sich Sunset nähert, steige ich auf dem Trail hinter dem Park Richtung Gipfel Mount Hollywood hoch. Noch bevor ich ihn aber erreiche, hat die Sonne den Horizont erreicht. Ein letztes Bild mit Tageslicht: Griffith Observatory vor L.A. Downtown

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Schnell bricht die Nacht herein. Wieder unten bei der Sternwarte, beobachte ich, wie von weiter unten mehrere starke Lichtfinger durch die Dunkelheit irrlichtern. Wir sind in Hollywood, und es besteht kein Zweifel: Hier wird wieder ein Film gedreht.

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Langsam wird es Zeit, quer durch die Riesenstadt zum Hacienda Hotel in El Segundo zurückzukehren. Die letzte Nacht im Südwesten. Der Donnerstag bringt noch das Obligate: Einkäufe, Gepäck sortieren, Autorückgabe, Einchecken, Warten am Flughafen, und dann:

 

16 Es geht nach Hause

 

Während des Fluges habe ich genügend Zeit, die vergangenen drei Wochen Revue passieren zu lassen. Viel, sehr viel Schönes habe ich in dieser grossartigen Weltecke erleben können. Ich bin auf den 4336 so unterschiedlichen Kilometern im Auto und den vielen Meilen per pedes ausser einer Zehenverstauchung unverletzt geblieben. An vier Orten meiner Route würde ich in der Zukunft gerne je eine Woche verbringen: Kanab mit seiner tollen Landschaft, Escalante aus demselben Grund, Tucson wegen der zahlreichen aviatischen Attraktionen sowie San Diego dank seiner Lage und seinem Klima.

 

Wenn du bis hierher gekommen bist, hast du gutes Durchhaltevermögen bewiesen. Ich hoffe, dass du dich dabei auch gut unterhalten hast. Solltest du durch den vorliegenden Bericht sogar Lust bekommen haben, den amerikanischen Südwesten auch einmal zu bereisen, bin ich darüber – ich gebe es zu – nicht ganz unglücklich.

 

Gruss

 

Dani

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