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Ein überraschender Sonnenuntergang auf der Zugspitze


shamu

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Nachdem MarcoSTR seine wahnsinnig schönen Berg-Berichte veröffentlicht hatte, hatte ich spontan auch richtig Lust einmal einen Bergpanorama zu fotografieren. Klar lehnt man sich als Deutscher weit aus dem Fenster, wenn man in einem Schweizer Forum etwas über Berge schreiben möchte. Aber wisst ihr was: Ich versuche es einfach mal. Und ihr dürft entscheiden, ob es mir gelungen ist. Um diesem Bericht ein richtiges internationales Flair zu geben, habe ich den höchsten Berg Deutschlands auch von der Österreichischen Seite bestiegen.

 

Wie sagte Hazel Brugger es neulich: "Aus der Perspektive von unserem Matterhorn sieht ihre Zugspitze aus wie ein Muckenfurz". Schaun wir doch mal, ob ich besagten Furz wenigstens schön in Szene setzen kann.

 

--

 

Als Wahl-Münchner sollte man meinen, dass ich fest mit der bayrischen Berglandschaft verbunden bin und somit jedem Gast die umliegenden Gipfel mit Namen, korrekter Höhe und Geschichte aus dem Effeff erklären kann.

 

Pustekuchen, denn Wandern ist nicht unbedingt meine Lieblingssportart und viele der Gipfel sind mir tatsächlich völlig unbekannt. So habe ich es beispielsweise bis jetzt nicht einmal auf die Zugspitze - immerhin der höchste Berg der Bundesrepublik Deutschland - geschafft.

 

Höchste Zeit, dies zu ändern! Da kam die Einladung zum Fondue-Abend auf der Zugspitze genau recht. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht wissen, dass sich das Wetter pünktlich zum Sonnenuntergang um 180° Grad drehen würde. Bei diesigem Nebel kam ich in Ehrwald an, einer Gemeinde im österreichischen Bundesland Tirol.

 

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Schon bei den Berichten über Istanbul hatte ich angemerkt, wie unglaublich wichtig aber auch gleichzeitig unberechenbar das Wetter bei Reisen sein kann. Da keine Besserung der Nebelsuppe in Sicht war, und das nass-kalte Nieselwetter auch den Gipfel fest im Griff hatte, gab's für mich an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn erst einmal einen standesgemäßen Jagertee. So wurde mir wenigstens von innen warm.

 

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Hatte ich während der Fahrt noch auf eine kleine Überraschung am Gipfel gehofft, wurde ich oben angekommen leider enttäuscht. Das von mir so sehnlich herbei gesehnte Durchbrechen der Wolkendecke mit der Kabine während der Fahrt blieb aus. Stattdessen schleuderte mir oben ein eiskalter Wind harte Schneebrocken ins Gesicht.

 

Selbst ich, der normalerweise für ein gutes Foto eine gewisse Leidensbereitschaft mitbringt, hielt es nicht lange auf der Aussichtsterrasse im Freien aus.

 

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Fürs erste änderte ich meine Pläne und entschloss mich für eine gründliche Erkundung der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn von innen. Schließlich ist dies eine Seilbahn mit einer langen Tradition. 1926 gewannen die Österreicher das Wettrennen mit den Deutschen und erschlossen den Gipfel per Seilbahn. Allerdings endeten die damaligen Gondeln 150 Meter unterhalb des Gipfels und erreichten so nur das Skigebiet des Zugspitzplatts.

 

Nachdem man 1964 die Bahn doch mit Ach und Krach zum Gipfel verlängerte, wurde die ganze Anlage 1988 komplett neu gebaut. Leider brannte 2003 die Talstation und eine Gondel bei einem schweren Brand eines Nachtspeicherofens komplett ab, so dass man sich abermals für einen Neubau entschied.

Die neue und heutige Seilbahn stammt somit aus dem Jahr 2003.

 

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Wie ihr merkt, hat die Seilbahn eine bewegte Geschichte hinter sich, was die Besitzer der Anlage zum Bau eines Museums bewegte. Die "alte" Seilbahn, inklusive der alten und nun ungenutzten Bergstation im Keller, ließ man deswegen einfach im zurückgebauten Zustand von 1960 als riesiges Exponat stehen. Wer will kann sich für 2,50€ Eintritt die Geschichte der Erschließung von der österreichischen Seite aus anschauen.

 

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Für die ganz Hartgesottenen gibt es in der ehemaligen Station auch einen begehbaren Glasboden. Leider ist die Zugspitze nur 2960m hoch, so dass Deutschland ganz knapp keinen Dreitausender besitzt. Der Blick durch die Scheiben nach unten sollte dennoch für ein wenig Nervenkitzel genügen.

 

Ebenfalls gibt es auf der Dachterrasse noch ein neu gebautes Museum mit dem Namen Schneekristall, in dem der interessierte Besuchen kostenlos mehr über die Entstehung von Schnee erfahren kann.

 

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Plötzlich wurde es auf dem Gipfel hektisch. Sollte da etwa doch ein Stück blauer Himmel zu sehen sein? Entgegen des Wetterberichtes, der für den Rest des Abends keine Hoffnung machte, blitzten auf einmal die umliegenden Gipfel aus der Wolkendecke hervor.

 

Nicht nur ich griff den Fotoapparat und stürmte nach draußen.

 

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Tatsächlich lichtete sich der Nebel immer weiter und gab langsam auch das Zugspitzplatt frei. Zur Erklärung: Die Zugspitze ist kein normaler Berg, sondern eher ein Massiv mit vielen kleinen Gipfeln und einer steilen Wand in Richtung Österreich. Nach Deutschland fällt der Berg eher sanft in Form einer Rutschbahn am sogenannten Zugspitzplatt ab, auf dem sich logischerweise auch das Skigebiet befindet.

 

Auf dem folgenden Bild sieht man die steil abfallende Flanke Richtung Österreich auf der rechten Seite und links das Zugspitzplatt mit den vielen Liften. Wer genau hinschaut sieht in der Mitte unterhalb der Antenne die verlassene ehemalige Bergstation der ersten Seilbahn, die unterhalb des Gipfel endete. Mit dem Skigebiet war die Station damals durch einen 700m langen Tunnel von rechts nach links verbunden.

 

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Sah die Wetterlage zuerst nach einem temporären Wolkenloch aus, herrschte mittlerweile strahlender Sonnenschein auf dem Gipfel ohne Aussicht auf Verschlechterung. Schnell wagte ich den Sprung auf die deutsche Seite. Sollte irgendwann das Schengener Abkommen fallen, müsste tatsächlich wieder ein Grenzposten Tag und Nacht auf der Zugspitze stehen.

 

Die Grenze Deutschland-Österreich verläuft mitten durch den Gipfel.

 

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Wenn man schon so nahe am höchsten Punkt Deutschlands ist, musste ich natürlich auch einen Blick auf den Gipfel der Zugspitze werfen. Dieser ist zwar begehbar, allerdings nur für alpine Profis und nicht für Normalsterbliche wie mich.

 

Wer genau hinschaut, sieht unterhalb der Kabelführung im Vordergrund auf der linken Seite des Gipfels eine völlig verschneite Leiter. Im Sommer können Bergsteiger hier über einen Klettersteig die letzten Meter zum höchsten Punkt zurück legen.

 

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Das Wetter hielt, und so waren die Aussichten auf einen Sonnenuntergang der Spitzenklasse vorprogrammiert. Pünktlich als die Sonne die Wolkendecke nach unten durchbrach, brachte ich mich in Position. Dort knipste ich wahrscheinlich die besten Fotos, die ich jemals auf einem Berggipfel geschossen habe.

 

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Trotz der plötzlichen Wetterbesserung waren die Temperaturen noch immer eisig geblieben, so dass ich zwischen zwei Emotionen unentschlossen blieb: Zum einen froren meine Finger auf dem Auslöser und brannten wir Feuer. Zum anderen kam ich aus dem Knipsen überhaupt nicht mehr heraus.

 

Mit jedem Zentimeter, den die Sonne mehr unterging wurden die Motive besser. Es war eine so unglaubliche Atmosphäre auf dem Gipfel, besonders als sich der Himmel immer mehr in Richtung violett verfärbte. Besonders angesichts der Wetterverhältnisse, die noch bei der Hochfahrt herrschten. Wer will, darf zum Vergleich gerne noch einmal hochscrollen.

 

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Richtig genial wurde es, als ich Franz Dengg - immerhin niemand geringeren als den Eigner der Tiroler Zugspitzbahn - im Scherz fragte, ob er nicht bei dieser genialen Lichtstimmung eine Gondel fahren lassen könnte. Klar, überhaupt kein Problem. Für mich würde er die Gondel einfach auf die erste Stütze hinaus fahren lassen.

 

Völlig perplex ließ er mich und meine Kamera stehen und verschwand in Richtung Bergstation. Und tatsächlich bewegte sich nach nur wenigen Minuten eine Kabine in Richtung erster Stütze und blieb in perfekter Fotoposition genau in der Mitte meines Motives stehen.

 

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Für ein perfektes Foto darf auch gerne ein wenig mehr Risiko dabei sein. Also ging ich mit normalen Halbschuhen eine vereiste Treppe in Richtung Zugsplitzplatt nach unten, die mit einem Schild ausdrücklich nur für "erfahrene Alpinisten" freigegeben war.

 

Wahrscheinlich half mir auch ein wenig Adrenalin dabei, mich an dem vereisten Geländer festzuklammern, während ich munter weiter Fotos knipste. Ich denke, die Motive waren es definitiv wert.

 

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Ein Glück entschied sich die Sonne irgendwann für einen kompletten Untergang. Von alleine hätte ich mich wahrscheinlich nie von dem Motiv losreißen können. Nach getaner Arbeit konnte ich mich somit ganz auf das Hauptaugenmerkt des Ausfluges konzentrieren. Das angekündigte Fondue im Gipfelrestaurant.

 

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Das Fondue auf dem Gipfel ist übrigens nicht nur für Reiseblogger, sondern für Jedermann buchbar. Für 65,00€ pro Person ist nicht nur das Essen, sondern auch die Fahrt mit der Seilbahn inklusive. Regulär zahlt ein Erwachsener 40,50€ für eine Berg- und Talfahrt auf die Zugspitze. Der Preis für ein Abendessen ist demnach absolut in Ordnung.

 

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Logischerweise reichte nach Sonnenuntergang das Licht nicht mehr für Fotos der Abfahrt ins Tal aus. Bei solchen Fotos vom Sonnenuntergang wäre aber eine Steigerung sowieso nur schwer möglich gewesen.

 

Ich hoffe, die Fotos haben bei euch richtiges Fernweh ausgelöst. Selbst Conny, die aus Zeitgründen leider nicht an diesem Ausflug teilnehmen konnte, ist nun Feuer und Flamme auch einmal auf die Zugspitze zu fahren. Gerade im Sommer wollten wir definitiv noch einmal gemeinsam auf den höchsten Berg Deutschlands fahren.

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Servus!

 

Geniale Bilder hast du da gemacht.Absolut schöne Gegend dort!Immer eine Reise wert!

 

Danke fürs Zeigen!

 

Gruß Dominik 

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  • 2 Wochen später...

Sehr schöne Bilder, es gibt doch nichts schöneres als über dem Hochnebel zu sein und dann noch dieser toller Sonnenuntergang, echt top. Leider fährt die Seilbahn ja regulär nicht bis zum Sonnenuntergang. Das geht dann nur bei so Events und auch nur mit der Tiroler Seilbahn oder? Aber gut für den geringen Aufpreis lohnt sich das schon, vorallem im Sommer :)

Bearbeitet von MarcoSTR
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